Bad Kötztings Polizeichef zieht Bilanz über ein Jahr, in dem vieles sehr gut lief und sich manches verschlechterte

Von Stefan Weber · 21. Dezember 2023 um 17:00

Wer Christian Pongratz, den Leiter der Polizeiinspektion der Stadt fragt, wie sicher die Bewohner im Zuständigkeitsbereich der Beamten leben, dann wird er immer sagen: „Sehr sicher“ – und kann es mit Blick auf die Statistik auch. Dennoch hat das Jahr 2023 auch für ihn und seine Kollegen einige Besonderheiten bereitgehalten, wie er zum Ende des Jahres sagt.

Da sei zum einen natürlich das Tötungsdelikt im Februar gewesen. Ein Mann betritt am Morgen die Räume der PI und gibt an, dass in seiner Wohnung ein toter Mann liege. Zwar kein Mord, wie ihn die Staatsanwaltschaft in Regensburg angeklagt hatte, sondern eine Körperverletzung mit Todesfolge, die dem 27-Jährigen aber dennoch zehn Jahre Gefängnis mit anschließender Sicherungsverwahrung eingebracht haben.

Einsätze auch verarbeiten

Tötungsdelikte sind nun nichts, was im Bereich der PI Bad Kötzting besonders häufig vorkommen. Gestorben seien allerdings auch zwei von über das Jahr verteilt vier vermissten Personen, tödlich sei auch ein Unfall mit einem Traktor verlaufen und auch wenn selbst junge Menschen tot in der Wohnung liegen, die allerdings aufgrund gesundheitlicher Probleme gestorben waren, dann seien die Beamten vor Ort. „Im Dienst funktioniert jeder von uns, aber man muss das im Anschluss auch erst einmal verarbeiten können“, gibt er zu bedenken.

In diesem Zusammenhang sei auch noch eine weitere Entwicklung bemerkenswert und gebe ihm zu denken: Die registrierte Zahl an Fällen von Gewalt gegen Polizisten im Bereich der PI sei von vier oder fünf pro Jahr auf 15 Fälle in diesem Jahr gestiegen. Diese statistische Zahl beinhalte körperliche Gewalt wie Tritte oder Schläge ebenso wie Beleidigungen.

Gewalt gegen den Staat?

Dabei sei er sich nicht sicher, dass die Täter aggressiv gegenüber der Polizei seien. „Viele sehen mit der Uniform einfach den Staat“, schätzt er. Mit Blick auf diese Entwicklung denkt er, dass es auch Aufgabe der Politik sei, Linke und Rechte wieder „zurückzuholen“.

Auch, dass es im Bereich der PI zur Geldautomaten-Sprengung gekommen sei, falle in die Kategorie der auffälligen Einsätze des vergangenen Jahres. Ebenfalls nicht alle Tage gebe es den Großbrand eines Hotels, so wie in Rimbach im Bayerischen Hof. Was Christian Pongratz an diesem Fall besonders – aber auch bei allen anderen über das Jahr gesehen – freut ist, dass die „Blaulichtfamilie“ bestens zusammenarbeite. Egal ob Feuerwehr, Rettungsdienst oder auch sonstige Helfer: Abstimmung und Zusammenarbeit funktionierten bestens, auch im vergangenen Jahr.

Was ihn mit Blick auf die sich aktuell auch hinsichtlich der Veränderung der Kriminalität im Internet positiv stimme sei, dass der Beruf des Polizisten für den Nachwuchs im vergangenen Jahr auch ein Stück weit an Attraktivität gewonnen habe. Denn auch wenn die PI Bad Kötzting kein so breites Spektrum des Berufs abbilden könne wie etwa Dienststellen in der Großstadt, so sei es doch gelungen, im Landkreis ein System aufzubauen, durch das Interessierten dann doch alle möglichen Stationen gezeigt und so der Beruf interessant gemacht werden könne. Größere Probleme mit der Besetzung von Stellen, wenn der Staat diese schaffe, sehe er darum im Moment nicht. Auch nicht, weil die Zeiten, in denen junge Kollegen erst bis zu zehn Jahren hatten warten müssen, bis sie die Chance auf eine heimatnahe Verwendung bekamen, vorbei seien. Aktuell gebe es junge Kollegen, die direkt nach der Ausbildung wieder im Landkreis Cham eingesetzt werden. Das zumindest seien sehr gute Aussichten für die Zukunft.

Beruflich und privat

Berufliche Stationen: 1992 Ausbildung im mittleren Dienst bei der Bereitschaftspolizei in Sulzbach-Rosenberg; Dienst bei der 1. Bereitschaftspolizeiabteilung in München; Einsatz bei der Grenzpolizei unter anderem in Garmisch-Partenkirchen und Furth im Wald; Aufstieg in den gehobenen Dienst; Dienst bei der Grenzpolizeiinspektion Furth im Wald und nach deren Auflösung bei der Polizeiinspektion Furth im Wald. Im Zuge eines Personalauswahlverfahrens Stationen bei der Polizeiinspektion Neutraubling, dem Polizeipräsidium Oberpfalz, der Kriminalpolizeiinspektion Regensburg sowie der Polizeiinspektion Cham; ab September 2018 Leiter der Polizeistation Waldmünchen; seit 1. Mai 2022 Leiter der Polizeiinspektion Bad Kötzting.

Privatleben: Christian Pongratz, Jahrgang 1974, ist gebürtiger Chamer und wohnt auch in Cham; er ist alleinerziehender Vater einer 16-jährigen Tochter. Einen Ausgleich zum Berufsleben findet Pongratz, wenn er in Altenschneeberg bei Waldmünchen auf die Jagd geht – besonders gerne auf Schwarzwild. Das Fleisch verwertet er selbst, „Spaghetti Bolognese gibt es bei uns nur mit Wild-Hackfleisch“. Als Jäger liebt er die Ruhe und natürlich auch die Natur um sich herum.

Im Februar kam es zu einem Tötungsdelikt.
2023 brannte es in einem Hotel.
Ein Geldautomat wurde gesprengt
Die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten nahm zu.