Die ehemalige Gansbrauerei in Neumarkt ist jetzt Denkmal, doch ihre Zukunft ist ungewiss

Efeu rankt sich vom Boden bis zum Dach. Auch das Eingangsportal hat er fest umschlungen. Das Kloster ähnliche Gebäude am Viehmarkt hinter dem Mittleren Ganskeller wirkt ein wenig, wie aus der Zeit gefallen. Goswin Diepenseifen, Geschäftsführer der Gansbräu, erklärt, warum es in die Liste der Bayerischen Denkmäler aufgenommen wurde und wie es nun weitergeht.
„Das ist unser verwunschenes Dornröschenschloss“, lacht er. Er ist einer der wenigen Menschen, die einen Schlüssel zu dem Gebäude haben. Denn bei dem „Schloss“ handelt es sich um die ehemalige Gansbrauerei.
Sie wurde erst Ende vergangenen Jahres als 81.Gebäude der Stadt in die Liste der Bayerischen Denkmäler aufgenommen. Genutzt wird sie seit über 60Jahren nicht mehr. Die meiste Zeit seien die Türen fest verschlossen, sagt Diepenseifen.
Gasthof bot früher Postkutschen-Reisenden Unterkunft
Doch anlässlich der Erhebung in den Rang gewährt Diepenseifen einen Blick ins Innere. Mit dabei ist auch Stadtarchivar Frank Präger. Der Doktor der Bayerischen und Fränkischen Landesgeschichte will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diesen Ort zu erkunden, den er bisher nur aus historischen Dokumenten kennt.
„Im 19. Jahrhundert war hier ein großer Gasthof für Postkutschen mit einer Kreuzkapelle“, erzählt er. Den gibt es seit dem 19.April 1945 nicht mehr: „Damals kam es zu den letzten Kämpfen des zweiten Weltkrieges in Neumarkt“, erzählt Präger. „In den dadurch entstehenden Bränden wurde ein Großteil der Altstadt zerstört – auch der Gasthof und die Brauerei.“ 1947 machte man sich bei der Gansbräu an den Wiederaufbau: „Es wurde alles behelfsmäßig wiederhergestellt, damit hier wieder gebraut werden konnte“, sagt Goswin Diepenseifen.
Braukessel und Bierfässer sind noch im Gebäude
Und tatsächlich: Als die Tür sich öffnet, wirkt es, als hätte hier gestern noch jemand Bier produziert. Gleich hinter dem Eingang stapeln sich dutzende schwarze Bierfässer. Auch der gekachelte Braukessel wirkt noch ziemlich gut in Schuss. „Bis 1956 wurde hier noch gebraut, dann sind wir in die neue Brauerei in der Ringstraße umgezogen“, berichtet Diepenseifen.
Historische Brautechnik
Man merkt ihm seine Begeisterung an, als er erklärt, wie seine Vorgänger hier ihr Brauhandwerk verrichteten: „Die waren alles andere als dumm! Da sie noch kaum Pumpen hatten, die zudem sehr teuer waren, nutzten sie die Höhenunterschiede des Gebäudes.“ Im nächsten Raum, in dem die heiße Würze abkühlte, gab es statt einer Dampf-Abzugs-Anlage einfach eine enorm hohe Decke. Zusammen mit den übermannshohen schmalen Fenstern könnte man sich fast wie in einem Kirchenschiff fühlen, wären da nicht die überall gelagerten Wirtshaus-Garnituren
Verlassen, nicht vergessen
Irgendwo dazwischen befindet sich eine Treppe in die dunkle Tiefe. Im Schein der Handy-Taschenlampen steigen Diepenseifen und Präger in den ältesten Teil des Gebäudes: die Keller, die vermutlich aus dem 17.Jahrhundert stammen. Hier gibt es momentan nur viel Schutt zu sehen, allerdings säuberlich zur Seite gekehrt. Das verstärkt den Eindruck, dass das Gebäude zwar verlassen ist – aber nicht vergessen.
„Wir bekommen tatsächlich sehr viele Anfragen von Investoren“, sagt Diepenseifen. „Aber wir sehen derzeit keine Notwendigkeit zu verkaufen. Da bräuchte es schon ein sehr stimmiges Gesamtkonzept.“
Neues Gasthaus für Neumarkt?
Und wenn die Gansbräu selbst Hand anlegen würde – und zum Beispiel wieder einen großen Gasthof mit Brauerei daraus machen würde? „Das ist verlockend“, meint Diepenseifen. „Aber aktuell wirtschaftlich nicht sinnvoll.“ Das Gebäude müsste von Grund auf saniert werden, wobei alle Veränderungen der Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde bedürfen. Neben der schwierigen Situation der Gastronomie allgemein spreche auch die Verkehrsanbindung gegen eine Wiederbelebung, lässt Diepenseifen wissen. „Wenn wir brauen, dann wollen wir auch liefern und dafür sind die Straßen zu klein“. Er sieht deshalb momentan keine Entwicklungsmöglichkeiten.
„Ich würde es kaufen, wenn ich ein paar Millionen hätte“, lacht Stadtarchivar Präger. Bis dahin überlässt er das Gebäude aber gerne seinen inoffiziellen Bewohnern: einer Reihe von Vögeln, die sich in den verzweigten Geschossen eingenistet haben.




