Als Wolfgang Hüller einst seine Lehre begann, waren Hochsteckfrisuren und toupierte Haare modern

Als Wolfgang Hüller seine Friseurlehre begann, waren bauschige Hochsteckfrisuren und buschige Haarschöpfe modern. „Eine Kundin kam einmal die Woche, ließ sich die Haare machen, und hat dann die ganze Woche mit einem Eimerchen auf dem Kopf geschlafen, um sich die Frisur nicht zu verlegen“, erinnert sich der Friseurmeister. Zum 30. November schließt er die Pforten seines Friseurgeschäfts in der Schwanenstraße in Cham.
1976 hatte Hüller sein Friseurgeschäft in Cham am Eckhaus beim Musikgeschäft Striever in der Bahnhofstraße eröffnet. Als dort umgebaut wurde, zog er noch einmal mit Ende 60 mit Sack und Pack um in die Chamer Innenstadt – dahin, wo früher lange Jahre das Friseurgeschäft Kagermeier beheimatet war. „Es hat halt einfach noch immer Spaß und Freude gemacht“, erklärt Hüller, der in Kürze 75 Jahre alt wird, seine Entscheidung, auch im Rentenalter noch einmal etwas Neues zu starten.
Lehre in Waldmünchen
Seine Lehrjahre begannen 1962 in seiner Heimatstadt Waldmünchen, erzählt Hüller, beim dort bekannten Friseurgeschäft Stoffel. Nachdem er 1974 seine Meisterprüfung abgelegt hatte, machte er sich in Cham selbstständig. Zu einer Zeit, als alles noch einfacher gewesen sei als heute. So arbeiteten bei ihm zeitweise gleichzeitig drei Gesellinnen und dazu noch zwei bis drei Lehrlinge. Jetzt, am Ende seines Berufslebens, bedienten nur noch er selbst und seine Tochter die treuen Kunden. „Über die Jahre ist es schon immer schwieriger geworden, Personal zu bekommen“, sagt Hüller. So wurden aus drei Angestellten zwei, dann eine, und als die in Rente ging, habe er sich schon bewusst gegen eine Neuanstellung entschieden. „Früher hatte man einen Lehrling in jedem Lehrjahr, später dann nur noch alle zwei Jahre einen, am Ende noch seltener“, bedauert der Friseur, der im Laufe der Jahre 18 Lehrlinge ausgebildet hat.
Seit einem halben Jahr habe sich nun bereits abgezeichnet, dass er das Geschäft schließen werde. Wie so viele andere Kollegen hatte auch Hüller in den letzten Monaten immer mehr mit den gestiegenen Energiekosten zu kämpfen. Dazu komme, dass sich aufgrund der Corona-Beschränkungen das Kundenverhalten verändert habe.
Glatzen und Pferdeschwänze
„Wenn ich aus der Tür schaue, sehe ich viele Männer mit Glatzen und ganz kurz rasierte Köpfe, das kann jeder selber machen. Oder sie lassen sich lange Haare wachsen und laufen mit Pferdeschwanz herum, das ist auch pflegeleicht. Und Frauen haben halt auch keine Dauerwellen mehr“, bedauert Hüller. Die Zeiten der aufwendigen Dauerwellenfrisuren hätten eben auch Geld in die Kassen der Friseure gespült. „Heute tragen die meisten Frauen glatte Haare, damit ist nicht viel verdient.“
Freilich falle ihm das Aufhören schwer, der Umgang mit den Kunden. „Viele sind ja vom Geschäft am Bahnhof mitgekommen, die waren von Kindheit an Kunden“, blitzt ein bisschen Wehmut durch. Am 30. November wird er zum letzten Mal seine Kunden empfangen, bis Ende des Jahres will er sich mit dem Ausräumen des Ladens Zeit lassen.
Und dann? Hüller ist überzeugt, ihm werde es nicht langweilig werden. Der passionierte Gärtner lebt mit seiner Frau in Loibling, geht täglich mit seiner Labradorhündin Jamie spazieren.
Mit Peter Orloff per Du
Und dann ist da ja noch seine zweite Passion: Wolfgang Hüller ist großer Fan des Schlagerstars Peter Orloff – ihm und seiner Verbindung zu dem Star ist es zu verdanken, dass Orloff regelmäßig in Waldmünchen Konzerte gab und damit auch den Trenckverein unterstützte. „Der Verein hatte immer Politiker eingeladen, und ich habe den damaligen Vorsitzenden Franz Ulschmied gefragt, ob man nicht auch Schlagerstars einladen könnte.“ – „Wennst as schaffst“, habe Ulschmied ihm grünes Licht für die Einladung gegeben, erinnert sich Hüller, der daraufhin tatsächlich Orloff in die Trenckstadt brachte.
Heute noch telefoniert Hüller regelmäßig mit dem König der Hitparade, wie Orloff oft tituliert wurde. Kennengelernt hatte Hüller den Star über das Sammeln von Autogrammen. Seit einem Besuch in Köln sind der Friseur und der Sänger per Du und blieben über die Jahre in Verbindung.
Trotz seiner Hobbys werde er seinen Beruf vermissen, räumt Wolfgang Hüller ein. „Wegen der Leute bin ich traurig, und auch wegen der vielen Gespräche. Man ist ja als Friseur immer auf dem neuesten Stand.“

