Neuer Mieter am Gesundheitscampus: Neurologische Untersuchungen in Roding möglich

Der Gesundheitscampus am ehemaligen Rodinger Krankenhaus nimmt weiter konkrete Formen an: Seit Anfang Oktober werden auf rund 250 Quadratmetern alle gängigen neurologischen Untersuchungen in einer Filialpraxis des medbo-Versorgungszentrums angeboten. Es sei ein weiterer wichtiger Baustein in der Entwicklung hin zu einem umfassenden Gesundheitscampus, sind sich Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler, Bürgermeisterin Alexandra Riedl und Sana-Projektleiter Klaus Fischer einig.
„Das Zielfoto des Gesundheitscampus wird kontinuierlich Realität“, befand Löffler bei der offiziellen Vorstellung am Mittwochnachmittag, auch wenn noch einige Hürden zu bewältigen seien.
Zwei Arztsitze geplant
Besonders der interdisziplinäre Ansatz in Roding zeige Früchte, betonte Löffler. Dabei gehe es nicht nur um körperlich-organische, sondern auch um psychische Krankheiten. Deshalb freue er sich sehr über die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz als neue Mieter mit einer Filialpraxis für Psychiatrie und Neurologie.
Zunächst würden die im medbo-MVZ in Cham tätigen Ärzte den Stamm der neuen Einrichtung bilden, mittelfristig sollen zwei Arztsitze für Psychiatrie und Neurologie etabliert werden.
„Es rührt sich jetzt im Vergleich zu vorher wieder deutlich mehr“, berichtete Klaus Fischer, dass die neue Filialpraxis bereits stark frequentiert werde. „Die Wartezimmer sind gut gefüllt“, bestätigten auch der Leiter der medbo-Praxis, Volker Fischer, und Chefärztin Julia Prasser. Dies zeige, wie hoch der Bedarf auch auf diesem Gebiet der Medizin in der Region sei.
„Früher waren die Leute auch schon krank, mussten dann aber weiter fahren“, sagte Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Sie nannte die Eröffnung der Filialpraxis „einen weiteren wichtigen Schritt in die richtige Richtung.“ Das Konzept des Gesundheitscampuses in Roding werde funktionieren, sagte die Rathaus-Chefin, „je mehr Angebote es gibt, desto besser.“ Sie dankte Löffler, auch in seiner Funktion als Bezirkstagspräsident, dass er sich stark für die Entwicklung des ehemaligen Krankenhauses hin zu einem Gesundheitscampus einsetze.
„Wichtig für die Region“
Seit Anfang Oktober können alle gängigen neurologischen Untersuchungen in den Räumen des ehemaligen Impfzentrums des Landkreises durchgeführt werden, informierte Volker Fischer, ab Frühjahr soll dann auch die Psychiatrie als zweiter Schwerpunkt mit einer Fachärztin dazukommen. Die Praxis sei nicht nur wichtig für Roding, sondern für den kompletten Landkreis Cham und die angrenzenden Regionen in den Kreisen Schwandorf, Regensburg und Straubing-Bogen.
Die Patienten kämen meist mit Symptomen, deren Ursache unklar sei, wie etwa Kopfschmerzen, erläuterte der Leiter des medbo-MVZ, Stefan Wagner. „Es gilt dann für uns, herauszufinden, was dahinter steckt“, sagte er. In den Praxisräumen in Roding stünde dafür alles Nötige zur Verfügung. MS, Parkinson und Epilepsie spielten etwa eine große Rolle, mit Therapien sei es aber mittlerweile oft möglich, den Patienten gut zu helfen und die Lebensqualität zu steigern, so der Experte.
Die Versorgung der medbo werde durch die ambulante Versorgung in Roding auch komplettiert, nannte Prasser einen weiteren Vorteil, weil sich die stationären Einrichtungen so besser auf die schweren Fälle konzentrieren könnten.
Die Medizin werde immer besser, aber auch immer spezieller, sagte Löffler. Auch ambulant könnte mittlerweile vieles geleistet werden, was vor einigen Jahren noch nicht möglich war. Ziel sei es, die hochwertige Medizin auch in die Fläche zu bringen und den Bürgern somit kurze Wege zu ermöglichen. Das Rodinger Modell werde mittlerweile von vielen interessiert verfolgt, weiß der Landrat, „ich bin froh, dass es funktioniert“.
„Auf richtigem Weg“
Auch insgesamt laufe es rund, befand Sana-Projektleiter Klaus Fischer. Orthopädie, Chirurgie und innere Medizin hätten gut zu tun, zudem profitiere der Gesundheitscampus sehr von der engen Verzahnung mit der stationären Versorgung in Cham. Es zeige sich, dass das Modell aufgehe und funktioniere, sagte Fischer, bald stünde auch schon die nächste Eröffnung an. „Es muss sich noch einiges tun, auch baulich stehen noch große Veränderungen an, aber wir sind auf einem guten Weg“, ist er sich mit Löffler einig.
Das Vier-Säulen-Modell
Innovatives Konzept statt Krankenhaus: Am 10. Januar 2020 beschloss der Kreistag anstelle des weiteren Betriebs des Rodinger Krankenhauses ein innovatives Konzept, in dem ambulante Medizin mit modernen Formen der Pflege und gesundheitsnahen Dienstleistungen verknüpft wird.
Konkretisierung und Realisierung: In den vergangen drei Jahren wurde das Vier-Säulen-Modell konkretisiert und teilweise auch schon realisiert.
Erste Säule: Ambulante fachärztliche Gesundheitsversorgung. Neben der Erweiterung der fachärztlich-ambulanten Versorgung durch externe Praxisbetriebe betreiben die Sana-Kliniken des Landkreises Cham ihr eigenes Medizinisches Versorgungszentrum. Es bietet ambulante Leistungen aus dem gesamten orthopädischen und chirurgischen sowie dem internistischen Behandlungsspektrum. Darüber hinaus ist mit der Schließung des stationären Krankenhausbetriebs zum 31. März 2022 auch die weitgehende Auslagerung des ambulanten Betriebs des Krankenhauses Cham nach Roding beschlossen worden.
Zweite Säule: Lokale Pflegeangebote. Der Bereich Pflege wird durch ein Pflegeheim des BRK, das zwei Ebenen des ehemaligen Bettenhauses in Anspruch nimmt, realisiert. Eine weitere Ebene mit 800 Quadratmetern wurde bereits durch eine Intensivpflegeeinrichtung für Kinder angemietet.
Dritte Säule: Bildung. Die Berufsfachschule für Krankenpflege hat seit September ihr Angebot um einen einjährigen Ausbildungsgang zum Krankenpflegehelfer erweitert. Darüber hinaus wird eine weitere Ebene des ehemaligen Bettentraktes genutzt, um zusätzliche Wohnangebote für Krankenpflegeschüler zu schaffen.
Vierte Säule: Gesundheitsnahe Dienstleistungen. Als vierte Säule entstehen gesundheitsnahe Dienstleistungsbetriebe (Apotheke, Sanitätshaus, Physiotherapie).