Zaschkahof in Burglengenfeld: Geschieht doch noch ein Wunder?

Von Thomas Rieke · 23. November 2023 um 19:00

Als 2019 eine Mauer einstürzte, war das wie ein böses Omen für ein ehrgeiziges Projekt: die Sanierung von Immobilien am Zaschkahof-Areal in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf). Eigentlich sollte das Vorhaben längst realisiert sein, doch 2022 hat der Bauträger aus Bad Abbach Zahlungsprobleme angezeigt. Im Oktober wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Gleichwohl soll es einen Silberstreif am Horizont geben.

Wie berichtet, beabsichtigte die Ehwas GmbH auf den Grundrissen der Hausnummern 1 bis 1b vier moderne Eigentumswohnungen zu errichten. Kapitalanleger waren auch schnell gefunden. Doch es waren so tiefe Eingriffe in die mittelalterliche Bausubstanz erforderlich, dass neben einer großen Scheune letztlich nur Mauerreste übriggeblieben sind.

Ein Nachbarschaftsstreit (ausgelöst durch den Mauerfall), eine neue Vermessung und Schwierigkeiten mit dem Landratsamt führten immer wieder zu Verzögerungen. Hinzu kamen explodierende Preise bei den Materialien. Am Ende wurden die Arbeiten eingestellt. Das Gemäuer und der Dachstuhl der Scheune sind durch Planen notdürftig vor Witterungseinflüssen geschützt. Bei jedem heftigeren Wind blickt Stadtbaumeister Franz Haneder sorgenvoll auf die Baustelle: Gibt es ein Risiko für Passanten?

Versteigerung konnte vermieden werden

Nachdem die Ehwas GmbH im November 2022 offenbart hatte, sie könne ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen, wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt. Zum Verwalter bestellte das Amtsgericht Regensburg den Rechtsanwalt Daniel Barth, der für die international tätige Sanierungs- und Restrukturierungsgesellschaft Pluta mit Sitz in Ulm arbeitet.

Die Mittelbayerische hat mehrfach über das Projekt berichtet. Lesen Sie zum Beispiel folgenden Artikel: Bauträger muss zittern: Weiter Zoff um den Zaschkahof in Burglengenfeld

Barth zeigte sich trotz ungünstiger Voraussetzungen (die Käufer der nicht vorhandenen Wohnungen haben bereits Teilzahlungen geleistet) zuversichtlich, eine Zwangsversteigerung vermeiden zu können. Über Monate hinweg, so berichtet sein Sprecher, seien Gespräche mit den Käufern und der Grundpfandgläubigerin (Bank) geführt worden. Ziel sei es gewesen, gemeinsam eine Lösung zu finden, um das Grundstück lastenfrei an die Käufer übergeben zu können.

Immobilie aus Masse freigegeben

Tatsächlich soll sich im Juli eine entsprechende Einigung abgezeichnet haben. Es seien nur noch finanzielle Details zu klären, hieß es. Und: Wenn die weiteren Verhandlungen planmäßig verliefen, könne im Herbst Vollzug gemeldet werden. Dann aber gab es doch wieder Rückschläge. Anfang Oktober wurde das Insolvenzverfahren über Ehwas eröffnet. Da mit den Wohnungskäufern doch kein Abkommen zustande gekommen war, entschied Barth, die Immobilie wieder aus der Masse freizugeben.

Sein Sprecher dazu: „Der Insolvenzverwalter handelt im Interesse der Gläubiger. Da auf der Immobilie erhebliche Verbindlichkeiten lasten, würden die übrigen Gläubiger bei einem Verkauf oder einer Versteigerung kein Geld erhalten. Aus diesem Grund wurde so entschieden.“

Mit Grundschulden der Bank belastet

Das Grundstück gehöre noch immer der Schuldnerin, also der Ehwas GmbH, heißt es weiter. Allerdings mit den Grundschulden der Bank belastet. Jetzt sei es an den Käufern und der Bank selbst, sich zu einigen. Und es sehe tatsächlich so aus, als würde dies gelingen, verlautete aus einer weiteren Quelle.

Völlig offen ist freilich, wie es auf der Baustelle selbst weiter gehen soll. Auch in der Stadtverwaltung ist dazu nichts bekannt. Die MZ hat versucht, einen der Käufer um eine Einschätzung zu bitten und die Frage zu klären, ob man gemeinschaftlich mit einem anderen Bauträger einen neuen Anlauf wagen wolle. Eine Vermittlung über das ursprünglich involvierte Maklerbüro in Regensburg scheiterte jedoch am Datenschutz.

In einem zweiten Ehwas-Projekt konnte Insolvenzverwalter Daniel Barth indes selbst eine Lösung erzielen, berichtet wiederum sein Sprecher.

Erfolg auf anderer Baustelle in Alteglofsheim

In einem Wohnungsbau in Alteglofsheim sei zwischen mehreren Käufern und der Bank Einigung erzielt worden. Der Unterschied zum Fall in Burglengenfeld: Die Ehwas GmbH hatte den Rohbau des Mehrfamilienhauses bereits fertiggestellt.

Jetzt könnten die Wohnungskäufer sich auf eigene Faust um den Innenausbau kümmern, heißt es. Die Immobilie sei lastenfrei an sie übergeben worden, das bedeute, die durch die Ehwas verursachten Grundschulden kämen zur Löschung. Nur die Grundschulden der Käufer aufgrund ihrer eigenen Finanzierungsdarlehen verbleiben im Grundbuch.