Neues Leben im Abensberger Jungbräu: Faschingsbälle und Festessen sind zurück

Von Lucia Pirkl · 29. Dezember 2023 um 11:00

In den letzten Wochen des Jahres geht es noch einmal richtig rund für Amelie und Oliver Anger. Die Beiden haben im Sommer den Jungbräu übernommen, Gaststätte und Hotel wiedereröffnet (wir berichteten).

Nach der Schließung des Traditionslokals bangten viele, ob und wann es überhaupt weitergeht. Die Angers, beide erfahren im Hotel- und Gaststättengewerbe, wagten in Abensberg – nahe Oliver Angers Heimat in Offenstetten – einen Neuanfang. Viel Zeit zum Durchatmen hatten sie seitdem nicht.

Mit dem ersten Koch, den sie aus ihrer Wahlheimat Österreich mit nach Abensberg brachten, hat es nicht geklappt, also musste Ersatz her. Bei den Servicekräften, oft Mangelware in vielen Betrieben, hätte sich aber alles gut eingependelt, „wir haben ein sehr gutes Team“, sagt Amelie Anger. „Und ich habe jetzt auch eine tolle Rezeptionistin bekommen, die auch im Restaurant mit einspringen kann“, so Amelie Anger.

Hotel Jungbräu zieht wieder Gäste an

Zu tun gibt es im Lokal und auch im Hotel genug: „Zu den Weihnachtsmärkten sind wir am Wochenende ausgebucht“, sagt Amelie Anger. Die Angers hatten bei der Hälfte der Zimmer die Böden ausgetauscht, geweißelt und überall die Betten sowie Matratzen ausgetauscht. Auch die Fernseher wurden ersetzt. Nicht nur Urlauber, sondern vor allem auch Geschäftsleute übernachten im Hotel Jungbräu.

Auch neue W-Lan-Router wurden kürzlich eingebaut, „wir haben sehr, sehr viele Meter Kabel durch die Zimmer gezogen“, sagt Amelie Anger.

Die Tage der Angers sind nach wie vor sehr voll, sie packen überall mit an. Immer noch gebe es Ecken und Kanten, an denen man etwas verändern oder verbessern wolle, so die Chefin.

Die ersten Großveranstaltungen hat das Paar schon hinter sich. Der bunte Tanzabend im Herbst beispielsweise kam gut an, „ich hatte den Eindruck, das sich die Leute wohlfühlten“, so Amelie Anger, „es war ein sehr guter Start im Saalbetrieb mit dieser Menge an Leuten“. Einen Saal unterschätze mal schnell, für Kellner sei es auch eine Herausforderung, den Überblick zu behalten.

Die Vereine kehren nach und nach mit ihren Veranstaltungen in den Jungbräu zurück. Der legendäre Stopslerball hatte beispielsweise seinen festen Platz im Faschingskalender des früheren Jungbräu. Im vergangenen Jahr fiel der Faschingsball aus, weil der Verein keinen Saal zum Anmieten fand. Jetzt ist er wieder zurück in seiner alten „Heimat“. „Die haben sich riesig gefreut, als es hieß, dass der Termin stattfinden kann.“

Vieles müssen die Angers erst einmal auf sich zukommen lassen, nicht alles kann man vorausplanen. So wusste das Paar im Voraus nicht, wann im Jahresverlauf, oder ob überhaupt die Gästezahl etwas einbricht. „Man kann, wenn man so ein Lokal übernimmt, nie wissen, wann das erste Tief kommt“, so Amelie Anger. Der Oktober stellte sich, wider Erwarten, als sehr ruhig heraus. Positiv überrascht waren die Wirtsleute aber, dass zu Gillamooszeiten so viele Gäste im Lokal zu Mittag essen wollten, obwohl das kulinarische Angebot auf dem Fest eigentlich groß ist, „der Biergarten war am Sonntag und Montag ausgebucht. Damit hatten wir gar nicht gerechnet“, so Amelie Anger. Auch das Hotel selbst war zu Gillamooszeiten ausgebucht.

Bisher keine Hochzeiten im Abensberger Jungbräu

Gefühlsmäßig sind die Angers angekommen, zumindest ein Stück weit. Im kommenden Jahr müssen man jetzt die Biergartensaison in Gänze erleben, „den haben wir ja erst im Juli aufgemacht“, sagt Amelie Anger. Auch Feste, wie etwa größere Hochzeiten hatten sie bisher noch nicht angenommen, weil sie wollten, dass sich erst einmal alles einspielt. Erste Anfragen gab es schon zur Kommunion im kommenden Frühling.

Und auch Stammtische etablieren sich nach und nach, wie beispielsweise der Lokomotivestammtisch, der 41-er Jahrgangstammtisch oder der Oldtimerstammtisch. Dass der Jungbräu seit Monaten wieder offen ist, scheint noch nicht überall angekommen zu sein. „Wir hören immer noch: ,Ah, wir wussten gar nicht, dass Sie wieder geöffnet haben‘ “, sagt Amelie Anger.

Der Gasthof um 1968: Der Jungbräu hat eine lange Tradition als Wirtshaus.
Der Saal war jahrzehntelang gern gebucht für Festivitäten jeder Art.
Schänke im Saal, 1960: Die Frauen Heidingsfelder, Müller, Rockermeier hatten gut zu tun.