Gag beim Jahresempfang: Der Chamer Sparkassen-Chef und die Sache mit den Zinsen

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse im Landkreis Cham prophezeite das Ende der Zinsspirale nach oben. Was Franz Wittmann allerdings nicht vorhersehen konnte, war, dass er auf seinem Sitzplatz in der ersten Reihe Zielscheibe eines Running Gags werden würde.
Joe Kaeser brachte den sonst so eloquenten Bank-Chef etwas aus dem Tritt, als er ihn fragte: „3,5 Prozent Guthaben-Zins sind für die Sparkasse doch kein Problem, oder?“ Diese Bemerkung sollte der Lacher des Abends bleiben, weil Kaeser sich von der Bühne mit den Worten Richtung Publikum verabschiedete: „Und denken Sie dran: Am Montag die 3,5 Prozent abholen ...“
Wie kann die Sparkasse die Energiewende unterstützen? Wie geht es mit den Zinsen weiter? Diese Fragen stellte Wittmann in den Mittelpunkt seiner Rede. In Gesprächen mit Vertretern von Firmen erlebe er, dass ständig über die zunehmende Bürokratie geklagt werde. Hier habe man einen Kipppunkt erreicht, so Wittmann. Die Volkswirtschaft müsse zusehen, dass sie es nicht zu weit treibe. Bürokratie, Dokumentation und Regulatorik kosteten Effizienz.
Griechenland habe Deutschland beim Wachstum abgehängt. Viele Jahre sei Griechenland der kranke Mann Europas gewesen – und jetzt? Deutschland brauche wieder mehr Mut zur Eigenverantwortung des Einzelnen und weniger Bürokratie. Das koste weniger und tue keinem weh.
Die Sparkasse, so der Vorstandsvorsitzende, unterstütze die Energiewende beispielsweise dadurch, dass sie ihren CO2-Ausstoß seit 2018 von 815 auf 362 Tonnen verringert habe. Jetzt stehe der härteste Brocken an – die Wärme. Dafür gebe es schon Ideen. Zum Beispiel durch Elektrolyse die Wärme der Sommermonate für den Winter zu speichern. Das werde sicher noch länger dauern und noch mehr Geld kosten.
Was der Landkreis mit seinem kommunalen Energieunternehmen vorhabe, habe echten Vorbildcharakter. Nur gemeinsam und koordiniert werde man die Klimaneutralität in Bayern bis 2040 schaffen. Es stünden gewaltige Investitionen an. Rund zwei Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren. Als Sparkasse im Landkreis baue man sozusagen den regionalen Kreislauf des Investitionsgeldes auf. Aus den regionalen Einlagen der Bürger und Firmen werde die regionale Wertschöpfung der Energie. So entstehe neben der Geld-Sparkasse die Energie-Sparkasse.
Was die Zinsentwicklung betrifft, so sagte Wittmann voraus, dass nach den nie dagewesenen Zinssteigerungen der Europäischen Zentralbank nun ein Höhepunkt erreicht sei. Die Zinsen werden etwas zurückgehen, so Wittmann. „Deshalb haben wir wieder Mut für die Zukunft, in unserem Lande zu investieren“, sagte er voraus. Ob er damit auch die 3,5 Prozent Guthabenzinsen ab Montag gemeint hat, blieb unklar.