Von der Arztpraxis in die Werkstatt: Lena Blabmeier ist eine von wenigen Frauen im Schreinerhandwerk

Lena Blabmeiers Weg ist kein geradliniger, aber dennoch ein erfolgreicher. Als Schreinerin ist sie eine von wenigen Frauen, die sich in eine noch immer von Männern dominierte Berufsgruppe gewagt hat. Dass sie später einmal als Schreinerin arbeiten würde, das stand jedoch keinesfalls von Anfang an fest.
Nach dem Abschluss an der Gerhardinger Realschule in Cham ist Lena Blabmeier mit der Berufswahl zunächst überfordert. Die Berufswünsche ihre Schulkameradinnen bewegen sich alle innerhalb des gewohnten Rasters: Bürokauffrau, Erzieherin oder Arzthelferin. Letzteres wird es kurzerhand auch bei der zu diesem Zeitpunkt 16-Jährigen.
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Noch während der Ausbildung merkt sie, dass sie diesen Beruf nicht für immer machen möchte. „Ich war einfach nicht ausgelastet“, sagt sie. Täglich derselbe Ablauf, nörgelnde Patienten und Bürokratie lassen in ihr die Idee reifen, sich neu zu erfinden. Dennoch schließt sie die Ausbildung ab, arbeitet weitere drei Jahre sogar in einer anderen Praxis weiter. Die Suche nach der beruflichen Erfüllung bleibt jedoch.
2021 bringt die Corona-Pandemie den entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben. Durch den Virus lernt sie weitere Schattenseiten in dem Beruf kennen. Parallel zur Unzufriedenheit der Patienten wächst auch die von Blabmeier.
Unzufriedenheit im Beruf
Als sie dann durch einen Bekannten die Möglichkeit bekommt, ein Praktikum in einer Schreinerei zu machen, lässt sie sich darauf ein. Nach sechs Jahren Unzufriedenheit im Berufsleben steht für die junge Frau sofort fest: „Das ist es“. Mit dem Küchenhaus Hornik in Zell, findet sie einen Betrieb, der sie als Quereinsteigerin ausbildet.
Neben den Anforderungen im Betrieb und in der Berufsschule muss Lena Blabmeier fortan lernen, sich in einem Berufsfeld zurechtzufinden, das noch immer von Männern dominiert ist. Zwar seien in ihrem Ausbildungsbetrieb noch weitere Schreinerinnen beschäftigt, dennoch könne man diese an einer Hand abzählen. „In der Werkstatt bin ich momentan die einzige Frau“, erzählt sie.
Dadurch habe sie gelernt, Männern auch einmal Kontra zu geben. „Man darf auf jeden Fall nicht zu zart besaitet sein“, ist sie überzeugt. Insgesamt werde man als Frau in diesem Beruf aber durchaus akzeptiert. Trotzdem: „Man muss sich als Frau definitiv behaupten“, sagt die 25-Jährige.
Bei ihr habe das seine Zeit gedauert. „Anfangs war ich noch sehr zurückhaltend den Kollegen gegenüber“, gibt sie zu. Erst nach und nach habe sie gelernt, trotz des oftmals rauen Tons in der Werkstatt oder auf der Baustelle, selbstsicher zu reagieren.
Trotz so mancher zwischenmenschlicher Barrieren werde man von den männlichen Kollegen jederzeit unterstützt, etwa wenn es etwas Schweres zu heben gibt. Allerdings haben sich die Arbeitsbedingungen auch im Schreinerhandwerk durch die Technisierung ohnehin stark verändert, so dass körperliche Überanstrengung gar nicht mehr so sehr gefordert werde. In jedem Fall passe sich der Körper den Arbeitsbedingungen an. „Mittlerweile habe ich schon einiges an Muskeln aufgebaut“, erzählt sie und lacht dabei.
Positiver Zuspruch
Jungen Mädchen, die auch mit dem Gedanken spielen, Schreinerin zu werden, spricht die Schorndorferin Mut zu. „Man muss das machen, was einen glücklich macht“, sagt sie. Außerdem schade der weibliche Einfluss dem Schreinerhandwerk nicht. Viele Frauen haben eine kreative Ader oder eine Vorliebe für filigrane Arbeiten. Gleichzeitig müsse man sich bewusst sein, dass man sich durchaus die Hände schmutzig machen muss. „Eine Prinzessin darf man definitiv nicht sein“, ist die junge Frau überzeugt.
Sie selbst habe ihre Entscheidung jedenfalls nie bereut. Auch in ihrem Umfeld habe sie nur bestärkende Rückmeldungen auf ihren Entschluss zum beruflichen Neuanfang erhalten. Auch wenn ihre Eltern anfangs leichte Bedenken hatten, ob sich der berufliche Komplettwechsel ohne weiteres finanziell stemmen lasse, haben sie ihre Tochter während der Ausbildung unterstützt. „Ohne die Hilfe meiner Eltern wäre es nicht gegangen“, ist sich die 25-Jährige rückblickend sicher.
Umso stolzer ist Lena Blabmeier über ihren kürzlich erreichten Meilenstein: den Abschluss ihrer Ausbildung. Den Meistertitel zu erwerben, plant sie hingegen nicht, zumindest nicht in näherer Zukunft. Eher kann sich die frisch gebackene Gesellin vorstellen, später Antiquitäten zu restaurieren. Das alles sei aber momentan noch Zukunftsmusik.
Ob sie glaubt den Beruf bis zum Renteneintritt auszuüben? „Wenn mein Körper bis dahin durchhält“, sagt sie. Falls nicht, spiele sie auch mit dem Gedanken, irgendwann in die Planung zu wechseln. Die Arbeit am Schreibtisch ist ihr immerhin aus ihrer Zeit in der Arztpraxis geläufig.