Leuchtendes Spektakel für finstere Tage: Regensburg plant Lichtkunstfestival

„Licht lockt Leute.“ Mit diesem griffigen Stabreim warb Kulturreferent Wolfgang Dersch am Mittwoch im Kulturausschuss für die künftige regelmäßige Durchführung eines Lichtkunstfestivals in Regensburg.
Ein solches soll spätestens ab 2025, wenn es ganz schnell geht sogar schon 2024, die veranstaltungsarme Zeit zwischen Januar und April aufhellen. Der erste Schritt auf dem Weg zu dieser neuen Attraktion ist der am Mittwoch beschlossene Beitritt der Stadt zur International Light Festivals Organisation (ILO). In diesem weltweiten Netzwerk von aktuell 35 Lichtkunstfestivals und vergleichbaren Veranstaltungen will sich die Stadt die nötigen Kontakte und Anregungen holen.
Dass Licht tatsächlich die Leute lockt, weiß man in Regensburg bereits. Die spektakuläre, unter dem Titel „La cathédrale magique“ durchgeführte Illumination der Domtürme sorgte im Spätsommer 2019 eine Woche lang jeden Abend für einen wahren Massenansturm in der Altstadt. Noch frisch in Erinnerung ist zudem dieLichtshow „Genesis“, die zur Weihnachtszeit in der Ulrichskirche lief und ebenfalls zu einem großen Publikumserfolg wurde.
„Eine wunderbare Idee“
An positiven Vorerfahrungen mangelt es also nicht, der Gedanke an ein fest etabliertes Lichtkunstfestival gefiel den Stadträten folglich. „Das ist eine wunderbare Idee. Ein schönes, niederschwelliges Angebot, das die Attraktivität der Stadt steigert“, meinte beispielsweise Wiebke Richter von den Grünen. Ihre ökologische Nachfrage zu etwaigen Vorgaben in Sachen Stromverbrauch beantwortete Dersch mit einem Scherz: „Wir ziehen die Leute raus in die Stadt, dann verbrauchen sie zu Hause keinen Strom.“
Ernster gemeint waren die Hinweise des Kulturreferenten, dass energiesparende LED-Technik eingesetzt werde, dass ein solches Festival tatsächlich 40 bis 50 000 Besucher zähle und dass an anderer Stelle auch wirklich Strom gespart werde. Damit die einzelnen Lichtinstallationen nämlich optimal zur Geltung kämen, müsse es um sie herum dunkel bleiben. In Brixen werde in diesen Bereichen 25 bis 30 Prozent weniger Energie benötigt, führte Dersch aus.
Überhaupt ist die Südtiroler Partnerstadt für Regensburg ein Vorbild in Sachen Lichtkunst. Das Brixen Water Light Festival, das im Mai bereits zum siebten Mal stattfindet, gilt europaweit als eine der herausragenden Veranstaltungen ihrer Art. „Wir werden den Austausch mit den Partnerstädten suchen, vor allem mit Brixen“, kündigte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer deshalb an.
Heimische Szene integrieren
Dersch ergänzte, dass mit Aberdeen und Pilsen zwei weitere Partnerstädte über Erfahrungen mit Lichtkunstfestivals verfügten: „Nur in Deutschland ist das erstaunlicherweise noch nicht so populär. Wir können daher eine Vorreiterrolle einnehmen und einen Anziehungspunkt für das erste Quartal schaffen.“
Die Stadträte Jakob Friedl (Ribisl) und Florian Rottker (Brücke) äußerten unisono den Wunsch, dass bei der Konzeption des Festivals auch die einheimische Kunstszene miteinbezogen werden müsse und nicht nur Mitwirkende aus dem ILO-Pool den Zuschlag bekommen dürften. Die Oberbürgermeisterin wies derartige Bedenken zurück. Die ILO-Mitgliedschaft bedeute nicht, „dass man nur Künstler aus deren Datenbank nimmt, sondern dass man lernt und Erfahrungen austauscht“.
Kosten waren in der Sitzung am Mittwoch gar kein Thema. Denn welcher Betrag auf Regensburg bei der Durchführung eines Lichtkunstfestivals dereinst zukommen wird, ist völlig offen. Nur der Mitgliedbeitrag in der ILO steht bereits fest; dieser fällt mit 750 Euro netto pro Jahr überschaubar aus.