Elli Rehm hatte mit starken Depressionen zu kämpfen – Nun will sie anderen Mut machen

Von Martina Groh-Schad · 6. Dezember 2023 um 05:00

Elli Rehm aus Bad Abbach hat immer ein Lächeln im Gesicht und einen flotten Spruch auf den Lippen. Im Kinder-Familien-Haus Kareth in Lappersdorf (Landkreis Regensburg) ist sie oft mit Gitarre anzutreffen und sorgt mit lustigen Liedern für Stimmung. Doch vor 14Jahren erkrankte sie plötzlich an einer Depression.

„Es kam von einem Tag auf den anderen“, erinnert sie sich. Sie hatte Magenschmerzen, konnte nicht mehr essen und fühlte sich körperlich so elend, dass sie nicht mehr aufstehen wollte. „Ich wusste nicht, was mit mir los ist“, erinnert sie sich mit Grauen an diese Zeit. „Ich habe ohne Grund viel geweint.“

Als großes Glück bezeichnet sie ihr persönliches Umfeld. Ihr Hausarzt hatte schnell den Verdacht, dass es sich um eine Depression handeln könnte und überwies sie zu Fachärzten. Ihr Zustand verschlechterte sich stetig, so dass sie auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen war. An arbeiten war nicht mehr zu denken und sie musste sich mehrere Monate krankschreiben lassen. „Ich lag nur noch auf der Couch und habe geweint“, sagt sie.

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Offen darüber sprechen

Obwohl es Sommer war und draußen heiß, lag sie mit Schüttelfrost, eingehüllt in Decken, auf der Couch. Da sie stets verheult aussah, konnte sie ihren Zustand auch nicht verschweigen. „Ich habe von Anfang an offen darüber gesprochen.“ Überrascht erfuhr sie so von viel mehr Menschen, als sie für möglich gehalten hätte, dass sie das Problem selbst kennen. Ihr wird klar, wie wichtig es ist, offen darüber zu sprechen.

Nach einigen Wochen schlagen die verordneten Medikamente an. Langsam geht es Elli Rehm besser. „Ich war in psychologischer Behandlung, um nach einer Ursache zu suchen“, sagt sie. Ein konkreter Auslöser wurde nicht gefunden. „Mir ist nichts Ungewöhnliches geschehen“, erklärt sie. Bei manchen können belastende Lebensereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen Auslöser sein. „Bei mir kam es plötzlich aus dem Nichts, wie wenn jemand den Lichtschalter plötzlich ausschaltet.“ Ihr Stoffwechsel im Gehirn muss aus dem Gleichgewicht geraten sein. Das kann unter anderem auch durch Phasen erhöhter Anstrengung passieren. „Die Gespräche mit Therapeuten taten gut, denn man kann sich ja zunächst nicht erklären, was mit einem los ist“, sagt sie. „Wenn man dann hört, dass es anderen auch schon so gegangen ist, erleichtert das.“

Lebensqualität schaffen

Seither nimmt Elli Rehm Medikamente, die ihren Serotonin-Spiegel im Körper stabil halten. Zweimal in all den Jahren wurde versucht, das Medikament auszuschleichen oder zu reduzieren. „Ich bin sofort wieder in eine schwere Depression gefallen“, sagt sie. Daher habe sie für sich beschlossen, die Medikamente dauerhaft zu nehmen. Seither habe sie nie wieder vergleichbare Phasen des inneren Ungleichgewichts erlebt. „Natürlich kommen immer wieder kleinere depressive Episoden, aber ich kann damit ganz normal umgehen“, sagt Elli Rehm. „Für mich sind die Medikamente Lebensqualität.“

Zur Weihnachtszeit verkauft die Erzieherin seit mehreren Jahren selbst gestaltete Karten. Das Zeichnen gehört zu ihren Hobbys. Den Erlös spendet sie der Deutschen Depressionsliga, die die Erkrankung regelmäßig durch Aktionen und Aufklärung in die Öffentlichkeit trägt. „Es ist mir ein großes Anliegen das zu unterstützen“, sagt Elli Rehm. Noch immer habe sie das Gefühl, dass Erkrankten ein Stempel aufgedrückt werde. Dagegen möchte sie ankämpfen. „Es ist eine Erkrankung, wie jede andere auch und sie kann jeden treffen“, betont sie. „Es ist wichtig, dass Depressionen aus der Tabuzone rauskommen und offen darüber gesprochen wird.“

Was ist eine Depression?

Krankheit: Eine Depression ist eine psychische Erkrankung. Betroffene berichten, dass sie sich antrieblos fühlen, die Stimmung gedämpft ist und sie alles negativ sehen. In schweren Fällen fallen die alltäglichen Aufgaben schwer. Es werden sowohl körperliche Ursachen wie auch belastende Lebensumstände als Auslöser angenommen.

Deutsche Depressionsliga:

Vereine wie die Deutsche Depressionsliga setzen sich dafür ein, die Erkrankung aus der Tabuzone zu holen. Mit dem Verkauf selbst entworfener Weihnachtskarten unterstützt die Lappersdorfer Erzieherin Elli Rehm deren Arbeit. Wer sich für die Karten interessiert, meldet sich per Mail unter elli.rehm@gmx.de.

Das Zeichnen von Weihnachtskarten ist ein Hobby von Elli Rehm.