Landgericht Nürnberg-Fürth schickt Bauer nach Sabotage nicht ins Gefängnis

Von Nikolas Pelke · 19. Dezember 2023 um 19:00

Der Prozess um hinterhältige Attacken auf fränkische Maishäcksler ist zu Ende: Der Angeklagte, ein unter Demenz leidender 69-Jähriger, kommt mit einer Bewährungsstrafe in Höhe von 18 Monaten davon.

Ursprünglich war die Urteilsverkündigung erst kurz vor dem Heiligen Abend geplant gewesen. Jetzt ist der 69-jährige Landwirt, der im Gerichtssaal stets im bunten Strickpullover und mit dunkler Sonnenbrille erschienen war, schon früher als gedacht, verurteilt worden.

Der Bauer aus Wilhelmsdorf im Landkreis Fürth hatte im Spätsommer vor vier Jahren gezielt Gegenstände in fremden Maisfeldern versteckt, um Erntemaschinen zu zerstören und ungeliebten Nachbarn damit offensichtlich eins auszuwischen. Während des Prozesses hatten geschädigte Landwirte berichtet, welche Folgen die Sabotageakte für die Erntearbeit gehabt hatten.

„Ich bin mit meinem Schlepper hinter dem Maishäcksler gefahren, als plötzlich ein Riesentrumm über mein Gespann geflogen ist“, erinnerte sich beispielsweise der Fahrer eines Abfuhrgespanns an den erschreckenden Vorfall zurück. Nur wenige Meter vor dem nächsten Bulldog sei das mit Gummi umwickelte Metallteil im Acker steckengeblieben.

Angegriffene Landwirte wähnten sich in Lebensgefahr

„Wenn das Trumm weiter geflogen wäre, hätten meine Kollegen tödlich getroffen werden können“, hatte der Lohnunternehmer vor Gericht ausgesagt. „Wenn ich schneller gefahren wäre, wäre der Gegenstand durch meine Windschutzscheibe geflogen. Es hätte alles passieren können“, hatte ein anderer Landwirt berichtet.

Personen wurden bei den Unfällen mit den versteckten Gegenständen im Maisfeld zum Glück nicht verletzt. An den Maishäckslern hatten die Metallteile, die von den Metalldetektoren in den teuren Landmaschinen wegen Gummiummantelungen teilweise nicht erkannt worden waren, dagegen gewaltige Schäden von bis zu 80.000 Euro verursacht.

Staatsanwaltschaft fordert drastische Haftstrafe

Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth ist es hauptsächlich um die Frage gegangen, ob der Landwirt – der vor Gericht bei Prozessbeobachtern eher einen verwirrten Eindruck hinterlassen hatte – bei den Angriffen bewusst Menschenleben aufs Spiel gesetzt hat.

Gegen eine Bewährungsstrafe vor dem Amtsgericht Neustadt an der Aisch war der ledige Landwirt, der in der Region gemeinsam mit seinem vier Jahre jüngeren Bruder als Außenseiter und Eigenbrötler bekannt ist, zuvor in Berufung gegangen. Vor dem Amtsgericht soll der Landwirt laut Medienberichten als Grund für seine Taten auf verfeindete Nachbarn verwiesen haben, die immer wieder absichtlich mit hoher Geschwindigkeit an seinem Bauernhaus vorbeigefahren wären und dabei meterhohe Staubwolken aufgewirbelt hätten.

Während des Berufungsverfahren wäre der Angeklagte für seine Taten jetzt beinahe hinter Gittern gelandet. Die Staatsanwaltschaft hatte aufgrund der Gefährlichkeit der Anschläge im Maisfeld immerhin eine Freiheitsstrafe in Höhe von satten siebeneinhalb Jahren gefordert.

Das Landgericht hat am Ende anders geurteilt, obwohl der 69-Jährige tatsächlich hinter den Sabotageaktionen in den benachbarten Maisfelder steckte. Schließlich waren an den Fallen im Feld die DNA-Spuren des Angeklagten festgestellt worden. Mehr als einen schlimmen Denkzettel für die Nachbarn konnte das Landgericht allerdings nicht feststellen. Von einer Tötungsabsicht wollte der Richter nicht sprechen. Die Verteidigung hatte im Hinblick auf die Demenz des Angeklagten sogar auf Freispruch plädiert.