Cham gewinnt das Baustellen-Rennen gegen den Winter: Rathaus gegen Frost – Endstand 1:0

Die Stadt hat auf den Baustellen innerhalb ihrer Grenzen das Rennen gegen den Frost gewonnen und freute sich am Montag entsprechend öffentlichkeitswirksam. Auf einer Baustelle hat sie verloren. Dass sie sich darüber klammheimlich freut, würde sie aber nie zugeben.
Am Donnerstag hat die Baufirma Wutz in der Klosterstraße asphaltiert. Bauingenieur Bernhard Preischl kommentierte das gut gelaunt mit : „Den Seinen gibt’s der Herr...“ Wobei klargestellt werden muss, dass mit „im Schlafe“ da eher nichts gewonnen wurde.
Zentral, dringend, fordernd
Denn die Baustelle beschreibt Bürgermeister Martin Stoiber zurecht als herausfordernd, zentral und dringend. Schließlich so Stoiber, habe sich herausgestellt, dass der Zusammenbruch des Kanals inzwischen nicht mehr auszuschließen war.
Der Kanal war schon so alt, dass er am Ende mit Teilen der ehemaligen Gerhardinger-Realschule überbaut worden war. Im Ernstfall wäre man nicht einmal mehr an die Rohre herangekommen. Nun wurde der Kanal umgeleitet und die verbliebenen Teile dienen nur noch der Entwässerung der Schule.
Der zentrale Verlauf der Trasse in Richtung Biertor und deren komplette Erneuerung gemeinsam mit den Stadtwerken bei laufendem Schulbetrieb erforderte viel Fingerspitzengefühl. Umso größer war die Freude bei allen Beteiligten, weil es kaum Beschwerden bei den Anliegern gegeben habe. „Wir haben immer versucht, alles breit zu kommunizieren und das war offensichtlich erfolgreich“, so Bürgermeister Stoiber. Letztlich schaffte es die Stadt im allerletzten Moment den Deckel auf die Baumaßnahme zu bringen und zu asphaltieren, bevor Tags darauf der Frost kam.
Mit derart viel Winter hatte man nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht unbedingt gerechnet. So erwischte es auch den Hochbau. Ganz oben auf dem neuen Seniorenheim St. Michael fehlt eigentlich nur noch die letzte Betondecke. Bei minus 13 Grad drehte sich am Montagmorgen Baustelle an der Ludwigstraße. Denn auch dort versucht man, dem Winter noch schnell ein Schnippchen zu schlagen.
Der Haken an der Sache: Man kann derzeit nur alles für den letzten Akt vorbereiten, weil man für das Betonieren eine Mindesttemperatur von plus sechs Grad bräuchte. „Nächste Woche wird es milder“, hofft der Bürgermeister.
Stille Freude am Kreisel
Verloren ist die Schlacht am Janahofer Kreisel. Die Stadt würde niemals zugeben, dass darüber klammheimlich Freude herrscht. Es war nämlich im Vorfeld nicht gelungen, das Staatliche Bauamt in Regensburg von mehreren anderen Möglichkeiten zu überzeugen, die das Rathaus vorgeschlagen hatte. Das Motto: Alles, nur keine Totalsperrung in der Vorweihnachtszeit. Doch genau darauf sollte es nach dem Willen der Regensburger Straßenbauer hinauslaufen. Der Kreisel sollte bei Vollsperrung fertiggebaut werden. Das hätte bis Mitte Dezember die Hauptschlagader lahm gelegt. – Entsetzen in der Geschäftswelt.
Nun hat der Frost diese Ambitionen eingefroren und dem Straßenbauamt Mehrausgaben beschert, weil die Baustelle im Frühjahr neu eingerichtet werden muss. Der Verkehr wird also weiterhin an einer Baustelle vorbeirollen – ohne Vollsperrung. Des einen Leid, des anderen Vorweihnachtsfreud. Wie sagte Bauingenieur Preischl: Den seinen gibt‘s der Herr...
