Facharztpraxis und Gespräche mit weiteren Interessenten: Gesundheits-Campus wächst

Von Oliver Hausladen · 11. Januar 2023 um 15:00

In den Gesundheits-Campus Roding im früheren Krankenhaus zieht immer mehr Leben ein: Ab 1. Juli werden auf rund 250 Quadratmetern in den Räumen des vorherigen Impfzentrums alle gängigen neurologischen und psychiatrischen Untersuchungen und ambulante Behandlungen angeboten.

Die entsprechenden Verträge mit dem neuen Mieter, dem medbo MVZ (Medizinische Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz), sind unterschrieben. Weitere Gespräche mit potenziellen neuen Nutzern laufen, berichtete Klaus Fischer, Geschäftsführer der Sana-Kliniken des Landkreises Cham.

Die Spezialisierung werde auf dem Gesundheitssektor immer wichtiger. Es sei entscheidend, hochwertige Medizin auch in der Fläche anzubieten, sagte Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Der Standort Roding habe sich seit der Einstellung des stationären Klinikbetriebs im März 2022 zu einem innovativen Versorgungsmodell entwickelt. Grundlage dafür sei das „Vier-Säulen-Modell“: Erweiterung der fachärztlich-ambulanten Versorgung (mit einem neuen Ärztehaus, das entstehen soll), Ausbau lokaler Pflegeangebote, Weiterentwicklung der Bildungseinrichtungen vor Ort (Krankenpflegeschule) sowie Ansiedlung weiterer Anbieter von gesundheitsnahen Dienstleistungen. Auch wenn noch einige Hürden zu bewältigen seien, rücke das Ziel Stück für Stück näher, befand Löffler.

Gebäude mit Leben füllen

Erstes Ziel sei es, die bestehenden Gebäude Zug um Zug mit nachhaltigen und langfristigen Einrichtungen zu füllen. Daran werde kontinuierlich gearbeitet: Nahezu alle Fachrichtungen der Sana-Kliniken des Landkreises Cham operierten bereits im ambulanten OP-Zentrum in Roding. Die Sana MediCenter Regental GmbH ist bereits fest am Gesundheits-Campus etabliert. Außerdem betreibt das BRK ein sehr gut belegtes Pflegeheim, eine weitere Intensivpflege-Einrichtung werde in Kürze folgen. Auch werde die Pflegeschule weiter ausgebaut, künftig wird dort auch die Ausbildung zum Krankenpflegehelfer möglich werden, kündigte der Landrat an. Mit dem Sanitätshaus reha Team Nordbayern trage auch die vierte Säule gesundheitsnahe Dienstleistungen.

Da es beim interdisziplinären Ansatz des Gesundheits-Zentrums nicht nur um körperlich-organische, sondern auch um psychische Krankheiten gehe, folge nun mit den neuen Mietern der nächste wichtige Schritt. Das ehemalige Impfzentrum wird für die künftige Nutzung umgebaut, ab 1. Juli werden dann die bisher im medbo-MVZ in Cham tätigen Ärzte, Stefan Wagner und Matthias Dobmeier den Stamm der neuen Einrichtung in Roding bilden. Das Angebot in der Kreisstadt bleibt aber erhalten, es handelt sich um zusätzliche Kassenarzt-Sitze. Das medbo sucht aktuell weitere Ärzte, die möglichst in der Region „Wurzeln schlagen“ sollen. Mittelfristig ist geplant, zwei Arztsitze für Psychiatrie und Neurologie in Roding zu etablieren.

Der Bedarf auf diesem Gebiet der Medizin ist sehr hoch, betonte Löffler. Laut Angaben des Bundesamtes für Gesundheit leide fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Der Betrieb eines weiteren medbo-Versorgungszentrums neben Cham und Regensburg stelle eine deutliche Verbesserung der Versorgung insbesondere im westlichen Landkreis Cham, aber auch darüber hinaus dar, betonte er.

Ziel des Bezirkes sei es, qualifizierte Anlaufstellen ohne große Hürden für alle Bürger zu stellen. Der Rodinger Gesundheits-Campus verbinde bereits jetzt verschiedenste Teilbereiche der Medizin an einem Standort. Für die Patienten bedeute das eine Versorgung aus einer Hand, von der ambulanten Vorstellung über die Behandlung bis zur Nachsorge. „Wir wollen diesen Entwicklungsprozess auch künftig kontinuierlich vorantreiben“, betonte der Landrat.

Auch bei Klaus Fischer ist die Freude groß: Mit medbo habe ein weiterer verlässlicher Partner für Roding gefunden werden können.

„Die Nachfrage nach neurologischer und psychiatrischer Diagnostik und Behandlung steigt stetig. Umso erfreulicher ist es, dass ein weiterer Schritt für die Ausgestaltung des Gesundheits-Campus Roding und der medizinischen Versorgung vor Ort vollzogen wird.“

Großes Leistungsspektrum

Das Leistungsspektrum in Roding werde alle gängigen Methoden zur Untersuchung und Behandlung von akuten oder chronischen Erkrankungen des Nervensystems umfassen. „Krankheitsbilder wie Epilepsie oder Nervenschmerzen können genau unter die Lupe genommen und behandelt werden. Genauso gehört Diagnostik und Therapie von Migräne, Multipler Sklerose, Demenz und vieles mehr zu den Fachgebieten“, erläuterte Fischer.

„Wir freuen uns auf Roding“, sagte medbo-Vorstand Helmut Hausner. Es sei „ein toller Standort mit großem Potenzial“, den medbo schon länger im Auge gehabt hätte. Der westliche Landkreis Cham, aber auch Teile der Landkreise Schwandorf und Regensburg könnten von Roding aus sehr gut abgedeckt werden. Auch die Räumlichkeiten mit direktem Zugang zur Eingangshalle und kurzen Wegen zu Parkplätzen seien optimal.

Bürgermeisterin Riedl: Extremer Mehrwert für die Bürger

Freude bei Rathaus-Chefin:Bürgermeisterin Alexandra Riedl zeigte sich sehr erfreut, dass sich der Gesundheits-Campus Roding weiter mit Leben füllt.

Mehrwert für die Bürger:„Besonders schön ist, dass man jetzt etwas sieht, und sich jemand im ehemaligen Krankenhaus ansiedelt“, sagt sie. Für die Bürger bedeute die Facharzt-Praxis einen „extremen Mehrwert“, ist sie sich sicher.

Dank:Die Bürgermeisterin dankte Franz Löffler in seinen Funktionen als Landrat und Bezirkstagspräsident sowie den Sana-Kliniken und der medbo MVZ.

Hoffen auf weitere Unterschriften: Riedl hofft, dass bald noch weitere Mietverträge unterschrieben werden. Das ehemalige Krankenhaus biete sich für einige Einrichtungen an, sagte sie, zumal das Gebäude in einem guten Zustand sei.

Gespräche mit weiteren potenziellen Mietern laufen

Die Rodinger Krankenhaus-Ära endete im März vergangenen Jahres, doch die Versorgung gehe weiter und der Standort solle zu einem sehr innovativen Versorgungsmodell weiterentwickelt werden, sagt der Geschäftsführer der Sana-Kliniken des Landkreises Cham, Klaus Fischer. Die Ansiedlung von Fachärzten für Psychiatrie und Neurologie sei dabei ein weiterer wichtiger Schritt, weitere sollen folgen.

„Wir sind derzeit in Verhandlungen mit weiteren potenziellen Mietern“, informierte Fischer. Darunter sei eine Nutzung für Pflege, die einen großen Raum im ehemaligen Krankenhaus-Gebäude einnehmen könnte. Auch eine weitere Facharzt-Praxis könnte sich ansiedeln, ebenso ein größeres Labor. „Manchmal würde man sich wünschen, dass es schneller geht, aber wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass sich das Gebäude weiter füllt“, unterstrich der Sana-Geschäftsführer.

Es tue sich bereits einiges in Roding, so würden fast alle Fachrichtungen der Sana-Kliniken Cham bereits im ambulanten OP-Zentrum im ehemaligen Krankenhaus operieren. Es sei davon auszugehen, dass bis Ende des zweiten Quartals 2023 die Mehrzahl der eigenen ambulanten Eingriffe in Roding stattfinden werden.

Auch sei das Klinik-eigene Medzinische Versorgungszentrum mit drei chirurgischen beziehungsweise orthopädischen und einem internistischen Kassenarzt-Sitz mittlerweile komplett in Roding tätig. Zudem seien im ambulanten OP-Zentrum eine Augenarzt-Praxis und eine HNO-Praxis tätig. In wenigen Wochen würden zwei urologische Praxen den OP-Betrieb in Roding aufnehmen, kündigte Fischer an. Ein Sanitätshaus werde außerdem in Kürze eröffnet.

Die Pflegeschule in Roding werde nicht nur weiterbetrieben, sondern ausgebaut, erläuterte Fischer. Sobald die formalen Voraussetzungen geschaffen seien, werde dort ein zusätzlicher Ausbildungsgang zum Krankenpflegehelfer möglich. Zudem werden künftig ehemalige Stationsflächen als Unterkünfte für die Krankenpflegeschüler angeboten.

Auch die langfristige weitere Entwicklung hat Fischer im Blick. Auf der Gesellschafterebene fänden derzeit intensive Gespräche mit möglichen Investoren statt. Erste bauliche Überlegungen seien bereits skizziert, diese müssten als Nächstes mit der Stadt Roding erörtert werden.

Neben weiteren Pflegeeinrichtungen und gesundheitsnahen Dienstleistungen wie etwa Apotheken, Physiotherapie-Praxen und so weiter sollen auch weitere Facharzt-Praxen auf dem Campus angesiedelt werden, kündigte der Geschäftsführer an. Da in diesem Zusammenhang größere Baumaßnahmen erforderlich sind, sei ein längerfristiger Zeithorizont nötig. „Wir werden aber in den nächsten Jahren Schritt für Schritt den Campus so entstehen lassen, wie wir es der Rodinger Bevölkerung im Zusammenhang mit der Schließung des Krankenhauses versprochen haben“, betonte Fischer. Er sei sich sicher, „dass unser Konzept aufgehen wird.“

Das ehemalige Rodinger Krankenhaus soll weiter mit Leben gefüllt werden. Gespräche mit potenziellen Investoren laufen, informierte Sana-Geschäftsführer Klaus Fischer. -Foto: Oliver Hausladen