Dem Braten könnte es in Bad Gögging an den Kragen gehen

Viele Gastronomen haben in diesen Tagen tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Neben Kostensteigerungen in vielen Bereichen wird die Mehrwertsteuer auf Speisen im neuen Jahr wieder von 7 auf 19 Prozent erhöht. Das könnte dem Schweinebraten in Bad Gögging den Garaus machen.
In den Augen von Margit Zettl-Feldmann, Vorsitzende des Tourismusverbandes in Bad Gögging, ist jetzt Einfallsreichtum gefragt. Noch hofft die Betreiberin von Restaurant und Hotel Eisvogel, dass der Kelch an ihrer Branche vorübergehen möge. Speziell in Bad Gögging mit seinem klaren Schwerpunkt auf Gastronomie und Tourismus sorgt man sich, dass Gäste fernbleiben.
Letztendlich sei die Sache auch unfair, wie Zettl-Feldmann betont. Jeder Metzger, der Leberkäs-Semmeln zum Mitnehmen anbiete, dürfe dafür den geringeren Mehrwertsteuersatz anrechnen. Wenn sie Essen zum mit nach Hause Nehmen anbiete, sei das genau so. Das ist eben eine Folge des komplexen Steuerrechts in Deutschland.
In Bad Gögging bleiben Geheimnisse
Sicherlich sei das zu überlegen – allerdings sähe Zettl-Feldmann auch dann keine andere Möglichkeit, als Preise zu erhöhen. So wird die Maut für Lastwagen deutlich teuerer, was ihre Lieferanten sicherlich auch weitergeben werden.
Man müsse sich etwas einfallen lassen. Zettl-Feldmann verrät, dass sie sich längst Gedanken gemacht habe, ohne Details verraten zu wollen. Die Konkurrenz solle nicht zu viel erfahren. Letztendlich gehe es für die Gastronomen wohl nur über die Speisekarte. Es sei fraglich, ob es noch Sinn mache, besonders teuere Gerichte anzubieten.
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Da falle dann rasch der Blick auf Fleisch. Das sei der teuerste Rohstoff für einen Gastronomen. Es wäre also in ihren Augen keine Überraschung, wenn künftig mehr vegetarische oder vegane Gerichte auf den Speisekarten auftauchen. Da wird sich so mancher Stammgast umstellen müssen. Vor allem in der typisch bayerischen Küche spielt Veganes ja kaum eine Rolle.
Zettl-Feldmann befürchtet, dass Bioprodukte und regionale Waren an Bedeutung verlieren werden. Denn die seien ja eher im höheren Preissegment angesiedelt. Melanie Huber vom Cafe Fortuna ist allerdings der Meinung, dass es ohne diese Produkte bei ihr kaum gehen wird. Ihre Gäste würden wohl auf Regionalität bestehen, wie sie es einschätzt.
Alles wurde auf links gedreht
Sie will jetzt erst einmal im ersten Quartal 2024 auf Preiserhöhungen verzichten. Danach würde man neu kalkulieren. Allerdings habe sie wenig Hoffnung, etwas zu finden, bei dem man noch sparen könne. Denn schon während Corona habe man alles auf links gedreht.
Die Qualität nach unten zu schrauben ist auch für Pauline Haunschild vom Hotelgasthof Zur Sonne keine Option. In ihrem Betrieb werde es ebenso auf Sicht keine Preiserhöhungen geben. Man wolle versuchen, mit Mehrarbeit die Situation abzupuffern. Konkret heißt das: Wenn Lücken auftreten, etwa wegen längerer Krankheiten im Personal, gäbe es keine Neueinstellungen. Dann müsse man eben zusammenhalten.
Ausgedehnte Öffnungszeiten helfen nichts
Mit ausgedehnten Öffnungszeiten sei in Zettl-Feldmanns Augen dagegen wenig gegen die steigenden Kosten auszurichten. Sie glaube nicht, dass das mehr Gäste bringt. Wer mittags Hunger habe und deswegen ins Restaurant kommt, den könne man ja nicht mit Öffnungszeiten spät abends locken. Und wer mehr Stunden am Tag geöffnet habe, müsse ja auch mit mehr Kosten rechnen – etwa beim Personal. Längere Öffnungszeiten sind in Haunschilds Augen ohnehin keine Lösung, weil man eben eingespielt sei, so wie es jetzt ist.
Von der Politik vor Ort fordert Zettl-Feldmann nichts. Kein Stadt- oder Kreisrat könne etwas gegen die Mehrwertsteuer machen. Wichtig sei, dass man grundsätzlich in seinen Anliegen unterstützt werde. Da gebe es in Neustadt an der Donau nichts zu kritisieren.
Wie auch immer, Haunschild sieht trotz allem nicht negativ in die Zukunft. „Es ist bisher immer gegangen“, stellt sie fest.