Johannes Reitmeiers „turbulentestes Jahr“ und das Leben nach der Intendanz in Innsbruck

Angefangen hat das Engagement für die Bühne für Johannes Reitmeier vor Jahrzehnten in seiner Heimat im Bayerischen Wald – geführt hat ihn in den vergangenen Jahren an die Spitze des Tiroler Landestheaters, wo seine Intendanz vergangenes Jahr geendet hat. Sein Weg hat ihn bis nach Südostasien geführt, und so ganz nebenbei hat er mit einer Neuproduktion in seiner Heimat für einen Rekord gesorgt.
Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt er, wie sich das anfühlt, über mehr Zeit in seinem Haus in Bad Kötzting und neue Wege, die 2024 anstehen.
Herr Reitmeier, nachdem Ihre Intendanz in Innsbruck dieses Jahr geendet hat, was hat das Jahr 2023 an neuen Aufgaben für Sie bereitgehalten?
„Das vergangene Jahr war tatsächlich eines der turbulenteren in meiner Laufbahn: Zum Abschied vom Tiroler Landestheater noch einmal ein wirklich großer Erfolg mit Elektra, am Ende viele Ehrungen und sehr berührende Momente, der österreichische Musiktheaterpreis für die Passagierin und dann ein sechswöchiges Gastspiel in Taiwan. Mehr hätte wohl nicht in die letzten Monate hineingepasst. Aber ich bin glücklich, dass alles so gut und vor allem harmonisch verlaufen ist. Im Moment ist aber ein kurzes Innehalten und Durchatmen angesagt.“
Welche Aufgaben bringt das kommenden Jahr für Sie?
„Im kommenden Jahr stehen in unmittelbarer Folge vier Inszenierungen ins Haus, dreimal Oper und einmal Schauspiel und für 2025 gibt es endlich auch wieder einen Auftrag als Bühnenautor. Für das Schreiben hatte ich zuletzt immer weniger Zeit. Und was die Zukunft bringt, werden wir sehen. Ich habe gelernt, dass man nichts erzwingen kann. Aber ich bin zuversichtlich.“
Das hört sich noch nicht so ganz nach Ruhestand an, oder soll es den auch noch gar nicht geben?
„Für die Festspiele auf Burg Lichtenegg hat sich ja immer Zeit gefunden und das wird auch künftig so sein. Ich persönlich freue mich sehr auf die Wiederbegegnung mit dem Mühlhiasl und ich bin überwältigt von der Publikumsresonanz. Ausverkauft innerhalb weniger Stunden – das hätte ich nach dem Hype um den Brandner Kaspar nicht erwartet. Aber offenbar haben wir mit der Stückwahl einen Nerv getroffen. Viele Menschen beschäftigen die Prophezeiungen des Mühlhiasl, heute mehr denn je.“
Stichwort Engagement in der Heimat: Bleibt nun mehr Zeit für die Produktionen auf der Burg Lichtenegg?
„Definitiv! Ich habe zuletzt festgestellt, dass ich mein Haus in Bad Kötzting zu bestimmten Jahreszeiten (Beginn der Theaterspielzeit im September/Oktober) noch nie bewohnt habe. Das wird sich künftig ändern und das macht mich glücklich. Schließlich kann ich auch viele liebgewonnene Menschen öfter treffen. Aber richtig sesshaft werde ich für’s Erste wohl nicht werden. Dafür ist es zu früh. “
Werden Sie künftig also wieder öfters in der Heimat anzutreffen sein?
„Man sollte sich nicht zu viel erhoffen oder sich zu einseitig orientieren. Vielleicht bleibt meine Auftragslage gut, vielleicht brechen auch wichtige Verbindungen ab, ohne dass neue dazu kommen. Die Theaterwelt ist enorm schnelllebig geworden und nicht überall ist langjährige Erfahrung gefragt – zumal jüngere Generationen ja auch ihre Chance haben müssen.Möglicherweise komme ich aber trotzdem dazu, mein Wissen weiterzugeben. Ich bin kürzlich gefragt worden, ob ich ein Führungskräfte-Coaching übernehmen würde. Warum eigentlich nicht?! “



