Sie radeln und laufen dem Krebs davon

Von Anika Ferko · 3. Dezember 2023 um 15:13

Mehr als 30 Patienten nutzen das Angebot von LeoSport am Uniklinikum Regensburg. Eine Leukämie-Patientin erzählt, wie der Sport ihr wieder neue Kraft gab. Am 7. Dezember findet ein Schnuppertag statt.

Doris Schuderer sitzt auf einem der drei Fahrräder: Bei dieser Übung ist ihre Ausdauer gefragt. „Die habe ich aber gar nicht“, scherzt die 55-Jährige und tritt fleißig in die Pedale. „Sehr gut“, lobt Trainer Sebastian Meier und wirft einen Blick in die Runde. Es ist Mittwoch, 18 Uhr. Es riecht nach frischem Holz in der Halle – das Bewegungs- und Sportzentrum LeoSport der Leukämiehilfe Ostbayern wurde erst Ende Juli auf dem Gelände des Uniklinikums Regensburg (UKR) eröffnet.

LeoSport wurde allein durch Spendengelder finanziert – in seiner Größe und Art ist die Anlage weit und breit einzigartig. Dort können Krebspatienten, gleich ob therapiebegleitend, ob vor oder nach der Chemo, Sport treiben. Das Angebot richtet sich dabei an alle Patienten aus der Region. Sie dürfen zusätzlich einen Angehörigen zum wöchentlichen Training mitnehmen.

Ausdauer- und Kraftübungen stehen auf dem Programm

Die Idee der Einrichtung: Sport als zweites Medikament. Grundsätzlich wirke Bewegung präventiv und es habe einen positiven Effekt auf die Psyche, sagt Anna-Maria Thurow, Geschäftsführerin der Leukämiehilfe Ostbayern. Auch könne Sport die Nebenwirkungen von Chemotherapien lindern. Auf 650 Quadratmetern befinden ein Fitness-Studio, eine große Multifunktionshalle und mehrere Therapieräume. Im Fitness-Studio stehen Ausdauer- und Krafttraining auf dem Programm, aber auch die Koordination wird in verschiedenen Angeboten geübt.

Doris Schuderer aus dem Landkreis Regensburg greift zum Handtuch und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Auf zur nächsten Station. Im Jahr 2008 wurde bei ihr eine chronische myeloische Leukämie diagnostiziert – durch eine Transplantation am UKR konnte Schuderer dem Krebs die Stirn bieten. Einmal im Jahr müsse sie jedoch noch zur Kontrolle, erklärt sie und nimmt an der Klimmzug-Maschine Platz. „Spürst du noch genug Widerstand?“, fragt Sebastian Meier und schaut prüfend auf das Display am Gerät. Sie nickt und zieht die Stange herunter. Diese Übung sei besonders anstrengend, gesteht die 55-Jährige. Dennoch sei das Training enorm hilfreich. „Es war eine gute Idee, sich hier anzumelden.“ Sie fühle sich fitter, beweglicher und habe weniger Schmerzen im Rücken. Ihre Schwester begleitet sie häufig, so auch an diesem Abend.

Meier ist Leiter der Abteilung für Physio- und Ergotherapie des UKR und gehört zum kleinen Team des Bewegungszentrums. Immer mittwochs steht er für Fragen im Fitness-Studio parat. Inzwischen seien bereits 32Patienten für den Trainingsraum angemeldet, erklärt er. Die Altersspanne reiche von Jung bis Alt: Das bislang älteste Mitglied sei 89 Jahre. Auf einem Chip wird der individuelle Trainingsplan gespeichert, auch kommen die Patienten damit in das Zentrum, montags bis samstags von 7 bis 21 Uhr. Nur eine Anmeldung per App ist vorab notwendig.

Lesen Sie hier: Leukämiehilfe eröffnet LeoSport

Der Gedankenaustausch mit anderen, das gegenseitige Motivieren und die Kunst, den inneren Schweinehund zu überwinden: All das sei dort in einem geschützten, sicheren Rahmen möglich, erklärt Meier. „Die Personen sehen sich hier nicht als Patienten, sondern als Sportler, die was für ihre Gesundheit tun“, fügt er hinzu.

Höchstens zwölf Personen können gleichzeitig im Fitnessstudio trainieren. Die Übungen an den hochmodernen Geräten erfolgen nach dem Prinzip des Zirkeltrainings. Meier empfiehlt zweimal pro Woche eine Einheit – je nach Gesundheit der Patienten.

Kursangebote reichen von Yoga bis Zumba

Neben dem Fitnessstudio bietet das Team Kurse an. Ob Yoga, Zumba oder Qi Gong: Bis zu acht Teilnehmer können pro Kurs mitmachen. So sei gesichert, dass auf jede Person individuell eingegangen werden kann. Einzige Voraussetzung: Wer mitmachen möchte, muss Mitglied bei der Leukämiehilfe Ostbayern sein, der jährliche Mindestmitgliedsbeitrag liegt bei 25Euro.

Zurück zum Ausdauertraining, dort neigt sich die Übung dem Ende zu: „Luise, wie weit bist du?“, ruft Doris Schuderer ihrer Schwester zu. „Gleich fertig“, schallt es zurück. Dreimal wöchentlich versucht die 55-Jährige zum Sport zu kommen – für heute ist jetzt aber Schluss. Und während sich die Schwestern ihre Handtücher schnappen, loggt sich bereits eine neue Patientin ein.

Der Schnuppertag

Veranstaltung: Der Schnuppertag findet am Donnerstag, 7. Dezember, im Bewegungs- und Sportzentrum LeoSport in der Franz-Josef-Strauß-Allee 15 am Universitätsklinikum Regensburg statt. Das Programm geht von 16 bis 19 Uhr. Die Veranstaltung ist kostenlos.

Programm: Von 16 bis 16.45 Uhr wird der Tanzkurs Lindy Hop vorgestellt. Danach können die Teilnehmer von 17 bis 18 Uhr in eine Zumba-Stunde schnuppern. Es folgen ein Yoga-Kurs von 17 bis 17.45 Uhr und eine Stunde ab 18 Uhr mit dem Titel „Kraftquelle Atem“. Von 16 bis 19 Uhr steht eine Führung durch den Geräteparcours auf dem Plan.

Ob Rutschen, Klettern oder Hangeln: In der Halle ist ein Parkour aufgebaut.