Wildgarten: Hochwasser hat die Freizeitattraktion in Furth im Wald überflutet

Hochwasser flutet Keller und Innenstädte oder auch beliebte Freizeiteinrichtungen, wie den Wildgarten Furth im Wald. Aber es ist auch notwendig, wie Philipp Wolf vom Wasserwirtschaftsamt Regensburg (WWA) weiß.
Ulrich Stöckerl steht neben dem Eingang seines Wildgartens. Hinein geht es nicht, das Wasser steht kniehoch über die ganze Anlage. Jeder, der den Wildgarten kennt, weiß, Stöckerl hat Sinn für morbiden Humor. Er deutet auf ein Rad, das beim Eingang halb im Wasser liegt: „Da ist einer hinein gefallen und nicht mehr rausgekommen“, sagt er und lacht. Stimmt natürlich nicht.
Früher war es schlimmer
Auch sonst lässt er sich von den Fluten, die sich durch sein Eigentum wälzen, nicht die Laune verderben. Im Gegenteil. Er zeigt auf eine Hütte die auf Stelzen steht: „Wir haben vorgesorgt, alle Hochbauten sind so konzipiert, dass nichts passieren kann.“ Auch das unterirdische Aquarium, für das der Wildgarten bekannt ist, ist so abgesichert, dass kein Wasser von außen reinfließen kann. „Hochwasser kommt und Hochwasser geht“, sagt Stöckerl, der diese Situation regelmäßig erlebt. Bald sei nichts mehr zu sehen, er befürchtet auch keine Schlammlawine, die auf seinem Grund liegen bleiben könnte. „Ich werde höchstens einige abgebrochene Äste vom Weg wegräumen müssen.“
Früher sei das anders gewesen, das Hochwasser habe kürzer gedauert. Dafür ist es mit wesentlich höherer Geschwindigkeit über das Gelände geschossen und hat einiges mitgerissen. Stöckerl: „Seit der Stausee da ist und der Abfluss reguliert wird, ist die Situation wesentlich entspannter, weil die Spitzen genommen werden.“ Er ist außerdem sicher, dass die derzeitige Situation Wasservorräte bis mindestens Juni sichern wird. Beide Aussagen kann Philipp Wolf, Abteilungsleiter des WWA für den Landkreis Cham vorbehaltlos bestätigen. Die Mitarbeiter vom Betriebshof Drachensee seien Tag und Nacht unterwegs, um den Ablauf so zu steuern, dass die Meldestufe zwei nicht überschritten wird. „Maximal erreichen wir die Meldestufe drei, da muss dann der Campingplatz evakuiert werden.“ Mit Blick auf die Wasserstands-App „Meine Pegel“ kann er für den Bereich Furth im Wald im Moment Entwarnung geben. Es soll zwar noch regnen, die Stände können auch noch etwas ansteigen aber Wolf rechnet für den Moment mit keiner dramatischen Situation mehr. Auch beim von Stöckerl angesprochenen Thema Wasserspeicher geht der Abteilungsleiter mit.
Ökologische Veränderung
„Hochwasser und viel Niederschlag ist extrem wichtig für die Grundwasserbildung, gerade im Winter, wo es weniger Vegetation gibt, die Wasser aufnehmen und verdunsten kann.“ Auch die Schneeschmelze sorgt demnach dafür, dass sich Grundwasser neu bilden kann. Eine Situation auf die wir uns laut Experten in Zukunft vorbereiten müssen. Der Klimawandel beschert uns demnach heiße, trockene Sommer und feuchte Winter.
Doch Hochwasser hat laut Wolf auch einen ökologischen Nutzen. „Dabei wird zum einen das Flussbett umgelagert, es wird praktisch aufgeräumt.“ Zum anderen sind die Ufer an einer Seite meistens steil, an der anderen flach. An der steilen Seite rutscht auch schon mal die Böschung ab, Material wird bewegt und bleibt anderswo liegen. „Das ist eine natürliche und gewünschte ökologische Veränderung.“
Meldestufen
Es gibt vier Meldestufen bei Hochwasser:
• 1: Stellenweise kleinere Ausuferungen.
• 2: Flächen außerhalb bebauter Gebiete überflutet oder leichte Behinderungen auf Hauptverkehrs- und Gemeindestraßen.
• 3: Einzelne bebaute Grundstücke oder Keller überflutet, Sperrung überörtlicher Verkehrsverbindungen, vereinzelter Einsatz der Wasser- oder Deichwehr erforderlich.
• 4: Bebaute Gebiete in größerem Umfang überflutet oder Einsatz der Wasser- oder Deichwehr in großem Umfang erforderlich.
