Seniorenresidenz Burglengenfeld: Leerstand wird für Betreutes Wohnen umgebaut

Von Thomas Rieke · 1. Januar 2024 um 11:00

Rund zwei Jahre, nachdem das Sozialwerk Heuser mit dem Haus „Herzog Philipp“ einen Teil seiner Seniorenresidenz geschlossen hat, wurden der Stadt Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) Pläne für einen Umbau vorgelegt. Die Immobilie im Naabtalpark soll künftig für Betreutes Wohnen genutzt werden. Ein „zukunftsweisendes Konzept“, wie es heißt.

Die Weichenstellung ist für aufmerksame Leser keine Überraschung. Irene Heuser, neben ihrem Sohn Johannes Geschäftsführerin des Unternehmens mit Sitz in Bad Aibling, hatte bereits im Sommer 2021 eine entsprechende Umstrukturierung angekündigt. Und im großen MZ-Interview Ende 2022 hatte sie diese Absicht bekräftigt. In Kreuth am Tegernsee biete ihr Unternehmen Betreutes Wohnen bereits mit Erfolg an. In Burglengenfeld seien aber größere Investitionen nötig, die sie und ihren Sohn zögern ließen.

Nun allerdings werden Nägel mit Köpfen gemacht. Geschäftsführer Johannes Heuser bestätigte auf Anfrage, die Pläne befänden sich „schon in einem fortgeschrittenen Stadium“, und der Bauausschuss der Stadt habe die neue Nutzung bereits befürwortet. Sobald das Landratsamt seine Zustimmung erteilt habe, werde das Vorhaben realisiert. Im Frühjahr 2024 sollten die Arbeiten beginnen und bis Ende desselben Jahres oder Anfang 2025 beendet sein.

Freie Wahl unter zugelassenen Anbietern

Vorgesehen sind im Haus Philipp 16 Ein-Zimmer- und neun Zwei-Zimmer-Appartements mit unterschiedlicher Größe Die Mieter sollen, so berichtet Heuser weiter, bei Bedarf ambulante Pflegeleistungen in Anspruch nehmen können. Dafür soll im Naabtalpark ein Dienst aufgebaut werden. Zudem werde Mietern, die sich nicht selbstständig verpflegen wollten oder könnten, entsprechende Leistungen bis hin zur Vollverpflegung angeboten. Wahlleistungen wie Wäschewaschen, Hausmeister- und Fahrdienste sowie Betreuung könnten auf Wunsch hinzugebucht werden. Die Bewohner hätten freies Wahlrecht unter den zugelassenen Anbietern, betont Heuser.

Investoren haben längst auch in Burglengenfeld „Wohnen für Senioren“ als Nische entdeckt. Am ehemaligen Weiß-Gelände wurde im Mai 2023 Richtfest für eine besondere Einrichtung gefeiert. Mehr dazu lesen Sie hier.

Wer heute eine Immobilie umbaut, beschäftigt sich normalerweise auch mit den Themen Heizen und energetische Sanierung. Das ist auch beim Sozialwerk nicht anders. Die Fenster, so berichtet Johannes Heuser, seien aber bereits erneuert worden, als das Haus Philipp noch als Pflegeheim gedient habe. Nun würden die Heizungsanlage und das Leitungssystem überarbeitet und die Wärmedämmung verbessert. Beheizt werde das Gebäude fortschrittlich mit Fernwärme.

Nebenan ist auch Tagespflege ist geplant

Als weitere Ergänzung am Standort Naabtalpark soll im Josefine-Haas-Haus eine solitäre Tagespflegeeinrichtung mit 30 Plätzen entstehen. Der dafür erforderliche Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen wurde laut Heuser bereits eingereicht. Die Inbetriebnahme sei für das erste Halbjahr 2024 vorgesehen. Des Weiteren sollen im Josefine-Haas-Haus ein Friseursalon, eine Wellnessabteilung mit Sauna- und Whirlpool, Massagen und Kosmetik eingerichtet werden. „Auch die dort befindliche Kegelbahn steht den Gästen zur Verfügung“, erklärt Johannes Heuser.

Zum Investitionsvolumen macht er noch keine Angaben. Die Ausgaben könnten noch nicht beziffert werden, weil das Ausschreibungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Erinnerung an eine dunkle Zeit

Die aus mehreren Gebäuden bestehende Seniorenresidenz war im Dezember 2020 wegen eines massiven Corona-Ausbruchs in die Schlagzeilen geraten. Hauptsächlich betroffen war das Haus Philipp. Weil sich neben einem Großteil der Bewohner auch ein Großteil des Personals infiziert hatte, sah sich das Landratsamt gezwungen einzuschreiten. Für mehrere Tage wurde die Leitung an die Ambulante Intensivpflege Bayern übergeben. Im Anschluss stand die Einrichtung unter verschärfter Beobachtung der Behörden.

In dieser Zeit mehrten sich auch die Vorwürfe gegen das Personal und die Heimbetreiber, die bis dahin auf ihrer Internetseite stets mit guten Bewertungen für ihre Einrichtung geworben hatten. Seitens der Geschäftsführung gab es Worte tiefen Bedauerns zu den Erkrankungen, die sich trotz ergriffener Hygienemaßnahmen nicht hätten vermeiden lassen. Andererseits verwies insbesondere Irene Heuser immer wieder auf den Mangel an Fachkräften in der Pflege, der mindestens ein deutschlandweites Problem sei. Im Sommer 2021 teilte sie dann mit, das Haus Philipp werde geschlossen.

Personal ist weiter Problem

Dass die personellen Probleme in der Branche noch immer alles andere als gelöst sind, verdeutlicht Johannes Heuser. Er schreibt: „Trotz beschleunigter Anerkennungsverfahren für ausländische Berufsabschlüsse, Gehaltsanpassungen bei den Pflegefach- und Pflegehilfskräften sowie neuem Personalbemessungsverfahren bleibt die Gewinnung von Pflegepersonal weiterhin eine große Herausforderung.“ Gegenüber der stationären Pflege bietet das Betreute Wohnen mit ambulantem Pflegedienst allerdings „etwas mehr Flexibilität für die Einrichtungsträger“.