Der ausgezeichnete Findling: Rodinger Architekt Florian Brunner holt Preis für spektakuläres Haus

Von Christoph Klöckner · 12. Dezember 2023 um 15:08

Ein Haus zahlt sich aus – geht das überhaupt? Natürlich nicht! Aber es kann viel bewegen, wenn es Aufmerksamkeit erregt, gar begeistert, wie es das Haus, das der Architekt Florian Brunner auf einem spitz zulaufenden, übersichtlichen Grundstück an der Jahnstraße in Roding für seine Eltern gebaut hat. Unabhängig davon, dass der Bau vieles erfüllt, was eine Stadt heute braucht, hat er jetzt vor allem durch seine Optik Brunner einen kostenlosen Hotelaufenthalt beschert.

Denn mit einem Bild des Hauses namens Findling hat Florian Brunner am Fotowettbewerb „Bauen – flächeneffizient und innovativ“, den die Regierung initiiert hatte, teilgenommen und den zweiten Platz belegt. Das Bild zeigt, wie das vierstöckige, schmale Haus quasi aus der Häusermasse wächst, begrenzt durch die Hochwassermauer und mit Nebel über der Dachterrasse. Damit gilt der innovative Bau auf einer Restfläche als Vorzeigemuster für Stadtkernbauten.

Spannende Blickwinkel

Wie er darauf gekommen ist, mitzumachen? Grundsätzlich sei es immer gut, bei solchen Dingen mitzumachen, die Licht auf die eigene Arbeit werfen, sagt Brunner. Zudem seien Architekten visuell geprägte Menschen – „ich fotografiere gern und suche spannende Blickwinkel.“ Daher habe er das Bild eingeschickt – und darf nun als Preis einen Kurzurlaub im Hotel Post in Berching verbringen – wo er schon einmal war: „Das denkmalgeschützte Haus hat ein Kollege saniert – ich habe mir das schon einmal angeschaut!“

Das Objekt habe auch bei den „Architektouren“ mitgemacht – wie viele Bauten des Büros quadrat45˚ von Florian Brunner und seinem Partner Michael Müller. Mit 20 von der Architektenkammer ausgesuchten Projekten sei man bereits dabei gewesen. Auch das ist eine Form, um Interesse zu wecken. Oder durch Dinge, die Brunner unterschätzt hat. Er habe sich lange gegen Instagram-Storys gewehrt, sagt Florian Brunner. „Wofür brauchen wir das?“, habe er in die Bürorunde gefragt. Doch am Ende hätten sich die jungen Kollegen durchgesetzt und Recht behalten: „Seit einem Jahr sind wir bei Insta vertreten. Heute akquirieren wir darüber sogar Hausbauer!“, sagt der Rodinger.

Pilgerort für Insta-Fans

Die Wirkung, die solche Internetmedien entwickeln können, habe sich auch bei der neuen Regenbrücke gezeigt. Kaum sie fertig gewesen, sei sie durch ihre Optik zum Pilgerort für Insta-Fans geworden. Es sei einfach alles im Wandel und werde lockerer – selbst die öffentlichen Auftraggeber in den Ämtern, denen man noch vor zehn oder 15 Jahren nur in Papierform begegnen durfte, seien heute für WhatsApp offen.

Nicht mehr ganz so locker für Projekte sitzt mittlerweile das Geld bei den öffentlichen Auftraggebern. Manche bereits terminierte Dorferneuerung des Amtes für Ländliche Entwicklung werde neu getaktet, sagt Brunner zum Ausblick: „Doch die Pflichtaufgaben wie Schul- oder Kindergartenneubauten bleiben.“ Wie es 2024 im Baubereich weitergehe, sei im Büro ein oft diskutiertes Thema. „Dass wie nie für große Bauträger gearbeitet haben, ist unser Glück“ – sein Büro baue eher vom Einfamilienhaus bis zum Kindergarten alles. Andere Kollegen, die auf großen Geschosswohnungsbau gesetzt hätten, hätten jetzt Probleme. „Wir haben nicht den massiven Einbruch“, so Brunner. Sicher könne es auch ihr Büro erwischen, „doch noch sehe ich das positiv.“

„Nadelöhr beim Bauen sind die Handwerker“

Wobei es grundsätzlich von Vorteil wäre, wenn sich nach Überhitzung der Nullzinsphase und den Preissteigerungen alles etwas entspanne und wieder „vernünftige Angebote“ abgegeben würden, meint der Architekt: „Die Gretchenfrage ist, wie die Baufirmen die Entwicklung für 2024 einschätzen.“ Was er sehe, sei der Rückgang engagierter, fähiger Handwerker: „Die werden immer weniger!“ Die seien um so wichtiger – denn intelligente, schlaue Lösungen am Bau brauche solche Spezialisten, um sie umzusetzen. „Das Nadelöhr beim Bauen sind die Handwerker!“, bringt es der Architekt auf den Punkt.

In Schwandorf habe sein Büro gerade sozialen Wohnungsbau verwirklicht: „Es muss hier mehr passieren! Die Fördervoraussetzungen sind da.“ In Zukunft müssten sich wohl viele vom freistehenden Haus mit Garten verabschieden. Eine Lösung könne hier der Bau als Genossenschaft sein. Gefragt sei ein nachhaltiges Bauen – das bedeute aber nicht zuerst ein Ökohaus auf der grünen Wiese, sondern etwa leerstehende Immobilien in Städten neu zu nutzen. „In Roding gibt es viele Leerstand, der dafür geeignet wäre!“, sagt Brunner. Doch sähen die Besitzer leider oft keinen Grund, etwas zu ändern oder zu verkaufen.

Profitieren würden alle

Dabei würde solch eine Wiederbelebung auch den Innenstädten im Überlebenskampf helfen: „Profitieren würden alle!“ Vielleicht brauche es nur ein Leuchtturmprojekt als Anstoß. Selbst Objekte, die Denkmäler seien, seien interessant; „Man sollte das eher als Chance denn als Bürde sehen“, sagt der Architekt.: „Solche Häuser haben Charakter und Charme, zudem gibt es steuerliche Anreize!“

Das Bauen der Zukunft brauche eine Klimaanpassung. Heute werde nur auf die Energieverbräuche im Winter geschaut, doch die Zukunftsfrage sei, wie das Haus im Sommer gekühlt werden könne. Möglichkeiten seien hier keine übergroßen Fensterfronten und Nachtauskühlung durch Durchzug. Das versuche man gerade beim Rathaus in Wald umzusetzen. „Ein solches Bauen ist längst überfällig“, findet Brunner. Letztlich entscheide der Bauherr, daher müssten Dinge wie Gründach, Schotterrasen oder Zisterne so attraktiv sein, dass sie jeder wolle und diese somit automatisch verbaut würden: „Man muss die Dinge so sexy machen, dass der Bauherr sie will!“ Ein Überstülpen per Gesetz funktioniere selten. Ziel müsse ein klimaneutrales Bauen sein.

Der Findling 2021 im Bau Foto: Evi Paleczek