Stadtwerke-Vorstand Ortner: „Damit müssen wir umgehen – und das können wir auch“

Von Thomas Rieke · 12. Dezember 2023 um 14:41

Was bedeuten die Untersuchungsergebnisse, die der Farbmarkierungsversuch gebracht hat, für die Trinkwasserversorgung? Stadtwerke-Vorstand Johannes Ortner sieht im Gespräch mit der MZ keinen größeren Grund zur Sorge. Man sei für den Ernstfall gewappnet.

Herr Ortner, endlich ist das Ergebnis der hydrogeologischen Untersuchung da. Wieso ließ das Gutachten so lange auf sich warten?

Johannes Ortner: Wir sind einer fachlichen Empfehlung gefolgt, eine Nachbeprobung durchzuführen, um zu sehen, ob sich noch etwas verändert hat. Das Ganze diente also der Qualitätssicherung. Wir wollten gewährleisten, dass unsere Aussagen absolut verlässlich sind.

Nun haben Sie und die Stadt eine Pressemitteilung verteilt. Nach unserer Erinnerung war eigentlich vorgesehen gewesen, das Ergebnis dem Stadtrat zu präsentieren, um eine Diskussion zu ermöglichen. Warum ist das nicht geschehen?

Ortner: Mein Gremium ist nicht der Stadtrat, sondern der Verwaltungsrat. Dem habe ich sehr wohl berichtet. Und mit Bürgermeister Thomas Gesche habe ich mich dann abgestimmt, jetzt eine Erstinformation rauszugeben. Das war mir wichtig. Zum Jahresanfang, wenn die Bürgerversammlungen anstehen, werden wir aber auch die Chance nutzen, das Ganze vor größerem Publikum zu erklären.

Zu dem Interview gehört folgender Haupttext: Test bestätigt: Farbstoffe erreichen Burglengenfelder Trinkwasserbrunnen

Wir könnten uns vorstellen, dass Sie das Untersuchungsergebnis nicht unbedingt zufriedenstellt. Vom Zwicknagelschacht kann zwar angeblich kein Schadstoffeintrag erfolgen, von zwei Sickerbecken beim Naabtalcenter aber schon. In zwei von drei Brunnen wurden Farbstoffe nachgewiesen. Was sagen Sie dazu?

Ortner: Als Trinkwasserversorger erhofft man sich das Ideal, dass es keine Verbindung gäbe. Aber wegen der Karst-Situation war es nicht gerade unwahrscheinlich, dass Einträge nachgewiesen werden können. Damit müssen wir umgehen – und das können wir auch. In vielen Regionen Deutschlands gibt es Vorbilder.

Für uns stellt sich jedoch die Frage: Ist das Untersuchungsergebnis nicht auch der Beweis, dass die Erweiterung des NAC ein Fehler war?

Ortner: Die Frage macht keinen Sinn, da man sich auch damals den geologischen Gegebenheiten vor Ort bewusst war. Der Fund des Schachtes deutete dann auf eine Sonderkonstellation hin, die es abzuklären galt und war Grundlage des Tracer-Versuchs. Hier hat sich gezeigt, dass keine Einträge von dort aus ins Grundwasser erfolgen. Bei den Sickerbecken jedoch war es vermutet worden, was sich nun auch bestätigt hat. Eine weitere Erkenntnis ist, dass wir damit umgehen können.

Vor Monaten hatten Sie uns sinngemäß erklärt, Sie gingen fest davon aus, dass die damals Verantwortlichen vor der Ausweisung des Gewerbegebiets untersucht hätten, ob ein Risiko für das Burglengenfelder Trinkwasser auszuschließen ist oder nicht. Waren Sie zu optimistisch?

Ortner: Diese Frage ist bei den Stadtwerken falsch platziert und wäre an die Stadt zu richten. Die Stadtwerke haben im Ausweisungsverfahren auf die allgemeine Lage im Karst hingewiesen.

Früher oder später wird wieder der Ruf nach neuem Bauland für Gewerbebetriebe zu hören sein. Dürfen wir davon ausgehen, dass dann noch gewissenhafter vorgegangen wird?

Ortner: Natürlich müssen die jetzigen Erkenntnisse bei weiteren Planungen berücksichtigt werden.