„Hype-Produkte“ von TikTok & Co: Das steckt hinter dem Laden Candytraum in Schwandorf

In der Friedrich-Ebert-Straße gibt es einen Leerstand weniger: Nahe dem Wendelinplatz, in den Räumen der früheren Dresdner Bank, hat jetzt der „Candytraum“ eröffnet. Der Süßigkeitenladen setzt vor allem auf den Online-Versand – und auf Influencer. Für die Zukunft hat der Inhaber eine größere Vision.
Vor mehr als einer Woche, am 20. November, hat Onur Gür seinen Laden eröffnet. Doch das Unternehmen gibt es bereits länger: Als Onlineshop hatte Candytraum vor rund zwei Monaten angefangen – im Keller von Gür und seiner Frau Nadine. Dort haben die beiden ihr Lager aufgebaut, um die Bestellungen zu verschicken.
300 Quadratmeter Fläche in Schwandorfs Einkaufsmeile
„Unsere Absicht war schon, zum Online-Versand zusätzlich einen Laden aufzumachen“, sagt Gür, der mit seiner Frau im Schwandorfer Ortsteil Neukirchen lebt. Auch deshalb, weil das Lager in den eigenen vier Wänden bald zu klein wurde. „Es wurde immer mehr und mehr“, sagt er.
Für seinen Laden war die frühere Dresdner Bank, Hausnummer31, gar nicht unbedingt die erste Wahl. Gür hielt die rund 300 Quadratmeter zunächst für zu groß. Doch dem Inhaber war es wichtig, noch vor dem Weihnachtsgeschäft starten zu können. „Dann habe ich eine Orientierung, wie gut es läuft“, sagt Gür.
Bei den anderen Gebäuden, die er im Blick hatte, wäre das nicht möglich gewesen. Also fiel die Wahl auf die einstige Bank. „Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich für dieses Objekt entschieden habe“, so der Inhaber. Der verfügbare Platz sei bereits gut ausgelastet.
Candytraum selbst ist kein klassischer Laden, der Gummibärchen und Schokolade verkauft. Das Geschäftsmodell basiert stark auf den Sozialen Medien – vor allem auf Trends, die sich auf TikTok abspielen. „Das meiste, was wir haben, sind Hype-Produkte“, sagt der Geschäftsinhaber. Dazu gehören beispielsweise Takis oder die aus dem Film „Zombieland“ bekannten Süßigkeiten „Snoballs“ oder „Twinkies“. Die Produkte kommen vor allem aus Europa, Asien und den USA.
Dabei setzt der Schwandorfer gezielt auf die Kooperation mit Influencern, die eine große Zahl von Followern und Fans haben. Sie bewerben die Produkte dann online. Auch Candytraum selbst geht über die Sozialen Medien live, denn die Bestellungen würden sich laut Gür so deutlich erhöhen.
Pläne für weitere Filialen in Amberg und Regensburg
Bisher sei die Resonanz auf den Laden „sehr gut“, sagt der Geschäftsmann, der gebürtig aus dem Norden stammt, aber seit rund 20 Jahren in Schwandorf zu Hause ist. Ursprünglich hat der 37-Jährige einmal Heizungsbauer gelernt sowie als Maschinen- und Anlagenführer gearbeitet. Doch er hat auch Erfahrung mit Sozialen Medien: Vier Jahre habe er Vollzeit über Twitch gestreamt. Dahinter verbirgt sich ein Live-Portal, über das hauptsächlich Videospiele übertragen und von den Zuschauern kommentiert werden können.
Zu den Hype-Produkten, wie er sie nennt, kam Gür vor allem aus eigenem Interesse. „Ich selber wollte die probieren“, sagt er. Immer wieder habe er daher online bestellt. „Es gab aber für mich nie die Möglichkeit, dass ich vor Ort etwas kaufen kann.“ In der Region habe es einfach keine entsprechenden Läden gegeben. Auch deswegen habe er sich gedacht: „Wenn ich einen Onlineshop mache und damit Erfolg habe, dann kann ich das direkt mit dem Laden verbinden.“
Und bei dem einen Laden soll es nicht bleiben. „Ich will ja nicht nur einen Laden, ich will ja aus Candytraum eine Kette machen.“ Sein Plan sei, in Amberg oder Regensburg weitere Läden zu eröffnen. „Wie es dann weitergeht, ob wir drei, vier, fünf Geschäfte außerhalb von Schwandorf aufmachen, das ist noch Zukunftsmusik“. Auch ein Franchise-Modell ist für Gür denkbar. Zudem will der Eigentümer auf Business-to-Business-Kunden setzen – beispielsweise, indem er als Lieferant für 24-Stunden-Automaten fungiert.
Der Standort in Schwandorf solle seine Zentrale bleiben. Ob der Laden läuft, sei dabei gar nicht so entscheidend. Wichtig sei das Lager für die Online-Bestellungen, das er dort eingerichtet habe. Mit anderen Worten: Er will länger als Mieter bleiben. Denn Gür ist überzeugt, dass das Modell „auf jeden Fall was Langfristiges ist“.
In der Friedrich-Ebert-Straße, der Schwandorfer Haupteinkaufsmeile, schließt sich damit ein weiterer langjähriger Leerstand. In der Vergangenheit war auch diskutiert worden, das Tourismusbüro und das Kulturamt in der früheren Bank-Filiale anzusiedeln. Doch letztlich hat die Stadt von den Plänen wieder Abstand genommen.

