Er macht (fast) jeden zum Heimwerker: Influencer René Lang bringt MZ-Reporter Tapezieren bei

Von David Santl · 1. Januar 2024 um 17:23

Er hat sein eigenes Heimwerker-Studio und begeistert von dort aus mit seinem Kanal „4waende1mann“Zehntausende: René Lang aus Neumarkt ist nicht nur Maler, sondern auch bekannter Influencer. Wir haben unseren handwerklich eher unbegabten Volontär David Santl bei ihm vorbeigeschickt. Die Mission: Er soll bei René Lang das Tapezieren lernen.

Das ist sein Erfahrungsbericht: Nach einer guten Stunde lächelt die Giraffe erleichtert von der Tapeten-Wand. Was muss dieses arme Tier nur für Ängste durchgemacht haben! Wäre mir René Lang mit seinen Heimwerker-Profitipps nicht so gut zur Seite gestanden, müsste sich die Giraffe wohl ein Leben lang für ihr krummes Aussehen schämen. Denn handwerklich – das gebe ich offen zu – bin ich völlig talentfrei. Trotzdem (oder gerade deswegen?) haben mich meine Kollegen dazu auserkoren, einmal das Tapezieren auszuprobieren.

Tja, solche Selbstversuche gehören auch zu einer Redakteurs-Ausbildung. Immerhin habe ich mit René Lang einen kompetenten und vor allem geduldigen Lehrer. Er ist nicht nur Maler bei der Firma Haubner in Berngau, sondern auch ein bekannter Influencer. Mit seinem Kanal „4waende1mann“ erreicht er auf Instagram, TikTok und Facebook Zehntausende Follower.

Tipps für Menschen, die sich Handwerker nicht leisten können

Dort zeigt der 31-Jährige auf Videos, wie einfach diverse Handwerker-Arbeiten in den eigenen vier Wänden teilweise sind. Dafür hat er sich in seiner Wohnung ein kleines Studio eingerichtet. Seine Videos sind nämlich nicht nur für Hobby-Handwerker.

„Es gibt einige Leute, die sich keinen Handwerker leisten können. Ihnen will ich mit meinen Videotipps helfen“, sagt Lang, der mit „4waende1mann“ auch Werbung fürs Handwerk machen will. Schon früher hat er im Malerbetrieb seine Arbeiten auf Fotos und Videos dokumentiert. „Das hat mir sehr gut gefallen. Mit dem Studio wollte ich mir eine neue Herausforderung suchen.“

„Es gibt einige Leute, die sich keinen Handwerker leisten können. Ihnen will ich mit meinen Videotipps helfen“

René Lang, Influencer „4waende1mann“

Apropos Herausforderung: Seine wohl Größte steht ihm nun unmittelbar bevor: René Lang soll mir die Kunst des Tapezierens beibringen – trotz meiner beiden linken Hände. Damit es auf keinen Fall zu einfach wird, hat Lang die Textil-Tapete für Kinderzimmer extra auf fünf Bahnen zuschneiden lassen – sehr zum Leidwesen von mir und der Giraffe.

Zunächst kann ich aber nicht viel falsch machen. Wir kleben die entsprechenden Stellen an der Wand gut ab und zeichnen mit einem Bleistift die richtigen Abstände an.

Dann drückt mir René Lang eine Farbwalze und einen Eimer voll Tapetenkleister in die Hand. Voller Eifer tauche ich die Farbwalze ein. „Du musst schon auch das Abstreifgitter hernehmen“, sagt Lang und lacht. Gesagt, getan. Als ich (für meine Begriffe) genug abgestreift habe, fange ich an, den Kleister einigermaßen gleichmäßig auf die Wand zu streichen. Es geht vergleichsweise einfach.

Doch dann beginnt der Teil, bei dem wirkliche Millimeterarbeit gefragt ist. Mein Lehrer bringt die Tapetenrolle. Die eine Hälfte der Giraffe klebt schon auf der Wand. Schaffen wir es nun, den Kopf passend auf den langen Giraffenhals zu setzen?

Was beim Tapezieren eine Todsünde ist

Ich komme ins Schwitzen. „Ein bisschen weiter rauf, ein bisschen nach rechts, die Bahnen ein kleines bisschen überlappen lassen.“ René Lang behält den Überblick. Am Ende ist die Giraffe eindeutig als solche erkennbar. Damit die Tapete auf jeden Fall bis zur Decke geht, lassen wir oben ein paar Zentimeter überstehen.

Jetzt geht es aber noch um Feinheiten. Zwischen Tapete und Wand haben sich ein paar kleine Luftbläschen gebildet, die dringend raus müssen. Dazu bekomme ich einen Andrückspachtel. Während sich René Lang noch um die Tapeten-Nähte kümmert, versuche ich, die Luft rauszustreichen. „Du musst immer von der Mitte aus zum Rand streichen, damit die Luft entweichen kann“, erklärt er mir. Klingt logisch.

Zum Schluss müssen wir noch den Tapeten-Überhang an der Decke entfernen. Dazu kommt eine Beschneidekante zum Einsatz. Wir drücken die Tapetenbahn damit fest in die Ecke zwischen Decke und Wand.

Anschließend gibt mir René Lang ein Cuttermesser und zeigt mir, in welchem Winkel ich die überschüssige Tapete am besten abschneide. Dann passiert es: Ich schiebe die Beschneidekante nicht einfach weiter, sondern setze sie ab. Eine echte Tapezier-Todsünde! „Jetzt haben wir oben keine gerade Schnittkante. Man sieht genau, wo du abgesetzt hast“, tadelt mich mein Lehrer. Doch er schafft es, das Malheur einigermaßen zu korrigieren.

Maler plant Heimwerker-Workshops

Langsam steige ich von der Leiter. Nun ist die Zeit für die alles entscheidende Frage gekommen: Wie habe ich mich beim Tapezier-Versuch geschlagen? René Lang hat ein Lob für mich parat: „Für den Anfang war‘s gut. Mir gefällt die Wand.“

Trotzdem empfiehlt er mir, seine Lehr-Videos in den sozialen Netzwerken anzuschauen – oder vielleicht bald Workshops von ihm zu besuchen. Denn das ist ein weiteres Projekt, das der 31-jährige Maler in Planung hat: „Ich will Heimwerker-Workshops mit vier bis fünf Teilnehmern anbieten“, verrät er. Vielleicht gerade bei blutigen Anfängern wie mir nicht die schlechteste Idee.