Verkäufer berichten: Blattläuse belasteten Christbaumplantagen im Landkreis Cham

Von Marie Campisi · 14. Dezember 2023 um 19:00

In vielen Wohnzimmern sorgen sie bereits für eine weihnachtliche Atmosphäre: Tannen und Fichten. Besonders beliebt bleibt im Landkreis Cham ist die Nordmanntanne – dennoch ist Bewegung in der Branche. Denn der Klimawandel bereitet den Weihnachtsbaumverkäufern nicht nur neue Schwierigkeiten, sondern lässt auch nachhaltige Ideen aufkeimen.

Während in anderen Regionen Bayerns die Christbaumhersteller über zahlreiche verdorrte Pflänzchen klagen und die Preise anheben, bleiben die Kosten im Landkreis Cham laut den Verkäufern im Vergleich zum Vorjahr großteils unverändert.

Ganz reibungslos sind die Nadelbäume aber auch im Bayerwald nicht gewachsen. Auf den insgesamt sechs Plantagen des Prasch-Hofs in Cham wachsen vor allem Nordmanntannen. Die zunehmende Hitze und Trockenheit ist Kerstin Prasch auch dieses Jahr aufgefallen. „Aber heuer ist es besser als vergangenes Jahr. Es macht ihnen schon zu schaffen, aber die Nordmanntannen erholen sich schon davon“, sagt sie. Sorgen machen ihr auch starke Unwetterlagen. Selbst waren sie nicht betroffen, aber Kollegen aus einer anderen Region haben laut Prasch durch einen Hagelschaden einen Großteil der Bäume eingebüßt. „Bei Unwetter sind wir immer angespannt. Von Trockenheit kann sich der Baum erholen“, sagt Prasch.

„ Da hilft nur Spritzen“

Auch Michael Klonus von Tannex in Atzenzell zieht ein ähnliches Fazit. Auf rund zehn bis 15 Prozent schätzt er den Baumverlust – „etwas mehr als in den Vorjahren“. Nur Andreas Liebl vom Christbaumverkauf Bad Kötzting blickt sorglos auf zunehmende Trockenheit: „Wir haben ein Grundstück mit viel Grundwasser“.

Etwas mehr Arbeit hat ihm dagegen die Blattlaus bereitet – ebenso einigen Kollegen. Auch auf dem Prasch-Hof hat die Tannentrieblaus Bäume befallen. Sie zählt zu den Profiteuren des Klimawandels. Indem sie den Baum „aussaugt“, drehen sich die Nadeln nach innen ein. Am Ast machen sie sich als kleine schwarze Punkte bemerkbar. „Hätten wir die Bäume nicht rechtzeitig behandelt, hätten wir schätzungsweise 60 Prozent wegschmeißen müssen“, erzählt Prasch. Zur chemischen Behandlung greife sie nur in Notfällen. Auch Siegmund Wutz aus Penting hat das Insekt an vielen größeren Weihnachtsbäumen bemerkt. Auch er sagt: „Da hilft nur spritzen“. Ein paar Euro teurer sind die Christbäume bei ihm dieses Jahr geworden, allerdings eher wegen gestiegener Kosten.

Topfbäume gefragt

Klonus und sein Geschäftspartner Pirmin Schmid haben durch ihr Geschäftsmodell eine besondere Herausforderung. Denn seit Kurzem können Christbäume bei ihnen nicht nur gekauft, sondern auch im Topf gemietet werden. „Wir holen den Baum im Topf dann um Heilig Drei König wieder ab“, erklärt Klonus. Nach der warmen Zimmertemperatur müssen die Christbäume allerdings wieder Stück für Stück runtergekühlt werden. „Alles, was an Wettereinfluss eintrifft, ist später am Baum irgendwie zu erkennen“, sagt er. Für Klonus und Schmid bedeuten das: experimentieren. Besonders die Wasserspeicherung in der Erde, insbesondere für die Topfbäume, und die richtige Nährstoffmischung beschäftigen sie. Aber es scheint sich zu lohnen. Denn von zehn im Topf gepflanzten Christbäumen, konnten neun zum Verleih angeboten werden – fast alle wurden gebucht.

Die Topfbäume sind aber auch anderswo beliebt. Sowohl Obi als auch Toom in Cham bieten sie zum Verkauf an.

Obis Marktleiter, Johann Bucher, hat die Nordmanntanne im Topf seit rund vier Jahren im Sortiment. „Von Jahr zu Jahr ist die stärker gefragt. Ich denke, das hat auch was mit Nachhaltigkeit zu tun“, sagt er. Auch bei der Alternative aus Plastik sieht er eine Trend. Bei Toom erkennt der Marktleiter, Michael Rojer, zwar keinen Trend von Plastik- oder Topfbäumen – ausverkauft sind letztere aktuell dennoch bereits.

Bei einer Sache, unterschieden sich die Verkäufer jedoch nicht: Die Nordmanntanne bleibt mit weitem Abstand die Nummer Eins. Besonders die kleineren Größen bis circa 1,80 Meter sind laut den Verkäufern gefragt.

Einige Alternativen zur Nordmanntanne sind trotzdem im Bayerwald vertreten. Vor allem die Blaufichte haben viele Verkäufer in kleinem Umfang im Angebot. Auch die in den USA beliebte Coloradotanne gibt es beispielsweise bei Wutz und Liebl. Bei Prasch ist die Küstentanne eingezogen, die intensiv duftet, dafür aber schwächere Äste hat.

Kerstin und Martin Prasch hatten mit Tannentriebläusen zu kämpfen.
Bei Toom sind die Tannen bis 1,9 Meter der Verkaufsschlager.