Nach Bränden bei Bayernoil Neustadt: Reparaturarbeiten und Ermittlungen dauern an

Nach zwei Bränden im Sommer und Herbst 2023 ist in der Bayernoil-Raffinerie Neustadt (Landkreis Kelheim) nach wie vor die Produktion eingeschränkt. Das bestätigte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage.
Gleich zwei Mal gab es heuer Großalarm in der Neustädter Raffinerie. Am Juli war ein undichter Flansch an einem Gasverdichter-Ventil die Ursache: Dort trat Wasserstoff aus, der sich entzündete, wie Bayernoil-Geschäftsführer Alexander Struck damals erklärte. Die Werksfeuerwehr löschte den Brand mit Wasser. Die Raffinerie wurde damals vorsorglich evakuiert; es kam aber niemand zu Schaden.
Anders beim zweiten Brand am 6. Oktober, der im Bereich einer Destillier-Anlage ausgebrochen war: Damals erlitt ein 56-jähriger Arbeiter schwerste Verletzungen und musste per Rettungshubschrauber in eine Klinik gebracht werden. Neben der Werksfeuerwehr wurden vorsorglich auch die umliegenden Wehren alarmiert. Nach etwa einer dreiviertel Stunde war das Feuer unter Kontrolle; die betroffenen Prozessanlagen wurden „in einen sicheren Zustand überführt“, so das Unternehmen damals.
Schaden in sechsstelliger Höhe?
Die Schäden im betroffenen Raffineriebereich waren offenkundig gravierend. Nach damaliger Schätzung beliefen sie sich auf mehrere Hunderttausend Euro. Ob diese erste Schätzung letztlich über- oder untertroffen wurde, ist offen.
Weder hierzu noch zu den notwendigen Reparaturarbeiten und deren Auswirkungen auf die Produktion in der Raffinerie äußerte sich Britta Heidemann-Schöberl näher. Die Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Bayernoil-Raffineriegesellschaft begründete dies mit der Zuständigkeit der Bayernoil-Gesellschafter. Sie bestätigte allerdings, dass der Produktionsumfang in Neustadt nach wie vor eingeschränkt sei, wenn auch „mit wöchentlich steigendem Umfang“. Nach ihren Angaben ist einer der betroffenen Anlagenteile im Raffineriekomplex bereits repariert; ein weiterer werde noch repariert und soll „zeitnah“ wieder einsatzbereit sein.
Abgesehen von der zeitlichen Nähe gibt es laut Heidemann-Schöberl keinen Zusammenhang zwischen beiden Bränden. Beide Fälle zogen jeweils polizeilich Ermittlungen nach sich. Im ersten Fall sind diese seitens der Polizei beendet, wie Polizeioberkommissar Eric Scheuermann bestätigt: Vom Einsatz im Juli erfolgte seitens der Polizei bereits die abschließende Mitteilung an die Staatsanwaltschaft über den „Brandfall ohne Personenschaden“, so der Sprecher der Polizeiinspektion Kelheim.
Kriminalpolizei Landshut ermittelt noch
Das Feuer im Oktober zog umfangreiche Ermittlungen nach sich, mit denen die Kripo Landshut immer noch befasst ist; ferner sei ein Gutachter vom Landeskriminalamt eingebunden, teilte Kriminalhauptkommissar Günther Tomaschko vom Polizeipräsidium Niederbayern auf Anfrage unserer Zeitung mit.
Bei dem Vorfall mit dem verletzten 56-jährigen Arbeiter könne derzeit „ein Betriebsunfall nicht ausgeschlossen werden“. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass das Feuer absichtlich gelegt wurde oder dass Dritte involviert waren, so Polizeisprecher Tomaschko.
Bis zum Abschluss aller Ermittlungen will man sich seitens der Raffinerie zur Brandursache nicht weiter äußern. Unternehmenssprecherin Britta Heidemann-Schöberl sieht trotz der umfangreichen Reparaturarbeiten keine langfristigen negativen Folgen für die Neustädter Raffinerie und ihren Zwilling in Vohburg: „Bayernoil hat keine Sorge vor der Zukunft“. Auch der Zeitplan für den Einstieg in die Elektrolyse sei durch die Vorfälle nicht betroffen. Wie berichtet, will die Raffinerie ab 2025 ihre bislang erdgas-basierte Wasserstoff-Erzeugung teilweise auf Wasser als Ausgangsstoff umstellen.