Test bestätigt: Farbstoffe erreichen Burglengenfelder Trinkwasserbrunnen

2020 wurde bei Arbeiten im Gewerbegebiet am südöstlichen Randbereich von Burglengenfeld eine Karsthöhle, der Zwicknagelschacht, entdeckt. Um herauszufinden, ob versickerndes Wasser zu den Trinkwasserbrunnen im Raffa gelangt, wurde ein Jahr später ein sogenannter Tracer(Markierungs-)versuch durchgeführt. Jetzt informierten Stadtwerke (SWB) und Stadt über die Ergebnisse.
Laut Pressemitteilung hatten die Untersuchungen bis Sommer 2023 gedauert. Eine wesentlich frühere Information sei also nicht möglich gewesen. Das Resultat der Analysen: Vom Zwicknagelschacht selbst könne kein Schadstoffeintrag ins Grundwasser erfolgen. Von zwei naheliegenden Sickerbecken in den Gewerbegebieten am Naabtalcenter aber schon.
Fließverbindungen haben sich bestätigt
Durch den Markierungsversuch seien Fließverbindungen von den Sickerbecken und dem Zwicknagelschacht zu zwei Trinkwasserbrunnen nachgewiesen worden, heißt es. Der Versuch sei durch das Veldener Sachverständigenbüro für Grundwasser „Anders & Raum“ unter Federführung von Klaus Dieter Raum durchgeführt worden. Im Weiteren wird die Vorgehensweise beschrieben: Gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittelfarbe sei zusammen mit Wasser an bestimmten Stellen in den Untergrund versickert worden. Im Laufe der Zeit sollte sich herausstellen, ob und, falls ja, wann die Farbe zu den Brunnen gelangte. Die eingesetzten Stoffe könnten auch bei sehr starker Verdünnung noch nachgewiesen werden.
Stadt und Stadtwerke haben das lange erwartete Ergebnis des Farbmarkierungsversuchs veröffentlicht. Die MZ konfrontierte SWB-Vorstand Johannes Ortner mit dazu drängenden Fragen. Lesen Sie das Interview: „Damit müssen wir umgehen – und das können wir auch“
Für die Einleitungsstellen seien verschiedene Farben verwendet worden, um das Fließverhalten aus den unterschiedlichen Bereichen genau zuordnen zu können. In den untersuchten Becken ließ man das Niederschlagswasser aus den Gewerbegebieten am Naabtalcenter versickern. Zwischen Mitte Februar 2021 und Sommer 2023 habe man in regelmäßigen Abständen das Grundwasser an den Brunnen und einigen Messstellen in der Umgebung auf die eingegebenen Stoffe hin untersucht. Hierbei hätten die SWB „wertvolle Erkenntnisse über das Fließverhalten von Grundwasserströmen in einem Karstgebiet“ gewonnen, heißt es.
Höchste Konzentration in Brunnen III
Ein Ergebnis des Versuchs ist laut Pressemitteilung, dass die Farbstoffe innerhalb von mehreren Wochen bis Monaten mit dem Grundwasserstrom zu zwei der drei Brunnen transportiert werden. In den beiden nördlichen der drei Brunnen, so wird berichtet, konnten „geringe Mengen der Farbstoffe nachgewiesen werden“, im südlicheren Brunnen sei kein Farbstoff nachweisbar gewesen, heißt es.
Die höchsten Konzentrationen eines bestimmten Markierungsstoffs seien Ende Juli 2021 in Brunnen III gemessen worden, die eines anderen in der zweiten Augusthälfte 2022. Deutlich geringere Maximalkonzentrationen habe der in den Zwicknagelschacht eingespeiste Farbstoff erreicht. Die eingegebenen Stoffe seien in „sehr geringen Konzentrationen“ noch im Sommer 2023 im Brunnenwasser vorhanden gewesen.
Der Zwicknagelschacht ist heute verplombt
Vom Zwicknagelschacht selbst könne auch langfristig kein Schadstoffeintrag erfolgen, „da dort kein Wasser versickert“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Schacht sei verplombt. Die Niederschläge, die in die beiden Sickerbecken eingeleitet würden, würden aber aufgrund der karsttypischen Gegebenheiten auf dem Weg durch das Gestein zum Grundwasser nicht gereinigt.
Um langfristig eine potenzielle Anreicherung mit Schadstoffen aus dem Bereich der Gewerbegebiete über die Sickerbecken zu verhindern, hätten die Stadtwerke, so wird betont, schon in der Vergangenheit „entsprechend der gesetzlichen Vorschriften für Karstgebiete“ stets auf eine Vorreinigung der Niederschläge geachtet.
Aufgrund der langen Fließzeit, die nun durch den Markierungsversuch bestätigt worden sei, verfüge man überdies im Falle eines größeren Schadstoffeintrags, etwa durch einen Unfall, über ausreichend Reaktionszeit. Das mache die bestehende Lage „gut beherrschbar“. Zum Beispiel könne die Aktivkohlefilteranlage (Polizeifilter) in Betrieb genommen werden.
„Richtig und vorausschauend“ gehandelt
Die Errichtung dieser Anlage, die (MZ berichtete) nicht unumstritten war, stelle sich gerade vor diesem Hintergrund als „richtige und vorausschauende Entscheidung dar“, heißt es in der Mitteilung. Sie versetze die SWB als Trinkwasserversorger in die Lage, eben nicht nur vorsorgend, sondern bei Bedarf mit geeigneten Schutzmaßnahmen zu reagieren.
