Edeka-Betreiber im DEZ schlägt Alarm: Diebe greifen immer öfter und dreister zu

Konstantin Gatzke betreibt den Edeka im Regensburger DEZ und ist dort täglich mit „dreisten Dieben“ konfrontiert. „Ein Wahnsinn“ sei das. Laut Polizei häufen sich die Ladendiebstähle seit Herbst. Etwa ein Drittel der Tatverdächtigen kommt demnach aus Tunesien.
Am Wochenende ist Konstantin Gatzke der Kragen geplatzt. Schon seit längerem ärgert sich der Betreiber des Edeka im Donau-Einkaufszentrum (DEZ) über „dreiste Diebe“, wie er erzählt. Sie kämen jeden Tag, „schwarz gekleidete Männer, alle aus den Asylwohnheimen in Regensburg“ und machten sich „Rucksäcke und Taschen voll“ ohne zu bezahlen: „Ein Wahnsinn“ sei das. Er habe keine Vorurteile gegenüber Ausländern, betont Gatzke. Als Russland-Deutscher habe er selbst Migrationshintergrund und beschäftige Mitarbeiter aus den verschiedensten Ländern. „Aber diese Männer kommen zum Stehlen zu uns.“
Wachpersonal, Detektiven und Überwachungskameras als Mittel gegen Diebe
Er sei gezwungen, mit Wachpersonal, Detektiven und Überwachungskameras gegenzuhalten. Seit Mitte Oktober spitzt sich die Situation laut Gatzke zu. Für einen Wachmann müsse er pro Tag zwischen 250 und 300 Euro ausgebe. Auf bis zu 300 Euro täglich schätzt Gatzke den Schaden, der durch die Diebstähle entsteht. Gestohlen würde gezielt teuer Ware, „Alkohol, Garnelen, Tintenfisch, edle Gewürze“, zählt der Kaufmann auf. Es gehe nicht um eine Dose Red Bull. „Diese Leute sind viel dreister. Sie nehmen sich unsere Einkaufstaschen und packen sie voll.“ Die Ware werde wohl weiterverkauft, glaubt Gatzke.
Zwei verschiedene Tätermuster hat der Kaufmann beobachtet: Einzeltäter, die sich unauffällig verhalten, und Gruppen von zwei oder drei Männern. Dabei stehe einer am Eingang, lenke den Wachmann ab und sorge am Ende dafür, dass die Komplizen schnell zur Tür hinauskämen. Täglich gebe es solche Vorfälle im Laden, meistens am Nachmittags, so Gatzke weiter. „Wir erwischen auch viele, aber bei Weitem nicht alle“. Dafür fehle ihm das Personal.
Diebe im DEZ „Sehr aggressiv“
Seine rund 45 Mitarbeiter im DEZ sind überwiegend Frauen und eine Handvoll Männer. Seine Mitarbeiterinnen würden zwar aufpassen und versuchen, die Diebe zu stellen, doch die Täter seien oft sehr aggressiv, schubsten und versuchten sich loszureißen. „Ich möchte auch nicht, dass meine Mitarbeiterinnen Heldinnen spielen.“
Thomas Zink, Geschäftsführer des Donau-Einkaufszentrums, kennt das Problem nur zu gut. „Das entspricht der Realität.“ Schon seit einem Jahr gehe das so. Hauptsächlich betroffen sind seiner Auskunft nach die Bereiche Textil, Drogerie und Parfümerie. Dass es auch im Edeka so schlimm sei, sei ihm neu gewesen. „Ein hoher Anteil der Hausverbote im DEZ betrifft Bewohner des Ankerzentrums“, so Zink weiter. Die Sicherheitsvorkehrungen seien inzwischen um etwa ein Drittel verstärkt worden, das bedeute mehr Personal und auch mehr Kosten. Die Situation sei sehr ärgerlich. Mit den Ladenbetreibern werde permanent darüber diskutieren, was man noch tun könne. Aber es sei schwierig. Die Zusammenarbeit mit der Polizei sei bereits eng. Aber offenbar würden Täter zu wenig abgeschreckt, meint Zink.
Regensburger Polizei stellt seit Herbst mehr Diebstähle fest
„Die Polizei in Regensburg konnte seit Herbst 2023 Häufungen von Ladendiebstählen feststellen“, teilt Thomas Hasler von der Polizeiinspektion Regensburg Nord mit, in deren Zuständigkeitsbereich das DEZ fällt. „Auffällig ist, dass in circa einem Drittel der Fälle die ermittelten Tatverdächtigen die tunesische Staatsangehörigkeit haben.“
Dass sich im DEZ die Ladendiebstähle häufen, bestätigt auch die Regensburger Staatsanwaltschaft. „Das DEZ stellt neben dem Bahnhofs- und Diskothekenviertel derzeit sicherlich einen Schwerpunkt der Eigentumskriminalität dar“, teilt Sprecher Thomas Rauscher mit. Ersttätern könne eine Strafe von bis zu zehn Jahren drohen. Bei Intensivtätern greift in Regensburg seit Mitte November ein Sonderkonzept. Bislang sind dabei laut Rauscher vor allem „Personen aus den Maghrebstaaten als Mehrfachintensivtäter aufgefallen“. Staatsanwalt Konstantin Voges sprach kürzlich im MZ-Interview von einer „spürbaren Verrohung“ in bestimmten Teilen der Altstadt, am Hauptbahnhof und im DEZ.
Mit vollgepackten Taschen aus dem Edeka
Gatzke hat seine Erfahrungen in den sozialen Medien veröffentlicht. „Wir wollen definitiv keine ausländerfeindlichen Inhalte verbreiten, aber es ist nicht mehr ertragbar“, schreibt er auf Facebook – und wird für seine „Ehrlichkeit“ gelobt. Auch ein Foto hat er gepostet, das einen Dieb mit vollgepackten Taschen zeigt. Waren im Wert von 124 Euro habe dieser am vergangenen Samstag zu stehlen versucht, im Rucksack sei weiteres Diebesgut aus einer Parfümerie und einem Elektronikmarkt gewesen. „Als ich davon erfahren habe, war ich gerade woanders auf einer Weihnachtsfeier“, erzählt Gatzke. Aber das Feiern sei ihm da vergangen.
Auch Raphael Dirnberger, Betreiber des Edeka am Regensburger Bahnhof, hat mit Ladendieben zu kämpfen. „Die Zahl der Diebstähle geht immer weiter nach oben. Seit diesem Jahr ist es extrem.“ Zahlreiche Kameras hat er inzwischen im Markt am Bahnhof installiert, mehr als 100 000 Euro steckt er jährlich in Sicherheitsmaßnahmen.
Gatzke betreibt neben dem Laden im DEZ fünf weitere Lebensmittelmärkte, unter anderem in Mintraching. Dort rechnet er damit, künftig mehr Geld in Sicherheitsmaßnahmen stecken zu müssen, wenn weitere Flüchtlinge in Rosenhof untergebracht werden. Dabei sei die Lage auf dem Land noch etwas besser. Gatzke wünscht sich härtere Konsequenzen für die Diebe. „Die kommen nach drei Tagen wieder.“
Intensivtäter
Vorgehen: Sobald ein Beschuldigter mindestens zweimal in kurzer Zeit auffällt, wird laut Staatsanwaltschaft geprüft, ob ein Untersuchungshaftbefehl veranlasst ist. Die Polizeiinspektionen arbeiten zusammen, so dass alle Taten auf einmal – und schneller – abgehandelt werden können.
Beschuldigte: Seit Mitte November sind laut Staatsanwaltschaft elf Personen in U-Haft – sechs davon sind angeklagt, für weitere vier liegen Haftbefehle vor. Es handelt sich um 14 Tunesier und einen Syrer.
