Kunsthandwerker bereichern die Weihnachtsmärkte im Landkreis Neumarkt

Weihnachtsmärkte läuten für viele Menschen die Adventszeit ein. Glühwein und Bratwurst gehören dazu. Aber was wäre etwa der Neumarkter Weihnachtsmarkt ohne Kunsthandwerker? Schneidebretter, Gewürzmühlen, Salatschüsseln: Wie viel Arbeit hinter den Unikaten steckt, verraten zwei Aussteller.
Dass Hobby-Drechsler Christian Röll heuer seine Schüsseln, Schalen, Mühlen und Flaschenöffner aus Holz auf den Weihnachtsmärkten in Neumarkt und Freystadt anbieten kann, ist nicht selbstverständlich. Beinahe hätte er sich nämlich bei einem seiner ersten Drechselversuche verletzt.
Das Drechseleisen verfing sich in einer Vertiefung des rotierenden, metallischen Futters der Drechselbank. Blitzschnell verkeilte sich das Eisen, prallte gegen eine spitze Stahlleiste der Werkbank, die unter der Wucht brach und Röll entgegenflog. Glücklicherweise passierte dem heute 53-Jährigen aus dem Ortsteil Stauf nichts. Dennoch nahm er diesen Schreckmoment zum Anlass, die Grundlagen des Drechseln zu erlernen.
Christian Röll aus Stauf drechselt um die 100 Objekte im Jahr
Mittlerweile drechselt der Schreiner in seiner Werkstatt geschätzt 100 Objekte pro Jahr, sagt er. Ihn fasziniere vor allem, dass man beim Drechseln nie genau wisse, wie das Holz herauskomme.
Besonders gern arbeite Röll mit Holz von Apfel- und Kirschbäumen. Auch Lindenholz eigne sich gut. Je nach Zeit und Laune verarbeitet Röll das Holz zu Müslischalen, Salatschüsseln, Gewürzmühlen oder auch Objektschalen. Die meisten seiner Produkte verkauft er auf Handwerkermärkten – heuer an den ersten beiden Adventswochenenden jeweils von Donnerstag bis Sonntag in Neumarkt und am dritten Adventswochenende bei der Spitalweihnacht in Freystadt.
Gerhard Kirzinger aus Großalfalterbach (Gemeinde Deining) dagegen bietet seine Produkte aus Holz am dritten und vierten Adventswochenende auf dem Weihnachtsmarkt in Neumarkt an – jeweils von Donnerstag bis Sonntag. Am ersten und zweiten Adventswochenende stellt Kirzinger zudem Schneidebretter aus Stirnholz, Kreuze, Vasen, Weihnachtsdekoration und weitere Objekte in Plankstetten aus.
Wie er zu seinem Hobby gekommen ist, kann Kirzinger nicht an einem Erlebnis festmachen. Durch Forstarbeiten sei er den Umgang mit Holz gewohnt. „Seit 40 Jahren spiele ich nun schon mit Holz herum“, sagt Kirzinger.
Gerhard Kirzinger hat seine Werkstatt in Großalfalterbach
Die vergangenen Jahre sei es „bissl extremer“ geworden. Er habe seine Werkstatt aufgerüstet. Mittlerweile finden sich dort unter anderem Kreissäge, Hobelmaschine, CNC-Fräse und Kantenschleifer. Am häufigsten verarbeitet er Stirnholz zu Schneidebrettern. „Das kann bis zu 80 Stunden dauern“, sagt Kirzinger, der ausschließlich „edle Hölzer“ verwende: Ahorn, Eiche, Walnuss, Schwarzkirsche. „Stirnholz zeichnt aus, dass es sehr widerstandsfähig ist. Das ist die Formel 1 unter den Schneidebrettern“, sagt Kirzinger. Die Bretter halten ein Leben lang, verspricht er.
Genau dieses Individuelle schätzt Citymanager Christian Eisner an den Kunsthandwerkern, die auf dem Weihnachtsmarkt in Neumarkt ihre Waren anbieten. „Besucher kaufen gerne hochwertige Einzelprodukte“, sagt Eisner vom Verein Aktives Neumarkt, der den Markt organisiert. Er freut sich, dass die wechselnden Betreiber den Kunsthandwerkermarkt vor dem Münster St. Johannes mit Leben füllen.
Insgesamt circa 20 bis 24Handwerker bieten jeweils von Donnerstag bis Sonntag ihre Produkte an. „Ein Besuch lohnt sich“, sagt Eisner. Vielleicht ist ja auch das ein oder andere Weihnachtsgeschenk dabei.

