Bekannt wie die bunten Hunde: Das Dackelmuseum ist in Regensburg angekommen

Von Rainer Wendl · 26. Dezember 2023 um 11:00

Kann man aus dem Stand zu einem Original in einer neuen Stadt werden? Ein kurzer Blick auf Seppi Küblbeck und Oliver Storz liefert die eindeutige Antwort: Ja! Die Macher des Dackelmuseums sind noch nicht einmal ein volles Jahr mit ihren drei Dackeln Klein-Seppi, Moni und Blümchen in Regensburg sesshaft, dort aber bereits bekannt wie die sprichwörtlichen bunten Hunde.

Wer sich davon überzeugen will, muss nur an einem Tag mit schönem Wetter einige Minuten lang die Szenerie rund um das Museum in der Weiße-Hahnen-Gasse beobachten. Da sitzt Küblbeck auf seinem Regiestuhl im Eingang und hat alles im Blick, was sich zwischen Historischer Wurstkuchl und der Straße Unter den Schwibbögen tut. „Grüß Gott, Frau Huber“, „Come in, please. Welcome!“, „Hallo, Herr Meier“ – so geht es in einem Fort, kein Einheimischer und kein Tourist kommt ihm aus. Der Dackel-Seppi kennt alle, und alle kennen ihn.

Im weiteren Sinne gilt dies sogar für den König von England. Charles war zur Eröffnung des Dackelmuseums eingeladen, war aber wegen eines etwas wichtigeren Termins verhindert – seiner Krönung. Für einen vom King höchstpersönlich in Auftrag gegebenen Absage-Brief aus dem Buckingham-Palast aber reichte es. Und schon wieder hatte das Dackelmuseum eine Marketing-Coup gelandet.

Dackelmuseum mit allen auf Augenhöhe

Diese Aktion sagt viel über die Inhaber aus: Sie sind umtriebig und geschäftstüchtig, begegnen dabei aber vom Monarchen bis zum ganz normalen Besucher jedem gleich freundlich und auf Augenhöhe. „Wir kommen aus dem Handel, da muss man sich ständig etwas Neues überlegen. Aber wir vertrauen stets auf das alte Sprichwort ,Wie man in den Wald hineinruft ...‘ – damit sind wir schon immer gut gefahren“, erklärt Küblbeck, warum sich ein einnehmendes Wesen lohnt.

Hinzu kommt die Begeisterung fürs eigene Tun. So kann Storz zu jedem Exponat kunsthistorische Details erzählen. Die Bandbreite im Dackelmuseum reicht von einmaligen Preziosen im Wert von mehreren tausend Euro bis zu scheinbar banalen Massen- und Alltagsartikeln. Doch auch der vermeintliche Tinnef hat es in Storz’ Augen verdient, ausgestellt zu werden: „Heute sammelt ja keiner mehr, da geht leider enorm viel Kultur verloren. Ich glaube nicht, dass es mal WhatsApp-Museen geben wird.“

Die mobile Olympia-Ausstellung, mit der die beiden Floristik-Meister bereits im Vorjahr einen ersten Aufschlag in Regensburg hatten, war das beste Beispiel für diese Philosophie. Da waren neben Original-Kunstdrucken von 1972, die heute viel Geld kosten, auch Bierfilzl zu sehen, die jahrzehntelang unbeachtet auf irgendeinem Dachboden lagen. Im Dackelmuseum werden all die so unterschiedlichen Exponate mit viel Gespür und Geschmack sowie immer auch mit einem gewissen Augenzwinkern präsentiert – und schon passen sie zusammen und ergeben ein stimmiges Gesamtbild.

Beim Publikum kommt die Mischung an. In ihrem Premierensommer in Regensburg mussten Küblbeck und Storz immer wieder zu dem Mittel greifen, dass man sonst nur von Autobahntunneln in den Ferien kennt: Blockabfertigung. Das Museum wurde zeitweise wegen Überfüllung geschlossen. Am langen ersten Oktoberwochenende zum Beispiel gaben sich über 1700 Besucher die Klinke in die Hand.

Mehr Welt geht kaum: Touristen aus Australien reist zum Dackelmuseum

Und wenn Küblbeck gern von der weltweiten Einzigartigkeit des Dackelmuseums schwärmt, ist das keine Übertreibung: Einmal war ein Tourist aus Australien da, der seinen Urlaub in Prag unterbrach, um mit dem Taxi in die Weiße-Hahnen-Gasse zu fahren und eine Stunde in der Ausstellung zu verbringen. Mehr Welt geht wirklich kaum.

Selbst studierte Museumsmacher ziehen vor dieser Anziehungskraft den Hut und wollen mehr über das zugrundeliegende Erfolgskonzept wissen. Nicht von ungefähr ist das Duo vom Dackelmuseum auf Anhieb ein gern gesehener Gast bei Zusammenkünften des Regensburger Kulturbetriebs geworden, auch in Vereinen, Handel und Gastronomie bringen sich die beiden Passauer in der neuen Stadt ein. „Wir sind gern unter Leuten. Deshalb macht es uns auch Spaß, Teil der Gesellschaft in Regensburg zu sein“, sagen sie. Wer sie nach Feierabend mit ihren drei Dackeln über die Steinerne Brücke in Richtung Spitalgarten defilieren sieht, weiß, wie sie das meinen.

Bei allem Talent zur Selbstvermarktung darf man es Küblbeck aber auch abnehmen, wenn er idealistische Motive geltend macht und das Dackelmuseum als kleinen heilen Kontrapunkt zu den Problemen dieser Welt definiert: „Das Schönste für uns ist, wenn wir den Menschen bei uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Das ist in der jetzigen Zeit ja leider keine Selbstverständlichkeit.“