Wirtsleute „aus Zufall“: Für die Netters aus Biburg ist das Gasthaus in Siegenburg ein „Glücksgriff“

Nach längerem Leerstand: Die Netters hauchen dem Vereinsheim des TSV Siegenburg neues Leben ein.
Nach einer gewonnenen Partie Tischtennis, einem aufreibenden Fußballspiel oder einfach sonntags zu Mittag, ganz ohne Sport: Das Vereinsheim des TSV Siegenburg, der Sporttreff, steht nicht mehr länger leer. Edeltraud und Andreas Netter hauchen dem ehemals verwaisten Wirtshaus neues Leben ein. Die „Feuertaufe“, die hatten sie schon mit einer Vereinsversammlung und einem sehr gut besuchten ersten Wochenende, in den kommenden Wochen gibt es viel zu tun für das Wirtspaar, denn eine Weihnachtsfeier jagt die nächste. So beenden die beiden Wahl-Biburger das Jahr in einer Weise, die sie eigentlich nicht geplant hatten.
Die Netters sind nicht nur in Biburg mit ihrem Geschäft und ihrem Marktstand, Anderls Schmankerl, bekannt. Seit 2020 betrieben sie ihren Laden mit 85 verschiedenen Käsesorten und anderen Produkten aus der Schweiz und vor allem aus Österreich, aus dem langjährigen zweiten Wohnsitz von Andreas Netter, nach wie vor auch Herzensland der Beiden.
Laden zu, Wirtshaus auf
Der Laden, der eigentlich nur ein „Nebenprodukt“ der Verarbeitungsküche für ihre Marktwaren war, lief vor allem zu Coronazeiten ganz gut. Danach schwächelte es etwas. Auf ausgewählten Märkten sind die Netters nach wie vor vertreten, nur ihren Laden in Biburg, den sperrten sie schließlich zu.
Ein Wirtshaus zu führen, war zumindest nicht der erste Plan. Auf das leere Lokal aufmerksam wurden sie, wie Edeltraud Netter sagt, eher „ganz zufällig“. Offensiv nach einem Wirtshaus gesucht hätten sie nicht, aber eben mal die Augen offen gehalten. „Das hier hat sich quasi über Nach aufgetan“, erzählt Andreas Netter. Er stieß im Internet auf die Anzeige. „Aber als ich es anklickte, stand da schon: Ist reserviert.“ Netter gab nicht so leicht auf, schrieb eine E-Mail an den Verein, dass sie sich gerne melden können, falls der Interessent abspringt. Tags darauf klingelte das Telefon: „Servus, ich bin der Axel“, hieß es, „wenn ihr wollt, könnt ihr es anschauen“. Die Netters ließen sich nicht lange bitten, kamen, sahen, schliefen eine Nacht darüber. Und sagten zu. Am Montag schrieb Andreas Netter die Mail, am Freitag kam die Zusage auch von Seiten des Vorstands. Innerhalb einer Woche wurden sie so unversehens zu Wirtsleuten.
Mit dem Wirtshaus begeben sich die Netters zwar nicht ganz auf Neuland – in Biburg bewirtschafteten sie immerhin schon einen kleinen Biergarten vor ihrem Geschäft mit. Eine Herausforderung wird es trotzdem werden, wie sie zugeben, „aber Herausforderungen nimmt man an und arbeitet sie ab“, sagt Andreas Netter. Immerhin 50 Sitzplätze drinnen, 40 auf der Terrasse und im Biergarten auch noch mal so viele: Da könnte es mitunter voll werden. Alleine können sie das freilich nicht stemmen, also suchten die Netters nach Personal. Und auch da spielte ihnen das Glück in die Hände. Die Frage, ob es schwierig war, Personal zu finden, beantwortet Andreas Netter mit einem „nein“.
Glück beim Personal
„Es muss auch Glückskinder geben, und da gehören wir wohl dazu“, sagt Netter, der seit über 25 Jahren selbstständig ist. Edeltraud Netter ist Hauswirtschaftsmeisterin, arbeitete 16 Jahre in einem Alten- und Pflegewohnheim als Hauswirtschaftsleiterin.
Ihren Marktanhänger, den haben die Netters im Übrigen auch nach Siegenburg mitgenommen. Von hier aus verkaufen sie in ihren Kunden die gewohnten Schmankerl wie Käse, Kasspressknödel, Kaminwurzen oder ihre selbst gemachten Frischkäseaufstriche.
Sporttreff in der Jahnstraße 3:
Öffnungszeiten: Wirtshaus: Dienstag bis Samstag, 17 bis 22 Uhr, Sonntag 10 bis 22 Uhr, durchgehend warme Küche bis 21 Uhr. Verkaufstheke: dienstags, donnerstags und freitags, 14 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung. Der Sporttreff ist erreichbar unter Telefon (09444) 95 48
Speisen: kalte und warme Speisen, Klassiker wie Schnitzel dürfen nicht fehlen. Dazu gibt es aber auch Kas-pressknödel. Die Küche soll regional und saisonal sein, so Netter, bayerisch und mit einem Hauch österreichische Küche.
Eier aus eigener Haltung: 25 Hühner auf ihrem Grundstück liefern die „Rohware“, die sie für ihre Küche brauchen. „Die verwende ich zum Beispiel in Knödeln“, so Netter.
