Bio-Landwirt Michael Simml ist mit Ernte zufrieden, aber: „Regeln der Politik gehen völlig an der Praxis vorbei“

Von Oliver Hausladen · 16. November 2023 um 11:00

Der Klimawandel, immer neue und strengere Vorschriften aus Politik, Kunden, die auf das Geld schauen (müssen) – die Zeiten werden nicht leichter für Bio-Landwirt Michael Simml. Trotzdem will der Kalsinger nicht jammern und berichtet, wie das Jahr auf dem Hof gelaufen ist.

„Wir sind heuer mit der Ernte insgesamt zufrieden“, sagt er. Momentan laufe der Endspurt auf Hochtouren, bevor es dann kurzzeitig etwas ruhiger wird auf dem Hof auf Kalsings Höhen.

Die Veränderung des Klimas, unter anderem mit der langen Trockenheit im Sommer, bringe große Herausforderungen mit sich. Auch der Zeitplan auf dem Hof und den Feldern verändere sich, erläutert Simml. Zwar sei nun „hinten raus“ etwas mehr Zeit zur Ernte, weil es nicht so schnell zu kalt wird, allerdings mindert das den Stress nur bedingt, denn: „Es gilt, so schnell wie möglich fertig zu werden, weil man ja nie weiß, wann der Frost kommt.“

Derzeit werden unter anderem noch Weißkraut, Blaukraut, Wirsing und Chinakohl geerntet, „mit dem Wurzelgemüse sind wir fertig“, sagt Simml. Dieses müsse auch raus, bevor der Boden richtig nass werde.

„Qualität hat gepasst“

Bei den Kernsorten wie Kartoffeln, Karotten oder Zwiebeln sei die Ernte „durchschnittlich“ ausgefallen, berichtet der Bio-Bauer, der mit seiner Familie und Helfern etwa 20 Hektar Fläche bewirtschaftet. Was ihn freut: „Die Qualität hat gepasst.“

Alles, was geerntet worden ist, auch verkaufen kann er allerdings bei weitem nicht, da die Verbraucher oft auch viel auf die Optik gehen würde. Das sei schade, findet Simml, denn geschmacklich mache es keinen Unterschied, ob Obst und Gemüse schön geformt seien oder einen kleinen Fleck hätten. Was nicht verkauft werden kann, geht zu einem Teil an seinen Onkel Martin Krottenthaler in Michelsneukirchen, der es als Futter für seine Wasserbüffel verwendet – oder auf den Kompost. „Verwertet wird alles“, betont Simml die Nachhaltigkeit der Kreislauf-Wirtschaft auf dem Bio-Hof.

Dass viele Kunden durch die Inflation mehr auf das Geld schauen müssen, merke man beim Verkauf, erzählt er. Allerdings freut sich Simml, der den elterlichen Hof 2014 offiziell übernommen hat, über die treue Stammkundschaft (verkauft wird direkt am Hof sowie auf den Bauernmärkten in Roding und Cham), der man auch erklären könne, warum die Preise angehoben werden mussten. Wobei die Erhöhungen bei hochwertig produzierten Gütern ohnehin nicht so hoch ausfallen würden wie bei „Billigware“, betont er. Der Bio-Landwirt hofft, dass den Verbrauchern noch mehr bewusst werde, dass der Preisunterschied dadurch gar nicht mehr so hoch sei, und sie verstärkt zu nachhaltig produzierten Lebensmitteln greifen würden.

Für ihn, seine Familie und die Mitarbeiter gehe ein erneut arbeitsreiches Jahr langsam zu Ende.

Nur kurze Pause

Über Weihnachten ist dann etwas Pause, Mitte Februar aber beginnt schon wieder die Saison, unter anderem mit dem Anbau von Salat und Feldsalat in den Gewächshäusern. „Ich will aber nicht jammern, ich habe es mir ja selbst ausgesucht, und es macht auch viel Spaß. Ich könnte mir keine andere Arbeit vorstellen“, betont Simml.

Den Spaß nehmen ihm und vielen anderen Landwirten, egal ob konventionell oder bio, allerdings oft immer neue Vorschriften aus der Politik. „Die Regeln gehen oft völlig an der Praxis vorbei“, ärgert sich der Kalsinger. So müssen etwa alle landwirtschaftlichen Betriebe laut einer neuen EU-Vorschrift ab dem kommenden Jahr vier Prozent der Ackerfläche stilllegen. „Einerseits wird gejammert, dass zu wenig Nahrungsmittel produziert werden, und dann kommt so was“, fehlt Simml das Verständnis. Zudem würden alle Betriebe über einen Kamm geschert, „dass bei einer nachhaltigen Landwirtschaft ohnehin die Biodiversität vorhanden ist, spielt keine Rolle.“

Dokumentationspflicht und Überwachung

Viele Betriebe hätten wegen der immer neuen Vorschriften, der ausufernden Dokumentationspflicht und der Überwachung der Einhaltung der Vorgaben (unter anderem durch Satelliten) mittlerweile aufgegeben, berichtet er. Auf seinem Hof habe dies schon Auswirkungen gehabt, so sei vor Jahren die Tierhaltung aufgegeben worden, weil sie in kleinem Umfang wirtschaftlich nicht mehr rentabel war. Wünschen würde sich der Bio-Bauer deshalb eine andere, realitätsnähere Landwirtschafts-Politik in Brüssel und Berlin.

Nachrücker im Stadtrat: Positive Zwischenbilanz

Seit März im Gremium: Seit März sitzt Michael Simml jun. als Nachfolger für die verstorbene Anette Muhr für die Landunion im Rodinger Stadtrat.

Zeitintensive Arbeit: Sich in die verschiedenen Themen einzulesen und sich eine Meinung zu bilden, sei durchaus zeitintensiv, berichtet er.

„Große Themenvielfalt“: Trotzdem zieht er ein sehr positives erstes Zwischenfazit. Die große Themenvielfalt mache es sehr interessant, und es gäbe viele neue Einblicke, auch durch den Austausch mit den anderen Gremiumsmitgliedern.

Gute Zusammenarbeit: Die Zusammenarbeit im Gremium sei fraktionsübergreifend in Ordnung, findet Simml.

„Beste Lösungen für Bürger vor Ort finden“: Ohnehin gelte es bei der Kommunalpolitik seiner Meinung nach, gut zusammenzuarbeiten und die besten Lösungen für die Bürger vor Ort zu finden – sofern es im Entscheidungsbereich der Kommune möglich sei.