Alteglofsheim diskutiert über die Unterbringung von Flüchtlingen

Für seinen Winternotfallplan zur Unterbringung von Flüchtlingen hat das Landratsamt die Turnhalle der Gemeinde Alteglofsheim angefragt. Darüber und über mehrere Alternativen diskutierte am Donnerstagabend der Gemeinderat.
81 Bürger haben eine Platzkarte gezogen für die Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend in der Schlossgaststätte „Zur Post“. Dahin war die Zusammenkunft verlegt worden, weil bereits vorher klar gewesen war: Das Interesse wird groß sein am Thema Asyl-Winternotfallplan und der vom Landratsamt angefragten Vorhaltung der Turnhalle zur Unterbringung von Flüchtlingen – falls notwendig.
Diese Lösung war für die Gemeinderäte allerdings gleich vom Tisch. Dass die Schulturnhalle ungeeignet sei und die Kinder nach Corona nicht schon wieder auf sportliche Betätigung verzichten sollten, darüber waren sich alle einig. Zur Diskussion stand als Alternative das leerstehende alte Feuerwehrhaus, das laut Landratsamt für die Unterbringung von bis zu 50 Personen geeignet wäre, informierte Bürgermeister Herbert Heidingsfelder.
Lösung Musikakademie?
Das befinde sich aber ebenfalls mitten im Dorf und gleich beim Spielplatz, gaben einige Gemeinderäte zu bedenken. Wolfgang Voigt brachte eine Container-Lösung außerhalb auf dem Mooshamer Feld ins Spiel und auch die Musikakademie war im Gespräch, die nach Auskunft des Landratsamts wegen bereits gebuchter Belegungen aber nicht zur Verfügung stehe, teilte der Bürgermeister mit. Das stieß einigen Gemeinderäten sauer auf, auch die Turnhalle werde von den Leuten im Ort rege genutzt.
Das alte Feuerwehrhaus stehe leer, in der Fahrzeughalle könnte das THW Betten aufstellen, auch weitere Container seien eine Möglichkeit. Und das Essen würde vom BRK geliefert, erläuterte Heidingsfelder diese Variante. „Die Gefahr einer Beschlagnahmung der Turnhalle müssen wir abwenden“, meinte Alois Pfennigmann. Und die alleinige momentane Alternative sei das Gerätehaus.
Die einzige Frage sei, ob man sich gegen die Politik des Landratsamtes wehre oder vernünftig kooperiere, meinte Fabian Nußer. Der Landkreis bekomme ja auch einfach aufgedrückt, dass er die Leute unterbringen müsse. Und es seien nun drei Gemeinden angefragt worden, die seit acht Jahren niemanden aufgenommen hätten – diesen Vorwurf müsse man sich machen lassen.
„Ich bitte zu bedenken, dass wir hier über Menschen sprechen“, forderte auch Margarete Lehner. Die müssten es warm und trocken haben im Winter. Das Problem der Regierung, dass das Ganze aus dem Ruder laufe, werde man nicht in Al-teglofsheim lösen.
„Turnhalle nein, Musikakademie ja... Ich höre, wir wollen helfen und solidarisch sein, aber macht jemand einen vernünftigen Vorschlag?“ Christine Frey verwies ebenfalls auf das leerstehende Feuerwehrhaus. „Wir müssen unseren Beitrag leisten und haben eine Mitwirkungspflicht, wenn die Region und der Landkreis Unterstützung brauchen“, forderte der Bürgermeister.
Begrenzte Zahl
„Wir wollen nicht nicht helfen, aber es sind zu viele“, hielt Stefan Mahrer dagegen. „Die Mittel sind begrenzt, es geht nimmer.“ Und am Wahlergebnis in Pfatter habe man ja gesehen, wie sich die hohen Flüchtlingszahlen auswirkten, gab Johannes Paul zu bedenken. Bis zu 50Leute im alten Feuerwehrhaus unterzubringen, sei außerdem menschenunwürdig. Mit der begrenzten Größe des Gebäudes sei die Anzahl der Flüchtlinge doch wenigstens begrenzt, hielt Ferdinand Löbbering dagegen. In die Musikakademie passten mehr Menschen – und die seien dann auch im Ort unterwegs.
Das Gremium sprach sich schließlich einstimmig gegen die Befürwortung der Turnhalle als Winternotfallreserve aus und beschloss mit zehn zu sechs Stimmen, auch die alte Feuerwehr nicht zur Verfügung zu stellen. Auf Anregung von Wolfgang Voigt entschied der Gemeinderat zudem mit neun zu sieben Stimmen, rechtliche Schritte einzuleiten, falls es zu einer Beschlagnahmung von Gebäuden durch das Landratsamt kommen sollte.
Das Amt selbst wollte sich auf Nachfrage nicht zur Lage in Alteglofsheim äußern. Die Gesamtsituation bei der Unterbringung von Asylsuchenden sei weiter sehr angespannt, teilt Michael Mosandl vom Büro der Landrätin mit. In den kommenden Wochen könne der prognostizierte Bedarf an Unterbringungsplätzen voraussichtlich abgedeckt werden. Ziel des Landkreises bleibe, keine Turnhallen belegen zu müssen.