BayernHeim baut 100 Wohnungen am Deininger Weg: Debatte über Wohnen und Gewerbe

Neumarkt wächst. Das ist nicht nur eine gute Nachricht, sondern bringt auch Probleme mit sich. Sozialer Sprengstoff ist vor allem die Wohnungsnot, aber auch die Frage, wo sich Unternehmen noch ansiedeln können. Themen, welche die fünf OB-Kandidaten bei der Podiumsdiskussion des Neumarkter Tagblatts diskutierten. Auch ein bisher gut gehütetes Geheimnis wurde gelüftet.
Moderatorin und Tagblatt-Redaktionsleiterin Eva Gaupp wollte zunächst von CSU-Herausforderer Markus Ochsenkühn wissen, wo die Wohnungen herkommen sollen, die so dringend gebraucht werden. Er gestand zunächst ein, dass sich die Wohnbaugesellschaft nicht um Großprojekte kümmern könne, sondern nur um die Liegenschaften der Stadt. Neu bauen und sanieren, wo das möglich ist. Aber mit dem vorhandenen Personal seien „vielleicht zwei, drei Projekte im Jahr“ zu schaffen. Die ganz großen Projekte sieht Ochsenkühn auch weiterhin in den Händen von Bauträgern.
Ein gutes Beispiel dafür sei das Projekt der staatlichen Gesellschaft BayernHeim mit 100 Wohnungen. Auf Nachfrage von Moderatorin Eva Gaupp verriet OB Thomas Thumann dann erstmals auch den genauen Standort des Bauprojekts: das Alte Postgelände am Deininger Weg, gegenüber des ASV-Geländes. Laut Ochsenkühn habe die Stadt auf Grundlage der Verträge ein Mitspracherecht dabei, wer diese geförderten Wohnungen bekommt, denn „es nützt uns nichts, wenn wir hier in Neumarkt günstige Wohnungen haben, die aber bayernweit vergeben werden. Die müssen schon für unsere Neumarkter da sein.“ Ob es mit diesen 100 Wohnungen dann schon getan sei, setzte Eva Gaupp nach. „Es reicht nie“, erwiderte Ochsenkühn. Ihm sei aber auch wichtig, Wohnmöglichkeiten in allen Bereichen anzubieten – von bezahlbaren Wohnungen bis zum Einfamilienhaus. Und beim Ausweisen neuer Baugebiete müsse die Stadt schneller werden.
OB: Oft Bürgerwiderstand
Stockend schreitet auch das geplante Baugebiet Maienbreite im Ortsteil Holzheim voran. Eva Gaupp wollte daher vom OB wissen, ob es vom Bürgerdialog etwas Neues gibt. Der werde noch für den Herbst vorbereitet, so Thumann.
Zum Wohnbau verwies er darauf, dass in den letzten Jahren viel passiert sei. Die Wohnbaugesellschaft habe vor allem in der Innenstadt viel erreicht, aktuell seien zum Beispiel Vorhaben in der Schwesternhausgasse, in der Bahnhofstraße, in der Bogengasse und in der Hallertorstraße in Arbeit. Und auch sonst tue sich viel: „Wir hatten letztes Jahr die höchste Zahl an genehmigten Wohneinheiten mit 321.“
Leicht sei es für Investoren aber häufig nicht, große Vorhaben zu verwirklichen, fügte Thumann an: „Wenn ein Bauträger mehr Wohneinheiten baut als vorher da waren, gibt es Bürgerwiderstand. Da müssen wir als Stadt immer einen Kompromiss finden.“ Aber: Seit er OB ist, ist die Stadt um über 5000 Menschen gewachsen. Und die hätten schließlich auch alle eine Wohnung gefunden, unter anderem in den seitdem ausgewiesenen Baugebieten. In dem Zusammenhang verwies er auf das Flugfeld, wo ein neuer Stadtteil für bis zu 4000 Menschen entstehen soll.
Die 100 Wohnungen von BayernHeim sind für Matthias Sander (SPD) erfreulich, aber nur ein erster Schritt. In Neumarkt müssten kontinuierlich 20 bis 25 neue, bezahlbare Wohnungen im Jahr geschaffen werden. Das sei aus seiner Sicht möglich. Viele Projekte von Bauträgern seien Eigentumswohnungen und alles andere als bezahlbar: „Wir haben viele junge Leute, die nach der Ausbildung immer noch bei Mama und Papa zu Hause sitzen, die eine eigene Wohnung wollen. Die können sich so etwas aber nicht leisten.“ Er sähe es gern, wenn die Stadt – vielleicht zusammen mit einem Bauträger – das alte Bauhofgelände mit Wohnungen bebauen würde. Für junges Wohnen gebe es Fördermittel, die Wohnraum bezahlbar machen.
Private bauen günstiger
Das wird sich so nicht realisieren lassen“, ging Ira Hörndler (FDP) auf Sanders Idee ein: „Die Stadt selbst wird immer teurer bauen als private Bauträger, weil sie ab einer bestimmten Größenordnung die Projekte ausschreiben muss. Und im Neubau kommt man ohne Förderung nicht auf bezahlbaren Wohnraum.“ Die Baukosten seien einfach zu hoch.
Wenig hielt auch Markus Ochsenkühn von Wohnen auf dem alten Bauhof-Gelände: „Davor kann ich nur warnen.“ Dort sei ein Gewerbegebiet, die Bahn fahre vorbei – das würde umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen nach sich ziehen. „Zum Wohnen haben wir andere, bessere Grundstücke“, meinte er. Dem schloss sich der OB an. Außerdem erinnerte er daran: „Sozialen Wohnraum zu schaffen, ist nicht Pflichtaufgabe der Kommune. Im Gegenteil: Ich hatte Strafanzeigen, weil die Staatsanwaltschaft der Stadt vorgeworfen hat, dass wir die städtischen Wohnungen zu günstig auf den Mietmarkt geworfen haben.“
Marco Winkler sah es anders als seine Vorredner: „Die Stadt kann natürlich nicht günstiger bauen, aber günstiger vermieten.“ „Das stimmt einfach nicht“, konterte OB Thumann. Die Stadt müsse wirtschaftlich handeln. „Je weiter wir unter den Mietspiegel gehen, umso mehr sind wir in der Untreue“, widersprach er scharf. Thumann hatte sich erst vor Kurzem vor Gericht verantworten müssen, weil ihm in anderer Sache Untreue vorgeworfen wurde.
Die Stadt sei zwar nicht zum Bau günstiger Wohnungen verpflichtet, aber eine moralische Pflicht sehe er schon. „Wenn Sie das nicht akzeptieren, frage ich mich, ob Sie als Oberbürgermeister hier stehen sollten.“ Zudem fordert der Linken-Kandidat eine Koordinierungsstelle für Wohnraum, die älteren Menschen dabei hilft, ihre großen Häuser für Familien frei zu machen und selbst in deren kleinere Wohnungen zu ziehen.
Und wo bleibt da noch Platz für Gewerbe? Frickenhofen sei eine der wenigen verbliebenen Flächen, so Ochsenkühn, aber man könne nicht alle freien Flächen in der Stadt zubauen. „Stattdessen sollte man Flächen nutzen, die schon vorhanden sind. Zum Beispiel das Europoles-Gelände, das einem Münchner Konsortium gehört.“ Das gelte es zu entwickeln.
Dem konnte OB Thumann nur beipflichten. Es gebe bereits entsprechende Gespräche, die aber sehr schwierig seien. Nicht zuletzt gebe es auf dem Gelände Kontaminationen. Für die Betreiberfamilie zähle vor allem die Wirtschaftlichkeit.
Abgesehen davon sei es sehr schwer, Flächen zu erwerben. Bei Frickenhofen sei er aber optimistisch, dass man sich dort handelseinig werde.