Die beiden Pfarrer in Furth im Wald blicken auf das Jahr zurück und auch nach vorne

Von Alexander Frimberger · 22. Dezember 2023 um 16:29

Wie bewerten sie das abgelaufene Kirchenjahr in ihren Pfarreien in Furth im Wald, was erwarten sie für das kommende? Das und mehr wollten wir vom katholischen Pfarrer Karl-Heinz Seidl und seinem evangelischen Kollegen Michael Rummel wissen.

Karl-Heinz Seidl hat nicht viel Zeit in diesen Tagen, die „staade Zeit“ ist für ihn wie für die allermeisten von uns eher hektisch. Er eilt von Termin zu Termin, hält Gottesdienste und vieles mehr. „Heute ist man ja nicht nur Seelsorger, sondern auch Verwaltungsangestellter“, sagt er mit Blick auf die Schreibtischarbeit, die regelmäßig auf ihn wartet.

Kraft durch Gottesdienste

Da sind es dann doch die Gottesdienste, die ihm Ausgleich verschaffen und auf die er sich intensiv vorbereitet. „Ja“, sagt der 61-Jährige, „ich habe einen großen Fundus an Predigten, die ich schon gehalten habe.“ Aber er mag es nicht, seine alten Messen noch einmal zu halten. Lieber bereitet er sich ganz aktuell vor. Er freut sich auf die Termine, die vor ihm liegen, die Christmette am 24. Dezember, die Kindersegnung oder die Feier mit den Ehejubilaren am 26. Dezember. Er überlegt kurz und sagt dann: „Dieses Jahr ist ein Paar dabei, das schon 68 Jahre verheiratet ist.“

Apropos Feier, die wird es auch im kommenden Jahr geben, dann nämlich, wenn die Renovierung der Pfarrkirche abgeschlossen ist. Seit 2018 ist dies eines der beherrschenden Themen der Kirchengemeinde. Wenn alles klappt, soll das große Fest zum Abschluss der Baumaßnahmen zum Patrozinium am 15. August (Mariä Himmelfahrt) stattfinden. Das wird ein großer Moment für den gebürtigen Bad Kötztinger, denn: „Ich habe das Gotteshaus noch nie ohne Einhausung gesehen. Vor allem nicht in der dann neuen Farbgebung. Als ich im Jahr 2018 meine Stelle angetreten habe, standen Teile des Gerüstes schon.“ Erfreulich ist für ihn, dass man sich mit der Renovierung absolut im Zeit- und weitgehend auch im finanziellen Rahmen befindet. „Es gab ein paar Stolpersteine, ganz genau wissen wir es erst nach der Schlussrechnung, aber es sieht gut aus.“

Nachdenklich stimmt ihn natürlich, wie die Menschen auch in Furth im Wald die Kirche sehen. „Der Besuch nimmt ab, viele Plätze bleiben frei. Leute sterben, vermehrt auch während Corona, und zu wenige kommen nach.“ Auch die Zahl der Kirchenaustritte ist in Furth relativ hoch. Die Argumentation ist häufig die gleiche: die Kirchensteuer und die Missbrauchsvorwürfe gegen Teile der Priesterschaft. Doch Seidl sieht es pragmatisch: „Es geht nicht um die Zahl der Menschen, die zu uns kommen, die Zeiten voller Kirchen sind eh lange vorbei.“ Einen starken christlichen Glauben und die damit verbundene Spiritualität wünscht er sich für seine Gemeinde. „Das ist, was mir Kraft, Ausgeglichenheit und Ruhe gibt, das ist das Schöne am Priestersein.“

Frieden, findet er, ist eigentlich immer ein Thema an Weihnachten. Mit Blick auf die aktuellen Krisenregionen sagt er: „Heuer treibt mich der Wunsch nach Frieden natürlich ganz besonders um. Ihn zu schaffen ist eine gewaltige Aufgabe, aber wir sollten uns der nicht entziehen, sondern damit anfangen.“ Das gilt für die aktuellen Kriegsschauplätze im Nahen Osten und in der Ukraine ebenso wie für den persönlichen Bereich. Es braucht in seinen Augen wieder mehr Solidarität untereinander, Empathie und die Fähigkeit, aufeinander zuzugehen. „Darum und nicht um den Konsum geht es doch an Weihnachten, hat Papst Franziskus gesagt.“ Seidl ergänzt: „Sich selbst ein wenig zurücknehmen und zuhören ist ebenfalls wichtig.“ Die Advents- und Weihnachtszeit eines katholischen Pfarrers ist natürlich gespickt mit vielen Terminen. Für seine ganz persönliche Einkehr hat er eine Krippe in seinem Wohnzimmer stehen und genießt die Ruhe zwischen den Messen. „Ich höre gerne Klassik, am liebsten Barockmusik.“ Auch wenn er in diesen Momenten alleine ist, einsam fühlt er sich nicht: „Es gibt immer viel zu tun und zu lesen.“ Manchmal spielt er auch Hackbrett. „Aber, bevor Sie fragen: Nur für mich alleine“, sagt er und lacht.

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Michael Rummel schnürt zur Entspannung gerne die Wanderstiefel. Die Wälder, Wiesen und Berge der Region empfindet Furths evangelischer Pfarrer als großes Glück. Deswegen ist auch eine seiner Überlegungen für das neue Jahr, mehr Gottesdienste in der freien Natur abzuhalten. Bei der Frage nach den Höhepunkten im abgelaufenen Jahr muss der gebürtige Mittelfranke nicht lange überlegen. Einer sei sicher der Umstand, dass er die Pfarrstelle in Furth angetreten hat. Beim derzeitigen Stellenüberangebot sei es für die Gemeindemitglieder ein kleines Geschenk, „dass wieder Licht im Pfarrhaus brennt.“ Besonders erwähnen möchte er den Austausch mit den Brüdern und Schwestern im benachbarten tschechischen Domazlice. „Das ist ein Segen für uns alle.“ Begeistert ist der 40-jährige Rummel über die ökumenische Zusammenarbeit und die mit der Stadt Furth im Wald. Auf dem Wunschzettel für 2024 steht auch die stärkere Hinwendung zur Jugend und dass die Fusion mit den Pfarreien Cham und Waldmünchen reibungslos über die Bühne geht. „Wir sind dann zwei Seelsorger für drei Pfarreien, da kommen viele neue Aufgaben auf mich zu.“ Der Gründungsgottesdienst soll im Juni des kommenden Jahres stattfinden.

Wunsch: Weniger Hass

Der Gedanke an Israel macht Rummel emotional: „Ich habe zwei Jahre dort gelebt. Die aktuelle Situation macht mich so traurig, ich fühle mich hilflos. Es muss endlich wieder mehr Frieden in der Welt geben.“ Die Anfeindungen von Juden und Muslimen in Deutschland erschrecken ihn. Er fordert, dass das endlich aufhört. „Ich möchte, dass unsere Heimat ein Land ist, in dem jeder so leben kann, wie er möchte.“Für sein ganz persönliches Weihnachtsfest freut er sich auf ein paar ruhige Stunden. Und er hat sich ein Buch gekauft: „Bayern und der Eiserne Vorhang.“ Als promovierter Kirchenhistoriker interessiert er sich für die Geschichte seiner neuen Heimat, für die Versöhnungsarbeit und den ökumenischen Austausch.

Karl-Heinz Seidl ist nicht nur Seelsorger. Auch Schreibtischarbeit muss erledigt werden. Foto: Frimberger
Michael Rummel erholt sich bei Wanderungen. Foto: Rummel