„Spannend und fordernd zugleich“ – Das Jahr des Landtagsabgeordneten Julian Preidl aus Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 3. Januar 2024 um 11:00

Es hat fast bis in den Abend nach der Wahl gedauert, bis Julian Preidl endlich wusste, dass er für die Freien Wähler in den Landtag einziehen werde. Bis zuletzt hieß es zittern – nicht nur bei ihm, sondern auch bei dem großen Kreis der Unterstützer, die ihm im Wahlkampf zur Seite gestanden hatten.

„Aufregend, spannend und fordernd zugleich“ beschreibt der Nun-Abgeordnete im Bayerischen Landtag das Jahr, das hinter ihm liegt. Beim Gespräch mit unserer Zeitung ist er gerade kurz vor dem Jahreswechsel am Ziel seines einzigen Urlaubes in diesem Jahr in der norwegischen Hauptstadt Oslo angekommen. Dass die Reise, die mit einer Kampfabstimmung über seine Kandidatur oder die des Kreisvorsitzenden Christian Schindler vor ziemlich genau einem Jahr begonnen hatte, so enden würde, „das konnte niemand vorhersehen“, sagt Julian Preidl.

Nicht umsonst „Wahlkampf“

‚Unterm Strich habe aber auch für ihn ein Jahr, das so erfolgreich zu Ende gehe „positive und Schattenseiten“, sagt er. Darum sei er froh, das „große Projekt“ geschafft zu haben – aber ebenso zufrieden sei er, dass es vorbei sei: „Es heißt ja nicht umsonst ,Wahlkampf‘“, setzt er noch hinzu. Nun gelte es auch einmal, nach vorne zu schauen, und da warte auch schon wieder einiges auf ihn.

So habe sich bis zum Schluss des Jahres verschärft, was schon im Wahlkampf begonnen habe: „Die Themen im Land werden sehr oft von denen aus Berlin überlagert“, sagt er. Oder wer hätte im Januar schon gedacht, dass die Wahl für die Freien Wähler auch eine „pro oder contra Aiwanger werden würde?“, fragt er (auch sich selbst).

Jetzt geht es richtig los

Was seine ersten Wochen im Landtag betrifft, sagt er, dass viele in die Kategorie Organisation falle. Wer sitzt in welchen Ausschüssen? Was muss noch in den Koalitions-Vertrag mit hinein? Solche Dinge eben. Er selbst sei auch auf der Suche nach einem eigenen Mitarbeiter gewesen, der sich für ihn um das Thema Social-Media kümmern wird, sagt Julian Preidl. Moderne Kommunikation sei nicht nur der Schlüssel für ihn zum Wahlerfolg gewesen, sondern werde auch weiterhin einen hohen Stellenwert in seiner täglichen Arbeit einnehmen, um mit den Wählern auch nach dem Wahlkampf in Verbindung bleiben zu können. Wie wichtig auch diese Arbeit abseits vom Plenarsaal und von Besprechungsräumen ist, das habe erst eines der jüngsten Videos zu Protesten der Landwirte gezeigt, das alleine 1,4 Millionen Nutzer erreicht habe, rechnet Julian Preidl vor.

Worauf er sich im neuen Jahr aber auch freue sei, dass wieder etwas mehr Routine in sein Leben einziehen werde. „Von Anfang Januar bis März geht es jetzt erst einmal voll durch mit der Arbeit im Landtag“, sagt er. Die ersten Ausschuss-Sitzungen habe er auch schon gehabt. Die unterschieden sich dann doch etwas von denen im Plenarsaal. Denn während es in der großen Runde viel um Parteienpolitik und deren Ziele gehe, stehe im kleineren Ausschuss die Sacharbeit im Mittelpunkt – und das sei irgendwie dann doch wieder ein wenig wie die Arbeit im Stadtrat in seiner Heimatstadt, in dem er natürlich auch weiter mitarbeiten will. In Bad Kötzting zum Wohl der Bürger der Stadt, im Landtag für das Wohl aller Bürger in ganz Bayern. 2024 dann mal ganz ohne Wahlkampf und ohne Nominierung oder ähnliches. Einfach „nur“ die politische Arbeit eben.

Das Wahl-Jahr

Januar: In Cham kommt es zur Kampfabstimmung aller drei Freie-Wähler-Verbände im Landkreis Cham um die Frage, ob nun Christian Schindler aus Cham oder Julian Preidl aus Bad Kötzting als Direktkandidat der Freien Wähler nominiert werden wird – spektakulär setzte sich Preidl durch, auch, weil er mehr Mitglieder (auch neu aufgenommene) mobilisieren konnte als sein Mitbewerber.

Wahlkampf: Neun Monate lang führte er anschließend einen Wahlkampf, der sowohl klassische öffentliche Auftritte als auch eine hohe Zahl von Fotos und Videos in den sozialen Netzwerken umfasste.

Wahl: Knapp 20 000 Stimmen bekam Julian Preidl bei der Wahl zum Landtag am 8. Oktober und schaffte damit den Einzug in den Landtag. Knapp war es zum Schluss doch noch geworden, denn es hatten nur rund 1200 Stimmen darüber entschieden, ob der vierte Abgeordnete aus der Oberpfalz nicht doch Bernhard Schmidt und nicht Julian Preidl heißen würde.

Am Wahlabend: Singen mit Bürgermeister Hofmann zu den Hochrechnungen Foto: Weber
Stadtratskollege Robert Riedl (r.) war vor Preidl Abgeordneter im Landtag. Foto: Schmelber
Der Landtagskandidat der Freien Wähler, Julian Preidl, mit einem Teil seines Unterstützer-Teams zu Beginn der heißen Wahlkampfphase Foto: Ellmann