Freud und Leid nah beisammen: Familie Irrgang muss drei Fohlen mit der Flasche aufziehen

Dass Freud und Leid nahe beisammen liegen, diese Erfahrung haben Melanie und Matthias Irrgang in ihrem Stall in Engelshütt heuer in dreifacher Hinsicht gemacht. Die Freude war zuerst groß, als ihre selbst gezogene Staatsprämienstute Chocolate Chip Ende April ein gesundes Fohlen zur Welt brachte. Bereits zwei Tage später war klar, dass mit der wertvollen Mutterstute etwas nicht stimmte.
„Zuerst haben wir an eine Kolik gedacht“, so erzählt Melanie. Als Tierärztin Silvia Mangold jedoch die Einlieferung in die Tierklinik empfahl, wurde dort schnell klar, dass die Stute aufgrund der Geburt eine innere Verletzung hatte. Operation und Behandlung wären nicht aussichtsreich gewesen, und das Tier musste erlöst werden.
Mutterstute erkrankte
Bereits zwei Wochen vorher hatte im eigenen Stall Stute Bonita ihr Fohlen Rita Sport MM“ zur Welt gebracht. Es wurde also versucht, ihr das kleine Waisenfohlen Chocolate Chip White MM zum eigenen Fohlen dazuzugeben. Was bei Pferden keineswegs selbstverständlich ist, gelang hier auf Anhieb. Bonita nahm sich der Kleinen an und ließ diese sofort trinken.
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Doch die Freude über die geglückte Zusammenführung währte nicht lang, weil die Mutterstute noch am selben Tag an einer Kolik, also schmerzhaften Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, erkrankte, die bei Pferden schnell tödlich enden kann.
Letztendlich war das bei Bonita tatsächlich der Fall, auch sie musste in der Klinik erlöst werden. Die beiden Waisenfohlen waren zu Hause verblieben und mussten per Hand gefüttert werden. Zuerst dachten die Irrgangs schon daran, wieder Ammenstuten zu suchen, aber die beiden kleinen Pferdemädchen hatten sich schon so zusammengewöhnt, dass sie sie nicht mehr trennen wollten.
Anfangs mussten sie alle halbe Stunde mit Ersatzmilch gefüttert werden, nach einigen Tagen spielte es sich auf alle zwei Stunden ein, und das Tag und Nacht. Das hatte zur Folge, dass die Irrgangs im Sprinter neben dem Stall nächtigen mussten, denn ein Hin- und Herfahren zwischen ihrer zwölf Kilometer entfernten Wohnung in Rimbach und dem Stall wäre unrentabel gewesen.
Das Nächtigen am Stall kannten sie schon, denn bei der Geburt ihrer Pferde sind sie immer direkt dabei. „Wir haben zwar überall Kameras in-stalliert, aber im Notfall wären wir nicht schnell genug“, erklärt Matthias.
Die Milchgabe bei den Fohlen hatte sich bald eingespielt, als das Ehepaar die nächste Hiobsbotschaft traf. Die dritte Warmblutstute Cupcake Queen erkrankte Mitte Juni an einer Kolik, innerhalb kürzester Zeit konnte sie sich nicht mehr auf den Beinen halten, musste erlöst werden und hinterließ mit ihrem drei Monate alten Stutfohlen Cocktail MM die dritte Waise im Stall.
So mussten nun drei Fohlen per Hand versorgt werden. Das Füttern der Milch war ohnehin nur aus der Schüssel möglich, denn mit einer Flasche hätte es viel zu lange gedauert. Hatten doch die Irrgangs neben ihren Ziehkindern noch ständig acht bis neun Jungpferde fremder Leute zur Ausbildung auf dem Hof, die geritten oder gefahren werden mussten.
„Das war eine logistische Meisterleistung, das mit der regelmäßigen Fohlenfütterung zeitlich hinzubekommen“, erinnert sich die gelernte Pferdewirtin.
Hohe Kosten entstanden
Anfangs war die kleine Chocolate Chip ein Sorgenkind, sie hatte ständig Durchfall. In einer Münchner Klinik wurden aber keine Erkrankungen festgestellt. Zum Verlust der Mutterstuten, was ja auch erhebliche finanzielle Eimbußen bedeutete, kamen hohe Tierarzt- und Klinikkosten hinzu. Was darüber hinaus aber auch enorm ins Geld ging, war die Ersatzmilch, die innerhalb von vier Tagen aufgebraucht war und pro Sack mit 100 Euro zu Buche schlug.
Umso glücklicher ist das Ehepaar, dass alle drei Fohlen jetzt gesund und munter sind und mittlerweile auch keine Milch mehr benötigen. Jetzt hoffen die Irrgangs, dass sie zumindest bei der Aufzucht mehr Glück haben und die kleinen Pferdedamen zu stattlichen Stuten heranwachsen können.

