Feuerwehr, Gemeinderat, Kirche: Hans Meier hat in Treffelstein Spuren hinterlassen

Von Petra Schoplocher · 28. Dezember 2023 um 05:00

Johann Maier tut es als Randnotiz ab, dabei sagt genau sie eine Menge über den Menschen Johann Maier aus. Ja, auch für die Reservisten habe er immer gegrillt, „auch, wenn ich da nicht Mitglied war.“ So ist er, der Meier Hans, der vielfach Engagierte. Er, der aus und über Treffelstein erzählen kann wie kaum ein anderer. Dafür sorgt schon seine Lebenslinie.

Eine, die geprägt ist vom Ehrenamt. Feuerwehrkommandant, 24 Jahre im Gemeinderat, Sportverein, 18 Jahre Kirchenverwaltung, 31 Jahre Himmeltragen...nicht zu vergessen die unzähligen Feiern und Feste, bei denen der Maier Hans am Grill gestanden hat. „Als Metzger war ich wohl prädestiniert“, schmunzelt er. Von der Lehrzeit ab 1965 bis zum Ruhestand 2012 war er „beim Emmer“ am Ort.

Metzger statt Maurer

Sein Wunschberuf war das nicht, Maurer wäre das seine gewesen, „aber die Eltern hatten eine Landwirtschaft“. Sie hatten die damals üblichen vielen Hausschlachtungen im Winter im Auge. „Wer hätte denn geahnt, dass die so drastisch zurückgehen“, blickt der 74-Jährige zurück.

Zuletzt nur noch Notschlachtungen

Erlebt hat er diesbezüglich dennoch viel, und manches, auf das er hätte verzichten können. Zumal es zuletzt „nur“ noch um Notschlachtungen ging. „Da waren schlimme Sachen dabei.“ Auch für ihn. Halb abgefrorene Finger, schwere körperliche Arbeit. „A Sau is a Rutscher“, aber zwei oder drei... Der Frontlader wurde zur Revolution, „früher haben wir die Schweine in der Scheune hochgezogen“, erinnert sich der dreifache Vater.

„Hans, kimm‘ glei‘“

Eines nachts gegen 3.30 Uhr rief eine Bäuerin panisch an, „Hans, kimm‘ glei!“ Leider vergaß sie zu erwähnen, wo er hin müsse. Maier gewinnt dem ganzen Erfahrungsschatz auch Positives ab. Dass er Kindern immer wieder was beibringen konnte: Schweineorgane und deren Anordnung sind dem Menschen sehr nah.

Er redet gerne und viel

Maier ist aufgeschlossen und offen, sagt über sich selbst, dass er „gerne mit den Menschen redet“ – solange sie nicht missmutig sind. Dann kann die Gartenarbeit gerne mal länger dauern, wenn ein Spaziergänger vorbeikommt, verrät er schmunzelnd. Im Wald, seiner zweiten Leidenschaft, verhält es sich anders. „Da wär‘s allein am schönsten.“ Was von Seiten der Familie nur toleriert wird, solange er nicht zum Arbeiten ausrückt. Zu gefährlich. „Da fangen sie mich schon ein.“

Steter Gast im Gemeinderat

Maier ist auch 15 Jahre nach seinem Ausscheiden immer noch regelmäßiger Zuhörer bei den Gemeinderatssitzungen. „Ich will es aus erster Hand“, betont er. Der 74-Jährige ist ein Mann klarer Linien. Seit er im zweiten Glied steht, gehört dazu: „Ich debattier‘ mit, ich rede mit, aber niemandem rein“.

Dieses Miteinander-Reden, Maier hält es für unverzichtbar. „Es geht nichts über den persönlichen Kontakt.“ Er wird nachdenklich, wenn er an abhanden gekommene Gesprächskultur denkt. „Früher...“, entfährt es ihm kurz. Handy und Co. will er nicht verurteilen. „Es waren halt andere Zeiten.“

Was war die prägendste Dekade? „Die 1990er“, verkündet der Treffelsteiner spontan. Das Ende des Kommunismus, die Aufbruchstimmung damals, die Aussicht auf Frieden... „Wir waren euphorisch“, beschreibt er im Rückblick. In dieses Jahrzehnt fiel zudem die Neubeschaffung des Treffelsteiner Feuerwehrautos (1995). „Das war natürlich was“, denkt der Ehrenkommandant gerne zurück.

Treffelstein ist seine Heimat

Eines Tages fiel sein Name, als es um einen Sitz im gemeinsamen Verwaltungsbeirat Tiefenbach/Treffelstein ging. Meier lehnte ab. „Ich wollte lieber in Treffelstein bleiben.“ Das hat er immer als seine Heimat gesehen. „Da bringe ich mich ein, da werde ich wahr- genommen, da rede ich mit.“

Der Gemeinde bescheinigt er eine starke und gute Entwicklung in den vergangenen Jahren. „Es wurde viel geleistet.“ Maier nennt exemplarisch die Renovierung des Drachenturms. „Stark, dass man das so hinbekommen hat.“

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Die Freundschaft mit dem tschechischen Babylon sei ein richtiges und wichtiges Signal in Richtung eines Miteinanders, in Richtung Europa. In und mit ihr erkennt er das, was er schon seit vielen Jahrzehnten „predigt“: Kameradschaft und Freundschaft müssen gelebt werden. Dass er selbst an Weichenstellungen beteiligt war, stimmt ihn zufrieden. „Ich habe immer gesagt, wenn wir uns einen eigenen Kindergarten irgendwie leisten können, sollten wir das tun.“

Das Kirchturmläuten fehlt

Allerdings gibt es eine Niederlage, die den Familienmenschen bis heute umtreibt. Mit 3:8 Stimmen (Maier kann sie namentlich nennen, ohne zwischendrin Luft zu holen) brach der Gemeinderat Ende der 1980er Jahre mit einer Tradition. Zwischen 22 und 6 Uhr schlägt seitdem keine Kirchenglocke in Treffelstein mehr. „Da hätt‘ ich mir a bisserl mehr Gespür gewünscht.“ Das ist die diplomatische Formulierung. Die andere: Maier ist seinerzeit mit einigen durchaus „ordentlich zamgruckt“.

Maier ist weder nachtragend noch naiv. „Klar gab es Anfeindungen.“. Ihm sei stets klar gewesen, dass man in exponierter Stelle „was aushalten können muss“. Unfaire Attacken allerdings müsse sich aber keiner gefallen lassen.

Vater stammt aus dem Sudetenland

„I bin a Treffelsteiner“, sagt Maier voller Inbrunst. Der 74-Jährige stammt aus einem Bauernhof in der Ortsmitte, Hausname Grennersschneider. Maiers Mutter erbte ihn, nachdem „der Onkel Hans im Krieg geblieben war.“ Nicht der einzige Schicksalsschlag. Maiers Vater, aus dem Sudetenland stammend, verlor drei Brüder.

Der Hof in der Dorfmitte

Gebaut haben den Hof seine Großeltern, heute betreibt die Schwiegertochter dort einen Friseursalon. Die Einberufung des Opas kam 1914, die Oma musste das Vorhaben alleine fertig bringen. Ausdauer und Zielstrebigkeit, die sich weiter vererbt hat. Auch eine Generation weiter, erzählt der dreifache Vater stolz. Thomas, Michael und Johannes sind alle aktive Feuerwehrler, Johannes sogar Fachlehrer an der Feuerwehrschule in Lappersdorf.

Harte Tage mit Corona

Zu Hans Maiers Leben gehören auch die Corona-Erkrankung und der Moment, in dem er dachte, zu ersticken. „Das macht was mit dir.“

„Wenn I was mach‘, dann voll und ganz“, sagt der Maier über sich selbst. Und: Nach einer gewissen Zeit sollte man aufhören und Platz machen für andere. Das ist auch der Grund, warum er nach 20 Jahren als Kommandant abtrat. Zuvor war er ab 1979 Jugendbeauftragter und Vize-Kommandant gewesen. Als solcher rückte er nach, als Johann Wallner Kreisbrandinspektor wurde – das Amt verträgt sich nicht mit der Führung einer Feuerwehr.

Sein Rückhalt: die Familie

„Manchmal hat‘s mi scho a weng g‘schimpft“, sagt Maier, wenn er sich seine Ehrenämter und Abwesenheiten vor Augen führt, und den Blick liebevoll zu seiner Renate wendet. Sie hatte Maier beim Kathreintanz im Gaubaldhaus kennen- und wenig später lieben gelernt.

Das Tagebuch

Was zu einem wundervollen Moment führt. Hans Maier führt seit 1967 Tagebuch. Renate trat allerdings erst später in sein Leben. „Du kannst alles lesen, solange du kein Wort darüber verlierst“, schickte der Treffelsteiner einst ein Vertrauensangebot, das die Ehefrau so viele Jahre später mit einem herzerwärmenden Lächeln kommentiert.

Wenn es aber nun nach wie vor jeden Tag einen Eintrag ins Buch der Bücher gibt, was wird denn dann nach diesem Besuch im Treffelsteiner Wiesengrund notiert? „Mindestens ein angenehmes Gespräch“, grinst Hans Maier. Danke, die Freude war ganz auf meiner Seite!