Platzgerangel: Neuer Regensburger Weihnachtsmarkt verdrängt Bio-Anbieter

Von Rainer Wendl · 15. November 2023 um 19:00

Der Donaumarkt in Regensburg ist vom hässlichen Entlein zum begehrten Veranstaltungsort geworden. Im Advent streiten sich zwei Anbieter um den besten Bereich.

Wo kann sich beim Haus der Bayerischen Geschichte der neue Weihnachtsmarkt der Stadtmaus breit machen, welcher Platz bleibt im Advent für den jeden Freitag stattfindenden Bio-Donaumarkt übrig? Diese Streitfrage ist letztlich zur Chefsache geworden.

Erst nach Vorlage bei Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer ging am Mittwochnachmittag folgender Bescheid an die Beteiligten raus: Der Weihnachtsmarkt bekommt den Bereich vor dem Museum, der Wochenmarkt muss auf das Areal hinter dem Goldenen Waller ausweichen.

Stadt hatte auf Einigung der Beteiligten gehofft

Dass bei diesem eigentlich simpel anmutenden Vorgang der Flächen-Aufteilung die Stadtspitze involviert wird, war ursprünglich nicht abzusehen. Eigentlich hatte die Verwaltung nämlich darauf spekuliert, dass sich die Macher von Stadtmaus und Bio-Donaumarkt selbst auf eine Lösung einigen.

Doch sowohl Thomas Ruhfaß, der Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur, als auch Markt-Organisator Daniel Frost legten Wert darauf, den vorderen Teil der Fläche am Donaumarkt belegen beziehungsweise dort bleiben zu können.

Stadtmaus hat bereits Konzept präsentiert

Wie es die Stadtmaus hier gerne hätte, ist bereits auf ihrer Internet-Seite zu sehen. Eine Illustration zeigt hier unter anderem die „Weihnachtslounge“. Beschrieben wird diese als „schön gestaltete und gemütliche Ecke“ für Gruppen von bis zu 50 Personen, mit wärmenden Terrassenöfen, Stehtischen und Sitzgelegenheiten.

Ruhfaß geht fest davon aus, dass diese Lounge, etwa 15 Stände und ein attraktives Musikprogramm für eine stetig erhöhte Fußgänger-Frequenz am Donaumarkt sorgen, also auch am Markttag Freitag. Frost hätte einen solchen Synergieeffekt zunächst auch für wahrscheinlich gehalten. Nach der „Verbannung“ in den hinteren Bereich des Platzes glaubt er jedoch nicht mehr daran: „Die Leute gehen vorn zum Weihnachtsmarkt rein und danach auch vorn wieder raus. Zu uns verirrt sich da keiner.“

Stadt: „Objektive Kriterien“

Die Stadt begründet ihre Entscheidung mit „objektiven Kriterien“. Diese wären: Der westliche Teil des Donaumarkts ist größer als der östliche, der Weihnachtsmarkt findet sechsmal pro Woche mit 15 Ständen, der Biomarkt nur einmal pro Woche mit zehn Ständen statt. Da auch die Stromversorgung des Weihnachtsmarkts nur auf dem westlichen Teil sichergestellt werden könne, sei die nun beschlossene Aufteilung folgerichtig.

Unterstützer des Wochenmarkts geben derweil zu bedenken, dass die Stadt mit dieser Anordnung zum Ausweichen im weitesten Sinne eine eigene Veranstaltung schwäche. Denn der Bio-Donaumarkt ist das Vorzeigeprojekt der Öko-Modellregion, hinter der Stadt und Landkreis gemeinsam stehen. Bei einer Strategiesitzung der Öko-Modellregion am Dienstag war man sich dennoch einig darüber, jede Entscheidung der Stadtspitze mitzutragen. Die Bemühungen zur dauerhaften Etablierung des Bio-Donaumarkts, so die Einschätzung, litten auch unter einer möglichen kurzzeitigen „Verbannung“ ins Abseits nicht.