Biohof-Betreiber und neuer Rodinger Stadtrat: „Tiefkühlpizza hat mit Sparen nichts zu tun“

„Viel Arbeit hat Michael Simml jun., Betreiber des Biohofs in Kalsing, derzeit. Trotzdem hat er nicht gezögert, noch eine weitere Aufgabe anzunehmen: Als Nachrücker für die verstorbene Anette Muhr sitzt er seit März für die Landunion im Rodinger Stadtrat.Seine ersten Eindrücke sind positiv.
„Auch wenn es natürlich zusätzliche Arbeit ist, mache ich es sehr gerne. So kann ich auch meine eigenen Ideen und Ansichten einbringen“, berichtet Simml.
Jede Menge Arbeit auf dem Hof
Auf knapp 20 Hektar Fläche baut Simml, der den elterlichen Hof im hoch gelegenen Rodinger Ortsteil 2014 offiziell übernommen hat, verschiedenste Sorten von Gemüse an. Dass er die Landwirtschaft in Kalsing daher einmal übernehmen werde, stand für ihn schon früh fest: „Ich bin hier mit der Arbeit aufgewachsen und konnte mir auch gar nichts anderes vorstellen.“ Deshalb absolvierte er nach der Schule auch eine Ausbildung zum Gärtner.
Früher gab es auf demSimml-HofMilchwirtschaft, doch nachdem die Richtlinien geändert und für die Betreiber kaum durchführbar gewesen wären, erfolgte 1992 der Umstieg auf Gemüse. „Das liegt mir ohnehin mehr“, wie Simml berichtet, er sei ein „Gemüsegärtner aus Leidenschaft“.
Jetzt im Frühling gäbe es jede Menge Arbeit, vor allem auch, „weil uns das Wetter lang und ausgiebig ausgebremst hat, wie der Bio-Landwirt berichtet. Jammern will er aber keinesfalls: „Ich kann mir keine schönere Arbeit vorstellen. Hier bin ich zu Hause und zudem mein eigener Herr.“
„Wenn man selbst kocht, ist es am günstigsten“
Lohnt sich der hohe Aufwand wenigstens? „Wir können zufrieden sein“, erzählt Simml, der sich über zahlreiche Stammkunden freut. Er hat zwar insgesamt eine gewisse Kaufzurückhaltung feststellt, doch mache es seiner Meinung nach keinen Sinn, bei Lebensmitteln zu sparen: „Wenn man selbst kocht, kann man nicht günstiger hinkommen.“ Es sei kein Sparen, sich etwa eine Tiefkühlpizza zu kaufen, ist er überzeugt.
Seine Stammkunden, Simml verkauft direkt am Hof sowie auf den Bauernmärkten in Roding und Cham, wüssten die Qualität zu schätzen und würden auch ein ehrliches Feedback geben, freut er sich, „das gibt einem schon auch das Gefühl, das Richtige zu tun.“ Außerdem schätzten die Kunden das vielfältige Angebot.
Trotz der vielen Arbeit auf dem Hof hat er nicht gezögert, für Anette Muhr in den Stadtrat nachzurücken. „Auf den Schirm hatte ich das nicht mehr“, sagt er, aber er habe das Amt gerne angenommen. Bei der Landunion, in die ihn Anette Muhr gebracht hat, fühle er sich sehr wohl. Es ist seiner Meinung nach sehr wichtig, dass auch die Themen in den Rodinger Ortsteilen im Gremium präsent seien. „Auch auf den Dörfern muss etwas vorangehen“, ist er überzeugt.
Dass das neue Amt durchaus einen Zeitaufwand bedeutet, hat der neue Stadtrat bereits festgestellt: Einlesen in verschiedenste Themen, darüber nachdenken, sich eine Meinung bilden − „das ist schon Arbeit, aber eine schöne und abwechslungsreiche.“ Auch treffe man interessante Menschen.
„Klima im Stadtrat ist positiv“
Das Klima im Gremium habe er bisher als positiv wahrgenommen. Es werde konstruktiv zusammengearbeitet, auch sei er gut aufgenommen worden.
In Zukunft will Simml auch eigene Themen imStadtratmit einbringen, vor allem im Bezug auf Ökologie, etwa beim Flächenverbrauch. „Mir ist klar, dass wir neue Wohn- und Gewerbegebiete brauchen werden, aber man sollte der Natur auch noch etwas Raum lassen und nicht unnötig alles vollpflastern“, ist der Biohof-Betreiber überzeugt. In diesem Zusammenhang sehr wichtig sei Nachverdichtung.
Nachrücker im Stadtrat
Kommunalwahl-Ergebnis:Michael Simml jun. kandidierte bei der Kommunalwahl 2020 für den Stadtrat. Mit 1139 Stimmen kam er auf der Liste der Landunion hinter Anette Muhr (1400) und Max Laußer (1291) auf den dritten Platz, obwohl er nur auf Rang neun der Liste stand.
Nachrücker:Die Landunion erreichte zwei Sitze im Gremium, die an Muhr und Laußer gingen. Nach dem Tod von Anette Muhr folgte Michael Simml jun. nach. In der März-Sitzung des Stadtrates ist er vereidigt worden.