Am Amtsgericht Neumarkt musste sich ein Landwirt für den Tod eines Rehs verantworten

Von Peter Romir · 14. November 2023 um 17:00

Vor dem Amtsgericht Neumarkt musste sich ein Landwirt aus dem Landkreis verteidigen. Ihm wurde vorgeworfen, am Vatertag sein Feld gemäht und dabei ein Rehkitz verletzt und getötet zu haben. Die große Frage dabei ist: Wusste er, dass Rehe im Feld sind?

Für die Staatsanwaltschaft ist es ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: Der Mann habe absichtlich „einem Wirbeltier schwere Schmerzen und schließlich den Tod zugefügt“. Richter Rainer Würth ist sich da nicht so sicher: „Der entscheidende Punkt ist, ob der Landwirt vorher wusste, dass da Rehe im Feld sind. Dafür fehlen noch Beweise.“

Reh war überraschend aufgetaucht

Vor Gericht bestätigt der Mann einen Teil des Vorgangs: Ja, er habe ein Rehkitz angefahren und als er dessen schwere Verletzungen gesehen habe, sei er noch einmal über das Tier gefahren, um dessen Leid zu beenden.

Er betont aber, dass das Tier für ihn völlig überraschend auftauchte: „Ich fahre ja mit Kopfhörern und schaue meistens nach hinten“, erklärt er. „Ich dachte, da kann nix sein. Die Tiere sind doch menschenscheu und das Feld liegt direkt neben der Wohnbebauung. Hunde liefen vorbei und in der Nähe fand gerade eine laute Feier mit Musik und Leuten statt.“

Partygäste im Zeugenstand

Vier Teilnehmer dieser Feier hat das Gericht als Zeugen geladen, die getrennt voneinander befragt werden. In nebensächlichen Punkten stimmen ihre Aussagen überein: Sie hätten Vatertag gefeiert, Schafkopf gespielt und Weißwürste gegessen.

„Die Aussagen gehen durcheinander und niemand kann belegen, dass der Angeklagte das Reh vorher gesehen hat.“ Richter Rainer Würth

Sobald es aber um die Rehe geht, werden die Erinnerungen widersprüchlich: Manche haben ein einzelnes Reh aus dem Feld laufen sehen, andere eine Rehmutter mit zwei Kitzen, wieder andere haben nur von Rehen gehört.

Reh aufgehoben und in die Hecke geworfen

Richtig aufmerksam auf die Sache wurden die Partygäste erst, als sie sahen, „wie der Bauer etwas aufhob und in die Hecke schmiss“. Als sie den Landwirt darauf angesprochen hätten, habe „dieser nur mit den Schultern gezuckt“. Deshalb riefen sie die Polizei.

„Die Aussagen gehen durcheinander und niemand kann belegen, dass der Angeklagte das Reh vorher gesehen hat“, urteilt Richter Würth. „In dieser speziellen Situation – mit Bebauung, Hunden und einem Fest – ist wirklich nicht zu erwarten, dass Tiere da hocken und zuhören.“ Das Verfahren wird deshalb endgültig eingestellt.