Sechs Häuser, 70 Wohnungen: Neues „Stadtquartier Milchhof“ in Neumarkt ist gefragt

Von Eva Gaupp · 22. Dezember 2023 um 10:30

Hohe Kosten, steigende Zinsen und keine Handwerker: Im Landkreis Neumarkt ist die Zahl der Bauanträge im Jahr 2022 von 1200 auf 750 gesunken. Doch an der Altdorfer Straße in Neumarkt wachsen sechs neue Gebäude in die Höhe. Dabei steht hinter dem Großprojekt „Milchhof“ nur die Familie Weidinger.

1967 von Vater Xaver gegründet, ist die Weidinger GmbH ein Familienunternehmen im wahrsten Sinn des Wortes: Neben dem gelernten Maurermeister Rudolf Weidinger sind Ehefrau Petra im Büro, Tochter Marina als Architektin und Tochter Silvia als Tragwerksplanerin im Geschäft. Auch die Jüngste, Ivonne, packt mit an. Das Stadtquartier Milchhof ist das bisher größte Projekt des Bauunternehmens aus Deining-Großalfalterbach.

Weidinger Bau ist alles in einem: Investor, Bauherr und ausführende Baufirma. Unternehmer Rudolf Weidinger sitzt nicht mit Schlips am Schreibtisch, sondern arbeitet bei Wind und Wetter auf der Baustelle. Genau das sei in diesen Zeiten der große Vorteil, sagt Immobilienmakler Willi Kirsch. Die Weidinger GmbH habe keinen großen Wasserkopf, arbeite effizient und besitze in allen Segmenten die notwendige Erfahrung und Kontakte zu Handwerksbetrieben. „Immobilienkauf ist angesichts zahlreicher Firmenpleiten heute mehr denn je Vertrauenssache.“

70 neue Wohnungen im Stadtquartier Milchhof

Trotz der widrigen Rahmenbedingungen nach der Pandemie und mit Beginn des Ukrainekriegs sagt Rudolf Weidinger kurz vor Weihnachten: „Wir sind genau im Zeitplan.“ Ende nächsten Jahres seien die ersten Wohnungen sowie die Gewerbeimmobilie bezugsfertig.

Auf den 10000 Quadratmetern an der Altdorfer Straße werden insgesamt sechs unabhängige Gebäude errichtet. In fünf entstehen jeweils zwölf bis 17 Wohnungen. Neben zwei Einfamilienhäusern umfasst das Quartier auch ein Haus für Gesundheit und Dienstleistung. Ein Wohngebäude, ein Einfamilienhaus und die Gewerbeimmobilie sind im Rohbau bereits fertig, für das zweite Stadthaus und das fünfte Appartementhaus starten als letztes die Arbeiten im Frühjahr.

Und Immobilienmakler Willi Kirsch ist „sehr zufrieden“ mit der Vermarktung. Denn von den 70 Wohnungen seien bereits 51 verkauft. Abgesehen von den restlichen Wohnungen stehen auch noch die beiden Stadthäuser zur Verfügung sowie Büro- oder Praxisräume.

„Vor eineinhalb Jahren hat sich uns schon die Frage gestellt, sollen wir anfangen oder nicht“, sagt Kirsch ganz offen. Aber dann sei die Nachfrage groß gewesen. „Die Lage überzeugt“, sagt sein Sohn Franz-Josef. Fußläufig zur Innenstadt, zum Klinikum und LGS-Park dazu eine direkte Anbindung zur Autobahn. „Das ist alles, was junge und ältere Menschen brauchen.“

Gerade für die ältere Generation habe man einen „Mehrwert“ gesucht, sagt Willi Kirsch. Und gefunden: Die Physiopraxis Weglöhner verlege ihre Zentrale von Mühlen in die Gewerbeimmobilie. Außerdem richte der aha! Pflegedienst eine Tagespflege mit 26 Plätzen ein. „Pflege im Alter ist die Zukunftsfrage.“

Um darüber hinaus einen möglichst breiten Bedarf abzudecken, umfassen die Wohnungen zwischen 57 und 162 Quadratmeter. „Es sollen Wohnungen sein, die nicht nur für Kapitalanleger interessant sind, sondern auch für Familien und Eigennutzer“, sagt der Makler. Und bisher gehe diese Rechnung auf.

Zuzug aus Franken nach Neumarkt

„Die Penthäuser waren am schnellsten weg“, konstatiert Rudolf Weidinger. Dabei werde wieder einmal deutlich, dass Neumarkt als Wohnort nicht nur für Menschen aus der Jurastadt oder dem Landkreis Neumarkt interessant sei, sondern auch für Menschen aus dem fränkischen Umland, erklärt Franz-Josef Kirsch. „Einige verkaufen ihr Haus und ziehen hier in eine Wohnung.“

Auch wenn die Drei jetzt gut gelaunt in den Weihnachtsurlaub starten, wird im Gespräch doch klar, dass keine einfache Zeit hinter ihnen liegt: Erst der Abriss des früheren Burgis-Areals, steigende Kosten, notwendige Gutachten, Baugenehmigungen – eine war sogar extra für den übergroßen Sandhaufen notwendig –, und dann habe die Politik sie mit ihrem Heizungsgesetz „sehr überrascht“, sagt Willi Kirsch.

Deshalb verfüge das Stadtquartier Milchhof über drei Energiequellen: Ein Blockheizkraftwerk mit Pellets, PV-Anlagen auf dem Dach sowie für Spitzenlastzeiten Gas. Damit sei man gegen Schwankungen auf dem Energiemarkt gut aufgestellt, so Kirsch. Auch wenn die Wohnungen mit einem Durchschnittspreis von 5300 Euro pro Quadratmeter nicht für jeden erschwinglich seien, entlaste ein so großes Wohnprojekt den Wohnungsmarkt, unterstreicht der langjährige Makler.

Am Dienstag hatte der „Immobilienmarktbericht Deutschland 2023“ verkündet, dass die Zahl der Transaktionen – also der Kauf und Verkauf von Wohnimmobilien – in Deutschland im Jahr 2022 um 19 Prozent eingebrochen sei und damit auf dem geringsten Wert seit 2009 liege.

Mit einem 350 Quadratmeter großen Transparent werden die Wohnungen im Stadtquartier „Milchhof“ beworben. Fotos: Gaupp
Unternehmer Rudolf Weidinger (Mitte) informierte mit den Maklern Willi (links) und Franz-Josef Kirsch über den Stand der Arbeiten.
Ab 22. Dezember sind erst einmal Weihnachtsferien auf der großen Baustelle.
Die ersten Wohnungen werden Ende 2024 bezugsfertig sein.
Diese Konzeptstudie hat das Planungsbüro Berschneider + Berschneider aus Pilsach erarbeitet.
Im Juni 2021 waren die Abrissarbeiten der alten Burgis-Gebäude in vollem Gang. Foto: Wolfgang Endlein
Als im Juli 2020 der Startschuss für das Wohnbauprojekt gegeben wurde, hieß der Arbeitstitel noch „Burgis Karree“. Foto: Josef Wittmann