Bayerwald: Kommt nach der Freude über den Schnee nun das Wasser aus den Bergen?

Von Stefan Weber · 11. Dezember 2023 um 19:00

Der Schnee im Tal ließ so manchen in den vergangenen Tagen nicht nur von weißen Weihnachten träumen, auf den Bergen bescherte er den Wintersportlern auch einen so frühen Saison-Auftakt wie sei vielen Jahren nicht mehr. Bringt das aktuelle Tauwetter jetzt gleich die negativen Folgen auf dem Fuß?

Immerhin sind die Nachrichten seit dem Wochenende voll mit den Warnungen über Hochwasser auch in den Berg-Regionen in Oberbayern – und wie ein Blick in die Webcams der Skigebiete der Region zeigt, haben auch hier einige Pisten (wenn auch nicht alle) schon wieder an den Schneemassen der vergangenen Wochen eingebüßt.

Warnung vor Tauwetter

Tatsache ist, dass der Pegel des Weißen Regens etwa am Pegelhaus am Roten Steg in Bad Kötzting unweit des Kurparks in den vergangenen Tagen gestiegen ist, und zwar von 50 auf 90 Zentimeter. Am Sonntag hatte der Wasserstand auch schon kurzzeitig über 100 Zentimeter gelegen.

„Zunächst führte das Tauwetter und die wiederholten Regenfälle in den Gebieten mit den gering mächtigen Schneedecken zu leichten Ausuferungen und Überflutungen in Meldestufe 1 bis 2, vereinzelt wird auch die 3 knapp überschritten. Die Hochwasserlage wird sich räumlich ausdehnen“, heißt es im Bericht des Hochwassernachrichtendienst Bayern, der vom Bayerischen Umweltamt herausgegeben wird, am Sonntag. Einzelne Pegel weiterer Einzugsgebiete zeigten leichte Ausuferungen in Meldestufe 1, etwa in Furth im Wald, „im Bayer. Wald zeigen die Wasserstände eine steigende Tendenz“.

Schnee auf Bergen bleibt

Noch bis Mittwoch rechne der Wetterdienst mit steigenden Temperaturen und Regenfällen, die „Schneefallgrenze liegt zwischen 1500 m im Osten und 2000 m im Westen“ – womit selbst der Große Arber dann mit Regen zu rechnen habe.

Das hört sich erst einmal gar nicht so gut an, wird von Seiten des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) in Regensburg aber relativiert: „Prinzipiell liegt in den Hochlagen des Bayerischen Waldes immer noch Schnee“, sagt Holger Ott vom WWA auf Nachfrage unserer Zeitung. Verteilt auf mehrere Tage werde ein Regen- Niederschlag von 20 Millimetern erwartet, was die Pegelstände zwar auf einem „langgezogenen Hochwasserscheitel“ halten, die Meldestufen dadurch in der Region aber wohl gar nicht erreicht würden. Das gelte – Stand Montagnachmittag – selbst für die Gemeinde Lohberg am Fuße des Großen Arbers.

Eine Einschätzung, die auch die gemeldeten Schnee-Stände in den Bergen bestätigen. Während in den Ortschaften die weiße Pracht zwar zwischenzeitlich zu großen Teilen wieder verschwunden ist, hält sich die Schneedecke in den Bergen nach wie vor.

Dass im Dezember die Pegel der Flüsse zwischen den Meldestufen 1 und 2 hin- und herschwankten, sei darüber hinaus nicht ungewöhnlich, sagt Ott. Er erinnert an das vergangene Jahr, als es rund um Weihnachten eine ähnliche Situation gegeben hatte, die sich durch hereinziehende Kälte im Januar wieder beruhigt hatte. „Vielleicht ist das ja dieses Jahr schon das vorgezogene ,Weihnachtshochwasser‘“, sagt Ott. Für Beunruhigung sorge die aktuelle Situation jedenfalls noch nicht, außerdem sei das WWA immer auch darauf bedacht, nicht unnötig für Unruhe zu sorgen in der Bevölkerung. Auch wenn es Teile Bayerns gebe, in denen Hochwasser aktuell ein Thema sei, so gelte das nicht für den Landkreis Cham, wie auch ein Blick in die Karten des Amtes zeigt: Der Landkreis Cham wie auch der Nachbar-Landkreis sind am Montag als eine der wenigen Kreise im Freistaat als aktuell unbedenklich gekennzeichnet.

Weiter entspannen dürfte sich die Lage generell dann wieder ab Donnerstag: Wenn sich die Wettervorhersagen nicht völlig täuschen, dann zieht ab Donnerstag wieder kalte Luft und mit ihm der Schnee wieder zurück in die Region – sicher in den Bergen, und vielleicht sogar bis in die Orte im Tal.

Die Meldestufen

Meldebeginn: 150 Zentimeter

Meldestufe 1: 150,00 Zentimeter

Meldestufe 2:170,00 Zentimeter

Meldestufe 3: 240,00 Zentimeter

Meldestufe 4:310,00 Zentimeter

Stand Montag: 90 bis 95 Zentimeter

Wasserstand historisch: Auch Extreme Stände für die einzelnen Messpunkte in den vergangenen Jahren weißt der Hochwasserdienst auf seiner Internetseite aus. Die Extremwerte für Wasserstand in Bad Kötzting waren: 234 Zentimeter am 21. Juli 2011, 231 Zentimeter am 2. Juli 2013 und 221 Zentimeter am 3. Juli 2010.

Abfluss historisch: Was auffällt: Bei den extremen Wasserständen findet sich das Hochwasser vom 13. August 2002 nicht; Die letzte große Überschwemmung im Stadtgebiet ist unter dem Punkt Extremwerte Abfluss zu finden: 156 Kubikmeter Wasser pro Sekunden gab es an diesem Tag – der zweithöchste Werte wurde 1954 mit 120 Kubikmetern Wasser pro Sekunde gemessen.

Auf der Website hnd.bayern.de/pegel können diese Daten eingesehen werden.