Tausende sicherten sich Tickets: Hype um Genesis II beginnt schon vor der Premiere in Regensburg

Von Heike Haala · 21. November 2023 um 05:00

Ob Dom, St. Ulrich oder Thon-Dittmer-Palais, ob an einer Fassade oder den Wänden eines Raums: Werden in der Domstadt Bilder an Mauern gestrahlt, kommen die Regensburger in Scharen. Jetzt fiebern viele der nächsten Show dieser Art entgegen.

Bis Freitag müssen sie sich noch gedulden. Dann feiert mit Genesis II ein weiteres Lichtspektakel Premiere. Die Vorverkaufszahlen sprechen Bände. „10000 Tickets sind verkauft“, sagt Veranstalterin Julia Köppel von den Kulturoptimisten – und das eine Woche vor der ersten Vorstellung.

Zum Vergleich: Den ersten Teil, den die Kulturoptimisten im vergangenen Winter in der Museumskirche St. Ulrich zeigten, sahen insgesamt 56.000 Menschen. Um diesem Zulauf Herr zu werden, brauchte es sogar Zugaben. Deswegen ließ Köppels Team die Wände zum Schluss in Dauerschleife anleuchten, 17 Mal pro Tag, von 8.30 bis 22 Uhr.

Das Himmelszelt, Unterwasserszenen, die Erschaffung des Menschen: In den kommenden Wochen werden die letzten drei Tage der Schöpfungsgeschichte gezeigt. Köppel ist schon gespannt auf Szenen, in denen ein Wal an der Decke entlangzieht oder Quallen an den Wänden umherwabern.

Während die Handlung von Genesis inhaltlich mit der Erschaffung von Leben auf der Erde weitergehen kann, muss Köppels Team an diesem Punkt bei Null anfangen. Denn die Vorführungen sind nicht in St. Ulrich, sondern in der Minoritenkirche. Und wie sehr sich diese Aufführungsorte voneinander unterscheiden, dürfte jedem klar sein, noch bevor die Holztüren beim Betreten der Gebäude hinter ihm ins Schloss gefallen sind.

Fenster als Herausforderung

St. Ulrich ist ein nahezu symmetrischer Zentralbau, die Minoritenkirche lang, hoch und schmal. Um diese Wände präzise auszuleuchten, sind nicht lediglich acht Projektoren wie im vergangenen Winter notwendig, sondern sogar 14. Sechs davon kommen aus Erlangen, wo die Kulturoptimisten bis Samstag Teil 1 zeigten.

Während Köppel und ihr Team die Fenster in St. Ulrich verdunklen konnten, um die Show bestmöglich zum Leuchten zu bringen, ist dies in der Minoritenkirche nicht überall möglich: Die Fenster des Lichtgadens über dem Mittelschiff haben Zierelemente, die eine Rolle während der Show spielen und deswegen nicht hinter Planen verschwinden dürfen. Die 17 Meter hohen Fenster im Chor sollen von außen verdeckt werden. Ob das so klappt, wie Köppel es sich vorstellt, ist offen. Auf jeden Fall braucht es dafür einen Kran, der im Laufe dieser Woche anrücken soll.

Weil manche Fenster unverhangen bleiben, starten die Genesis-Vorstellungen in diesem Jahr erst abends, wenn es dunkel ist, während Genesis I schon zur Mittagszeit ausgestrahlt werden konnte. Dafür können in diesem Jahr 200 Zuschauer pro Vorstellung in die Show. Im vergangenen Jahr lag dieses Limit bei 120 Personen. Diese Spielzeit ist zudem mit über elf Wochen um einiges länger als zuletzt.

Für alle, die nicht genug von Illuminationen bekommen können: Die nächsten beiden Lichterspektakel stehen schon fest. Denn die Stadt plant mit Relight derzeit erstmals ein Lichtkunstfestival. Es soll am 14. März starten, also vier Wochen nachdem die Projektoren in der Minoritenkirche erloschen sind, und bis 24. März dauern. Dann sollen 15 Arbeiten in der Regensburger Altstadt gezeigt werden. Zwei Orte, die erstrahlen sollen, sind bereits bekannt: Das sind die Steinerne Brücke und das M26 in der Maximilianstraße, das geht aus einem Bewerbungsaufruf der Stadt hervor. Sie sucht noch bis 26. November nach Arbeiten mit Licht als primäres Medium speziell für diese Stellen. Bisher liegen laut Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, zahlreiche Interessensbekundungen und erste Bewerbungen vor. Der Großteil werde erfahrungsgemäß aber erst gegen Ende dieser Frist eintrudeln, schätzt sie. So will die Stadt niederschwelligen und kostenlosen Zugang zu Kunst und Kultur im öffentlichen Raum ermöglichen.

Show mit Jahreszeiten

Aber auch Köppel plant eine Fortsetzung. Zwar wird Genesis mit dem zweiten Teil definitiv am Ende der Vorlage angekommen sein, allerdings lassen sich mit den Projektoren auch andere Themen an Wände strahlen. Köppel kündigt das Thema Jahreszeiten für die nächste Runde an.

Seinen Anfang nahm das Faible der Regensburger für Illuminationen vor etwas über vier Jahren mit „La cathédrale magique“, bei der die Stadt die Westfassade des Doms zum 150. Geburtstag der Vollendung seiner Türme eine Woche lang anstrahlte. An acht Abenden drängten sich insgesamt 50.000 Zuschauer vor der Kathedrale. Um dem Andrang Herr zur werden, schob die Stadt Zugaben ein und verlängerte die Veranstaltung. Bisweilen riegelte die Polizei den Domplatz deswegen sogar ab. Als wenige Tage später ein Unternehmen das Rathaus mit einer Illustration beleuchtete, versammelten sich sofort wieder Menschen davor. Aber auch als die Stadt im Advent 2020 oder im Herbst 2021 Gebäude anstrahlen ließ, waren die Regensburger begeistert.

Eine Szene aus der Lichtshow Genesis