Mordprozess um Tod einer Seniorin: Angeklagter will Schweigen brechen

Ein Stich ins Herz beendete ihr Leben: Das Landgericht Regensburg beschäftigt sich derzeit mit dem Tod einer 79-Jährigen, die Mitte März dieses Jahres durch die Hand ihres langjährigen Untermieters (53) gestorben sein soll. Am zweiten Tag schilderten Polizisten, die damals am Tatort waren, ihre Eindrücke.
Ein Beamter berichtete, dass er gemeinsam mit einem Kollegen ausgerückt sei, und auf dem Weg in die Brunhild-straße über Funk gehört habe, dass ein Mann nach einer Messerstecherei das Haus verlassen habe. Daraufhin habe man das Martinshorn ausgeschaltet, „um ihn nicht zu verjagen“, so der Beamte.
In der Brunhildstraße trafen die Beamten auf einen heute 53-Jährigen, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, seine Vermieterin ermordet zu haben. Zudem soll der Mann die Enkelin der Frau schwer verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe als erfüllt an.
So lief der Einsatz
Die Polizisten hätten ihre Waffen gezogen und den Mann aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Das tat der Mann. Die Beamten fesselten ihn. Der Polizist schilderte vor Gericht, dass sie den Angeklagten im Anschluss „spurensicher verpackt“ hätten, er bekam unter anderem Tüten über die Hände. Auf dem Weg in die Polizeiinspektion habe der Mann ein wenig vor sich hin geredet, berichtete der Beamte. Unter anderem soll er „Ich habe es getan“ und „Ich glaube, ich habe Scheiße gebaut“ gesagt haben. Auf der Dienststelle sei er umgänglich gewesen.
Allerdings habe der Alkoholtest einen relativ hohen Wert ergeben. Rund zwei Promille habe der Mann im Blut gehabt, das sei ihm allerdings nicht anzumerken gewesen. „Da machen uns Andere ganz andere Probleme.“ Auch in der Polizeiinspektion habe er weiter geredet, vom „größten Fehler seines Lebens“ gesprochen. Auf Nachfrage von Verteidigerin Stephanie Bauer, ob sich ihr Mandant damals zu einem möglichen Motiv geäußert habe, verneinte der Beamte.
Ein anderer Polizist, der ebenfalls als einer der ersten am Tatort war, berichtete im Zeugenstand davon, wie er das Haus betrat und aus dem ersten Stock Hilferufe hörte. Auf der Treppe habe er erste Blutspuren gesehen. In einem Zimmer sei er dann auf eine junge Frau getroffen, die sagte, dass ihre Oma schwer verletzt sei. Er habe sofort versucht, die Frau zu reanimieren – ohne Erfolg. Später sei er in das zweite Obergeschoss, in dem der Angeklagte rund 20 Jahre gelebt hat, gegangen. Dort habe er ein Waschbecken voller Blut gesehen. „Die mutmaßliche Tatwaffe lag auf der Matratze.“ An dem Messer haftete noch ein wenig Blut, sagte der Beamte.
Ein Kollege des Polizisten berichtete im Zeugenstand, wie er die Enkelin des Opfers vorfand. „Sie war voller Blut.“ Er habe mit ihr gesprochen, bis der Rettungsdienst eintraf, den ein Kollege von ihm zuvor gerufen hatte.
Die Sanitäter brachten die junge Frau in ein Krankenhaus, auch die Ärztin, die sie behandelte, sagte gestern aus. Demnach habe die Frau sofort operiert werden müssen. Die Mediziner stellten mehrere Wunden am Oberkörper fest, die zum Teil zu Einblutungen in die Lunge geführt hätten. Zudem habe die Frau einen tiefen Schnitt am Daumen gehabt, sagte die Medizinerin im Zeugenstand. Die Patientin habe nach der Operation eine Nacht auf der Intensivstation verbringen müssen, konnte allerdings danach auf eine normale Station verlegt werden.
So geht es weiter
Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann will das Gericht weitere Ärzte und Polizeibeamte hören. Zudem möchte der Angeklagte sein Schweigen brechen, wie seine Verteidigerin Stephanie Bauer ankündigte.