Brutaler Überfall in Sinzing: Gutachter gibt Einblick in Innenleben der Angeklagten

Von Marion Neumann · 12. Dezember 2023 um 14:40

Im Prozess um den brutalen Überfall auf einen Senioren in Kohlstadt bei Sinzing, bei dem 150000 Euro erbeutet werden sollten, rückt das Ende näher. Doch bevor beim nächsten Verhandlungstermin die Schlussplädoyers gehalten werden sollen, ging es am Dienstag noch um die Biografien sowie die psychische Verfassungen der drei Angeklagten.

Der Forensische Psychiater David Janele, der am fünften Verhandlungstag per Video zugeschaltet war, äußerte sich zu dem mutmaßlichen Drahtzieher, dem mutmaßlichen Haupttäter und zu dem dritten Angeklagten, dem Wohnungseinbruchsdiebstahl vorgeworfen wird.

Der 28 Jahre alten Angeklagte, dem die Staatsanwaltschaft als möglichen Drahtziehers des Überfalls versuchten Mord durch Unterlassen vorgeworfen hatte, attestierte Janele dabei keine Erkrankungen. Als einziger körperlicher Eingriff nannte er eine Haartransplantation in der Türkei. Auch psychisch gebe es bei dem Mann, der im Prozess unter anderem von Anwalt Michael Haizmann vertreten wird, keine Auffälligkeiten.

Liebe zu Autos ist den Angeklagten gemeinsam

„Man kann sagen, dass er über einen ausgeprägten Geschäftssinn verfügt“, so der Gutachter. Womöglich könnte man ihn als „gierig“ nach mehr Erfolg bezeichnen, ergänzte der Facharzt für Psychiatrie noch. Erkennbar sei jedenfalls eine „Affinität für materielle Besitztümer“, sagte er über den Angeklagten mit Vorliebe für Autos.

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Eine „große Liebe zu Autos“ bestätigte der Gutachter anschließend auch in Hinblick auf den ebenfalls 28 Jahre alten zweiten Angeklagten, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorgeworfen hatte und der im Prozess über seinen Verteidiger Peter Hofmann eingeräumt hatte, den Senior betäuben haben zu wollen. Bis auf diese Gemeinsamkeit ähnelten sich die Biografien der Männer allerdings wenig. So leide der zweite Angeklagte bereits seit seiner Kindheit unter Mobbing und hatte es aufgrund einer Lernschwäche schwer, Hauptschule und Lehre abzuschließen. Seine „Intelligenzstruktur“ befinde sich „im Grenzbereich“.

Unterschiedliche Versionen zum Tathergang

Zum Tathergang selbst habe er dem Gutachter leicht unterschiedliche Versionen präsentiert. Immer wieder habe er aber betont, von seinem Mitangeklagten unter Druck gesetzt worden zu sein. „Er hat die Tendenz, sich wo dranzuhängen. Aber er ist auch fokussiert auf Materielles, es geht ihm um Autos und Geld“, so der Psychiater.

In Bezug auf den dritten Angeklagten fiel das Gutachten deutlich kürzer aus. Der Mann und seine Anwältin Prabhlin Sidhu hatten einer Begutachtung vor Ort nicht zugestimmt, so dass es auf der Aktenlage basierte. Psychische Erkrankungen, die für eine Verurteilung relevant sein könnten, seien auch bei ihm auszuschließen.

Der Prozess unter Vorsitz von Richter Thomas Polnik wird am Freitag fortgesetzt.