Neumarkter Industriegebiet Dreichlinger Straße „wird immer mehr zum Autoschieber-Viertel“

Von Katrin Böhm · 27. November 2023 um 15:00

Es sind drastische Worte, die ein Neumarkter Handwerker für das Industriegebiet rund um die Dreichlinger Straße findet: „Das Viertel wird immer mehr heruntergewirtschaftet.“ Die Stadt kontert mit großen Plänen.

Gerade rund um die Karl-Spitta-Straße verkomme die Ecke zum „Autoschieber-Viertel“, klagt der Handwerker, der hier seinen Betrieb hat. Ständig würden Autos ohne Kennzeichen hier abgestellt, niemand kümmere sich darum. „Oder es dauert ewig.“ Kritik übt er außerdem an zahlreichen nicht funktionierenden Laternen und der Bepflanzung entlang der Straßen,

Die Unterbringung von Obdachlosen und Geflüchteten und die vielen Spielhöllen würden ebenfalls nicht zur Aufwertung des Gebiets beitragen, der Handwerker spricht vom „Glasscherbenviertel“. „Man fragt sich schon, wo das überhaupt hinführen soll“, sagt der Neumarkter. Freilich sei das Viertel ein Gewerbe- und Industriegebiet, dennoch findet er: „Da muss man schon ein bisschen hinterher sein.“

Dass das Viertel nicht gerade das schönste in Neumarkt ist, dessen ist man sich auch in der Stadt bewusst. Allerdings hat man dort hehre Ziele – das Viertel soll umstrukturiert und zum Technologiepark entwickelt werden. So zumindest steht es im städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK der Stadt.

Spielcenter und Kleinbetriebe im Auge

Für die wirtschaftliche Entwicklung sei eine Weiterentwicklung der traditionellen Gewerbestandorte von großer Bedeutung, heißt es dort. Das setze einerseits die Sicherung der traditionsreichen Produktionsstandorte, andererseits den Umbau auslaufender Standorte voraus. Schwerpunkt dieses Modernisierungsprozesses sei der nördliche Bereich des „Technologieparks“.

Denn auch in der Stadt findet man, dass mit der Ansammlung von Spielcentern und kleinen bis mittleren Gewerbebetrieben das Erscheinungsbild des gesamten Quartiers „nicht der stadträumlichen Bedeutung entspricht“.

Schritt für Schritt zum Technologiepark

Als wichtiger Stadteingang an der Hans-Dehn-Straße und Auftakt zum Technologiepark müsse das Quartier „gestalterisch und vor allem funktional aufgewertet werden“. Vorgesehen ist nach Angaben der Stadt ebenfalls, wichtige Wegeverbindungen aufzuwerten, den alten Kanal einzubinden und neue Erschließungsmöglichkeiten zu prüfen. Auch die Verbindung zwischen dem Technologiepark und dem Berufsschul- und Bildungszentrum ist geplant. Nördlich der Dreichlinger Straße soll ein „hochwertiger öffentlicher Raum“ geschaffen werden.

Dazu sei eine Umstrukturierung in Schritten nötig – einen konkreten Zeitplan gibt es dafür allerdings noch nicht. Für den mittleren Bereich des Technologieparks existieren nach Angaben der Stadt bereits rechtskräftige Bebauungspläne, die neben Vorgaben für die Bebauung auch Grünflächen vorsehen.

Aktuell jedoch hat die Stadt mit dem Viertel selbst noch zu kämpfen – nämlich mit einer „erheblichen Verschmutzung durch menschliche Exkremente“, gerade in den Grünflächen. Dies haben man bereits beim Umweltamt der Stadt beanstandet, teilt die Pressestelle der Stadt mit.

Häufig Kot von Menschen im Gebüsch

Dass Menschen in dem Viertel ihr Geschäft in den Büschen verrichten, führt wiederum dazu, dass die Grünflächen aktuell nur noch an den Rändern bearbeitet werden, um die Verkehrswege freizuhalten. Die Pflege der Pflanzen hat die Stadt nach eigenen Angaben für mehrere Jahre an einen externen Dienstleister vergeben.

Generelle Kritik an der Bepflanzung kann man in der Stadt indes nicht verstehen. Im Jahr 2022 sei in dem Viertel komplett nachgepflanzt, die Pflanzen seien zum Teil auf Stock verjüngt worden, wie es übliche gärtnerische Praxis sei. Allerdings hätten nicht alle frisch gepflanzten Stauden überlebt, nach Ansicht der Stadtgärtnerei bestehe allerdings aktuell kein akuter Handlungsbedarf zum Nachpflanzen.

Zu den defekten Laternen in der Dreichlinger Straße erklärt die Stadt, dass das Straßenbauamt die Reparatur bereits bei den Stadtwerken in Auftrag gegeben habe.

Neumarkter Polizei: „Alles im erträglichen Rahmen“

Zur beklagten Autoproblematik äußert sich die Stadt nicht, die Neumarkter Polizei erklärt auf Nachfrage allerdings, dass sich in dem Gebiet rund um die Dreichlinger Straße „alles im erträglichen Rahmen“ bewegt, insbesondere mit dem Blick auf die Tatsache, dass es sich hier um ein geschäftiges Gewerbe- und Industriegebiet handle.

Natürlich prüfe die Polizei, wenn Verstöße, zum Beispiel unerlaubtes Parken oder unerlaubte Sondernutzung von öffentlichen Straßenflächen mitgeteilt oder festgestellt würden, dies jeweils im Einzelfall. Sofern Handlungsbedarf bestehe, würden Verstöße auch dementsprechend geahndet.

Das sagt die Polizei:

Kriminalität: Eine gesonderte Auffälligkeit, die sich in der polizeilichen Kriminalstatistik widerspiegeln würde, ist nach Angaben der Neumarker Polizei im Gebiet rund um die Dreichlinger Straße nicht zu erkennen. Aufgrund der Prägung als Industriegebiet sowie mit der Ansiedelung von Gemeinschaftsunterkünften für sozial weniger gut gestellte Menschen möge vielleicht manchmal der Eindruck entstehen, dass dort ein gesellschaftlicher Brennpunkt vorhanden sei, heißt es von Seiten der Beamten. In der beklagten Dimension könne die Polizei dies bislang aber nicht bestätigen.

Vorsicht: Die Frage, ob man sich in dem Viertel zu bestimmten Zeiten eher vorsichtig bewegen sollte, verneint die Polizei Neumarkt. „Dazu besteht überhaupt kein Anlass.“ Die persönliche Empfindung unterscheide sich ja oftmals von den objektiven Fakten. „Explizit vorsichtig zu sein, geschweige denn Angst zu haben muss niemand.“ Dies gelte im Übrigen für das gesamte Stadtgebiet.

In dem Gewerbegebiet finden sich mehrere Spielhallen, wie hier diese zwei gegenüber der neuen Edeka. Foto: Katrin Böhm