Warum der Wasserpreis im Stadtgebiet Bad Kötzting erheblich steigen muss

Angekündigt hatte es Bürgermeister Markus Hofmann schon in der Bürgerversammlung vergangene Woche, am Dienstag folgte der Vollzug im Stadtrat: Die Bezugspreise für Wasser steigen, und zwar erheblich.
So erhöhen sich ab dem 1. Januar 2024 die Gebühren für den Verbrauch von einem Kubikmeter Trinkwasser auf 2,72 Euro (netto) oder auf 2,91 Euro (brutto). Wie kommt der Wasserpreis zustande? „Alle vier Jahre sind wir verpflichtet, die Gebühren bei der Wasserversorgung neu zu kalkulieren“, erklärt Bürgermeister Markus Hofmann. Das sei im bayerischen Kommunalabgabegesetz so geregelt.
Nach einer Neukalkulation erlässt die Stadt eine Beitrags- und Gebührensatzung, in der der Wasserpreis geregelt ist. Die Einnahmen aus dem Wasserpreis und die Kosten für die Wasser-Versorgungen müssen sich die Waage halten. Steigen also die Kosten, erhöht sich der Wasserpreis. In den vergangenen vier Jahren sei so ein Defizit in Höhe von rund einer Million Euro entstanden. „Diese Defizite müssen wir dann in den darauf folgenden Jahren von den Bürgern wieder hereinbekommen“, erklärt Hofmann die Steigerung.
Günstiger werden? Das geht!
Aber das gleiche gilt auch umgekehrt. „Wenn ein Überschuss erwirtschaftet wird, muss der auch an die Bürger weitergegeben werden. Wir müssten dann die Gebühren wieder senken“, ergänzt Hofmann – so geschehen etwa im Jahr 2017: Damals war aufgefallen, dass die Stadt Jahre lang zu viel für das Abwasser von seinen Bürgern verlangt hatte und senkte die Gebühr von 1,69 Euro pro Kubikmeter auf 0,56 Euro. Vier Jahre lang galt es so für die Stadt, zu viel verlangtes Geld „zurückzuzahlen“. Das war nach vier Jahren aber auch wieder vorbei: Heute kostet der Kubikmeter Abwasser 1,51 Euro.
Doch warum ist nun ein Defizit von einer Million Euro beim Brauchwasser entstanden? Bürgermeister Hofmann begründet das damit, dass zum einen weniger Wasser verbraucht worden ist. Dadurch steigen die Kosten für das Vorhalten der Wasserversorgung und Einnahmen bleiben aus. „Die gesamten touristischen Einrichtungen wie Hotels und Pensionen hatten keine Gäste und das AQACUR war in der Corona-Zeit geschlossen“, ruft Hofmann in Erinnerung. Aber noch weitere Faktoren kommen hinzu: „Wir hatten zahlreiche Rohrbrüche“, die man ja nicht vorhersehen könne. „Außerdem hat es in den letzten Jahren viele Investitionen im Bereich der Trinkwassergewinnung gegeben“, berichtet der Bürgermeister. So wurden neue Quellen erschlossen, und auch das muss finanziert werden.
Nicht nur das entstandene Defizit muss von den Verbrauchern aufgebracht werden, sondern auch die Kosten, die für die Erhaltung der Wasserversorgung in der Zukunft anfallen. „Da beruht vieles auf Schätzungen“, weiß Hofmann. Es müsse sozusagen die „Glaskugel“ bemüht werden, wie der Wasserverbrauch in der Zukunft aussieht. „Wenn es wieder einen heißen Sommer gibt – das hatten wir ja mal – ist der Verbrauch stark angestiegen.“ Auch wird kalkuliert, wie viel Wasser die Stadt dazukaufen muss. „Das dürfte in der Zukunft nicht mehr so viel wie bisher sein, weil die Stadt ja gute Quellen erschlossen hat, so dass sie weniger Wasser vom Versorger ‚Waldwasser‘ beziehen muss. Die haben im übrigen die Preise auch erhöht“, erläutert Hofmann.
Der Rathauschef nennt noch weitere Gründe für den Anstieg: „Wir haben zudem einen hohen Anstieg der Personalkosten. Man braucht sich nur die aktuellen Tarifverhandlungen anzuschauen.“ Schließlich seien die Energiekosten „explosionsartig gestiegen“, zum Beispiel für die Stromversorgung der Hochbehälter.
Sowohl das aufgelaufene Defizit, als auch die prognostizierten Preissteigerungen für den Unterhalt der Wasserversorgung, müssen nun mit den Einnahmen aus dem Wasserpreis wieder ins Gleichgewicht gerückt werden. So erklärt sich die Preissteigerung der Gebühren für den Wasserverbrauch von bisher 1,74 Euro (netto) beziehungsweise 1,86 Euro (brutto) auf 2,74 Euro (netto) beziehungsweise 2,91 Euro (brutto) je Kubikmeter Wasser.
Wasser mehr schätzen
Auch die Grundgebühr wird steigen. Sie ist davon abhängig, welcher Wasserzähler installiert worden ist, begründet Hofmann die Unterschiede. So steigt bei einem Standardwasserzähler mit fünf Kubikmeter Wasserdurchfluss pro Stunde – das gilt für die meisten Hausanschlüsse – der Preis von 29 Euro pro Jahr auf 58 Euro (netto). Bei einem Wasseranschluss von über 30 Kubikmeter Wasserdurchfluss steigt die Grundgebühr pro Jahr von 604 Euro (netto) auf 1208 Euro (netto).
Nicht erhöht werden die Herstellungsbeiträge, also bei einer erstmaligen Erschließung für einen Neubau. Die liegen nach wie vor bei 0,71 Euro (netto) pro Quadratmeter Grundstücksfläche und bei 1,88 Euro (netto) pro Quadratmeter Geschossfläche.
Bürgermeister Hofmann wirbt um Verständnis für die Erhöhung des Wasserpreises: „Wasser ist unser höchstes Gut, und wir sollten es viel mehr schätzen. Für 2,91 Euro erhalte man bestes, frisches Wasser in Trinkwasserqualität. Wenn man das mit dem Preis für einen Liter Trinkwasser im Supermarkt vergleicht, ist das immer noch sehr günstig“, zeigt sich Markus Hofmann überzeugt.
Die Stadt bereichere sich nicht dran, so Stadtrat Robert Riedl (FW). Wie für alle Kommunen, sei es auch in Bad Kötzting eine Verpflichtung, kostendeckend zu kalkulieren. „Es gibt viel zu tun bei 150 Kilometern Wasserleitung“, sagte Carola Höcherl-Neubauer (CSU), dafür werde auch in Zukunft Geld gebraucht. Ludwig Kern (UWG) sagte, dass es viele Ansätze gebe, um die Kosten wieder zu drücken. Er und seine Fraktion würden gemeinsam mit der städtischen Verwaltung darauf hinarbeiten.
Weiter kein Gesundheitshotel
Vorgeschichte: Im Jahr 2020 erwarb die Vivea-Hotelkette mit Sitz in Kufstein das Areal des ehemaligen Kaitersbacher Hofes, der zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahrzehnte lang mehr oder weniger als Bauruine in der Landschaft stand.
Pläne: Ursprünglich hatte Vivea geplant, an dieser Stelle ein Gesundheitshotel mit rund 230 Betten zu errichten, was Millionen gekostet hätte. Pläne, die durch vor allem aufgrund der stark gestiegenen Baupreise und der gestiegenen Zinsen seitdem auf ihre Umsetzung warten lassen.
Entwicklung: Der Bebauungsplan und der Flächennutzungsplan standen trotzdem am Dienstag auf der Tagesordnung des Stadtrates – oder besser: Es sollten die auf den Weg gebrachten Änderungen Abschluss gebracht werden. Damit wäre das Baurecht für dieses Projekt oder ein anderes im Sinne einer touristischen Nutzung gegeben.
Ausblick: Konkrete Pläne liegen der Stadt noch nicht vor – die Stadt würde sogar vermitteln, wenn es Interessenten für das Grundstück gäbe. „Allerdings unter der Maßgabe, dass auch etwas Touristisches entsteht“, sagte Bürgermeister Hofmann. Die Änderungen wurden beschlossen.
