Der OTH-Neubau in Neustadt a.d. Donau steht kurz vor dem Start

Vor sieben Jahren war der Technologie-Campus (TC) der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg in Neustadt a.d. Donau noch Zukunftsmusik. Doch inzwischen wird Neustadt a.d. Donau geforscht. Dabei ist der OTH Campus noch immer eine Baustelle.
„Wir sind in der Endphase auf unserer Baustelle“, sagt Martin Hess, geschäftsführender Gesellschaft von Intertec, der zugleich Investor für den OTH Campus ist. Strom und Gas werden verlegt, Maler sind im Einsatz. Die ersten Maschinen, die für die Forschung benötigt werden, sind bereits geliefert worden.
Dennoch sind die bisher mehr als 20 Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter, die schon in Neustadt a.d. Donau arbeiten, noch im Provisorium untergebracht. Dabei handelt es sich um Büros auf der Intertec-Werksgelände.
Unterdessen läuft die Inbetriebnahme des OTH Campus. „Die läuft seit Ende September“, sagt Martin Hess. „Das geht jetzt Zug um Zug.“ Und auch wenn noch vieles nach Baustelle aussieht, ist Hess optimistisch. „Eine Inbetriebnahme des Campus zum 1. Januar ist realistisch“, sagt er. Möglicherweise im Februar oder März soll es dann auch eine Einweihungsfeier geben. Das Richtfest fand übrigens erst im Mai statt.
Enger Bezug zur Praxis
Das wäre kurz vor Beginn des Sommersemesters an der OTH. Der Forschungsbetrieb läuft unterdessen bereits seit September 2022. Thematisch ist der Technologie-Campus auf die Gebiete Leichtbau und Werkstoffsimulation. Der Campus soll Forschung und Praxis zusammenführen.
Daneben geht es beim Campus auch darum, die lokale Industrie zu unterstützen. Insofern gibt es durchaus auch ein eigenes Interesse des Unternehmers Martin Hess am Campus. Traditionell stellt Intertec Hess Schutzbehälter für empfindliche Apparaturen in Industrieanlagen her. Die müssen sowohl Stürmen als auch Trockenheit, Regen und Eiseskälte standhalten. Und selbst vor Explosionen sollen sie schützen und antistatisch müssen die Behälter auch sein.
Weil diese Behälter immer größer werden und sogar die Größe von Übersee-Containern erreichen, wurde mit OTH-Professor Ingo Ehrlich eine Composit-Bauweise entwickelt, bei der die Forschungen im Bereich der Verbundfaserstoffe dazu beitrugen, das Gewicht der Container gering zu halten. Das Ergebnis überzeugte Martin Hess. Seine neuen Container sind vier mal leichter als herkömmliche Stahlcontainer.
Ein Schwerpunkt der Forschung an der OTH zu Faserverbundstoffen betraf zuletzt auch die Sicherheit in der Luftfahrtindustrie. Das Problem, das man lösen konnte, war eines, das immer wieder in der Luftfahrt auftritt: Vögel kollidieren mit Flugzeugen. Dabei kann es auch an den Tragflächen zu Schäden kommen. Um diese Schäden nicht mühselig nach der Landung zu ermitteln, trug die OTH in Zusammenarbeit mit einem Würzburger Unternehmen dazu bei, „dass man schon während des Fluges zuordnen kann, ob und wo ein Schaden entstanden ist“, sagt Professor Ehrlich.
In der Automobilindustrie vollzieht sich mit dem Einbau von Elektro- statt Verbrennermotoren in die Fahrzeuge nicht nur ein Wechsel beim Antrieb. Die Fahrzeuge selbst sollen immer leichter werden, um Energie zu sparen. Auch dazu trägt der OTH-Technologie Campus bei. Einzelheiten will Professor Ehrlich zwar nicht verraten. Er sagt aber: „Wir wollen mit einer Firma aus der Region ein Auto bauen.“ Der Wagen werde mit einem Elektroantrieb ausgerüstet und sei für Märkte in Asien vorgesehen.
Abhängig von Aufträgen
Zunehmend erobern Thermoplaste – Kunststoffe, die sich in einem bestimmten Temperaturbereich einfach verformen lassen – den Markt. Sie kommen in 3D-Druckern zur Anwendung und stehen inzwischen auch schon in Privathaushalten. Hier forscht die OTH an einem besserem Material. Die Thermoplaste sollen nicht nur recycelbar, sondern auch endlos faserverstärkt sein.
Die Zukunft des Campus und seine personelle Ausstattung wird von der Zahl der Forschungsaufträge abhängen. „Im Endausbau zielen wir auf circa 30 Personen, die wir im Laufe der Jahre noch steigern wollen“, sagt Professor Ehrlich und erklärt: „Es ist eher eine Frage der bewilligten Forschungsaufträge und der Beauftragungslagen bei den Drittmittelaufträgen.“

