Repair-Café an Neumarkter Berufsschule vermittelt Nachhaltigkeit und Perspektiven

Von David Santl · 25. November 2023 um 17:00

Das Repair-Café an der Berufsschule in Neumarkt will zeigen, dass kaputte Geräte nicht sofort in den Müll gehören. Durch Erfolgserlebnisse beim Reparieren bekommen Schüler zudem einen Motivations-Schub. Das Projekt hat auch in Wolfsburg Fans.

Er galt als „nicht ausbildungsfähig.“ Seine fachlichen und sozialen Voraussetzungen ließen befürchten, dass er nie im Berufsleben Fuß fassen könnte. Wie sich Scheitern anfühlt, wusste der Schüler an der Berufsschule in Neumarkt nur zu gut. Doch eines Tages nahm er in der Schule am „Repair-Café“ teil – einem Projekt, das motivieren soll, kaputte Geräte zu reparieren, anstatt sie neu zu kaufen.

Für den Schüler in der Berufsvorbereitung war das ein Glücksfall. „Er hat dort seine Liebe zu Zweirädern entdeckt und absolviert in diesem Bereich jetzt eine Ausbildung“, erzählt Sharisse Laurente. Sie leitet das Projekt am Berufsschulzentrum in Neumarkt und kann von vielen solchen Erfolgsgeschichten berichten.

Motivation durch praktische Erfolge

Oftmals hätten die Schüler dort einen schwierigen Hintergrund und seien orientierungslos. Lob hören sie nur selten. „Aber wenn sie es im Repair-Café schaffen, ein Gerät zu reparieren, sind sie richtig stolz. Über die praktische Arbeit können wir sie gut motivieren“, freut sie sich. Es seien Erfolgserlebnisse, die den Unterschied machen.

Zuerst war das Repair-Café an den Fach- und Berufsfachschulen angesiedelt, inzwischen führt es das Berufliche Schulzentrum in Eigenregie. „Wir mussten zunächst einen Raum finden, aber das hat inzwischen geklappt“, sagt Schulleiter Albert Hierl.

Nun gilt es, das Café nach und nach weiter bekannt zu machen. Denn die Pläne der Organisatoren sind ambitioniert: Sie wollen es auch an anderen Schulen im Landkreis einführen, die das Projekt dann in Eigenregie übernehmen sollen. „Es gibt bereits einige interessierte Schulen“, sagt Sharisse Laurente. Vor Kurzem sei sogar eine Schule aus Wolfsburg zu Besuch gewesen, um sich über das Konzept zu informieren.

Kooperation mit lokalen Unternehmen

Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die Kooperation mit lokalen Firmen. Darum kümmert sich Ed Sheldon, der die Ideet für das Repair-Café entwickelt hat. „Wir leben von den Betrieben. Die Fachkräfte von dort bringen die nötige Expertise mit, um Gegenstände zu reparieren“, sagt er. Zu den Unterstützern gehören unter anderem die Rene Partl GmbH und Zweirad Stadler für die Reparatur von Fahrzeugen oder die Elronik GmbH für die Reparatur von Elektrogeräten. Die Aufträge geben aber die Schüler vor – je nachdem, welche Gegenstände von zuhause sie gerne reparieren möchten. Die Kooperation zwischen den Schülern und den Firmen ist dabei ein Geben und Nehmen. „Für die Betriebe ist das eine gute Chance, Auszubildende zu finden“, so Ed Sheldon.

Viele Überraschungs-Effekte

Es gibt aber eine Sache, von der alle Beteiligten profitieren: Die Erfahrung, dass sich eine Reparatur durchaus lohnen kann. Dieses Bewusstsein wollen Laurente, Sheldon und Schulleiter Hierl bei ihren Schülern schärfen. „Früher wurden ganz viele Sachen repariert. Aber heute wird vieles gleich weggeworfen und neu gekauft. Das ist nicht nachhaltig.“ Viele Schüler hätten anfangs gar nicht geglaubt, dass zum Beispiel ein Reißverschluss oder ein Handy mit einem kaputten Display noch repariert werden können. „Aber die Erfolgserlebnisse haben die Schüler motiviert.

Nach den ersten Treffen zeigen sie dann viel Eigeninitiative“, sind sich die drei einig. Klassische Geschlechterrollen bleiben dabei übrigens völlig außen vor. „Es gibt auch Jungs, die kaputte Klamotten nähen wollen und Mädchen, die sich lieber alte Motoren anschauen“, erzählt Sharisse Laurente.