Studio in Regensburg: Günther Behrle produzierte die einzige Single der Wepper-Brüder

Von Daniel Pfeifer · 12. November 2023 um 19:00

Am 31. Oktober starb Elmar Wepper mit 79 Jahren. Die meisten Menschen kannten den gebürtigen Bayern als Schauspieler, doch was die wenigsten wissen: Mitte der 90er nahm er zusammen mit seinem Bruder Fritz eine Single auf. Und zwar in Regensburg – im Studio von Günther Behrle.

„Und dann standen sie auf einmal bei mir im Studio“, erinnert sich Günther Behrle. Der Erfolgsproduzent betrieb zu jener Zeit ein Aufnahmestudio im Prüfeninger Schloss. Für alle Musikgrößen hatte er schon Songs geschrieben: von Udo Jürgens und den Flippers bis zu Peter Alexander und Mireille Mathieu. Mit „Patrona Bavariae“ war er kurz zuvor selbst zur Musikgröße aufgestiegen, das Lied verkaufte sich 27 Millionen Mal und wurde der damals erfolgreichste volkstümliche Schlager aller Zeiten.

Konnten Elmar und Fritz Wepper singen?

Bei diesem Erfolg ist es nicht verwunderlich, dass eines Tages im Jahr 1994 auch Elmar und Fritz Wepper ein Album bei Behrle aufnehmen wollten. Ausgangspunkt war eine Folge der ARD-Fernsehserie „Geschichten aus der Heimat“, in der die Weppers zwei Volksmusiker spielten. Es war der erste und einzige Ausflug der Weppers in die Musikwelt. „Wir haben uns zuerst in München getroffen – da habe ich geschaut, ob sie überhaupt singen können“, erinnert sich Günther Behrle an sein erstes Treffen mit den Weppers.

Sein Fazit: Ja, sie können singen. Und überhaupt: „Auch der Stumme wird ein Star, wenn er bei Behrle im Studio war“ sei damals sein Werbespruch gewesen. Mit ein paar Produzententricks hätte er das schon hingebracht, erzählt Behrle lachend.

Drei Stücke komponiert

Mit der Gewissheit, dass in Fritz und Elmar Wepper durchaus musikalisches Potenzial steckt, machte er sich an die Arbeit und komponierte drei Stücke: Das Liebeslied „A Leben ohne di“, den Ökoprotestsong „Das letzte Edelweiss“ und das Duett „Freunde für‘s Leben“. Instrumental setzte er auf seinen bewährten Mix aus Akkordeon, unaufgeregtem Rhythmus, Chorbegleitung und Hall auf den Stimmen.

Bei den späteren Aufnahmen in Regensburg gab es für Günther Behrle eine weitere freudige Überraschung: Die Wepper-Brüder konnten nicht nur schauspielern und singen, sondern auch noch Schlagzeug und Akkordeon spielen. Die Aufnahmen gingen dann recht schnell, erinnert sich Behrle. „Sie waren zufrieden, ich war zufrieden.“

Ganz auf den ersten Versuch klappte es aber natürlich nicht. Ein paar mal habe Behrle die Weppers dann doch ihre Lieder wiederholen lassen. „Profifußballer und Sänger haben denselben Charakter: Sie darf man nicht zu sehr loben“, sagt Günther Behrle und lacht. Abgesehen davon seien die Wepper-Brüder aber bodenständig gewesen, erinnert er sich: „Das sind ganz normale Menschen. Wir haben uns danach auch öfter noch getroffen, es hat sich eine Freundschaft entwickelt.“

Ein Bier auf dem Adlersberg

Abgesehen von dem einen feierlichen Bier im Prüfeninger Schlossgarten nach getaner Aufnahme-Arbeit gab es auch noch spätere Treffen in Regensburg. Einmal, so erinnert sich Behrle, auch am Adlersberg. Dorf habe man sich aber möglichst weit in eine Ecke setzen müssen, um von Fans nicht behelligt zu werden.

„Das ist das größte Problem: Die meisten Musiker sind nett, wenn nicht zu viele Fans und Zuschauer da sind“, sagt Behrle. Das habe er schon zuvor mit Udo Jürgens feststellen müssen. Die beiden seien einmal im Bischofshof Biergarten gesessen, bis Jürgens irgendwann so von Fans umringt wurde, dass er schließlich in sein Hotel geflüchtet sei.

Mussten zwei Leben führen

„Wir müssen zwei Leben führen: eins in der Öffentlichkeit, eins privat“, sagt Günther Behrle. Sein Verhältnis zu Elmar Wepper war nach der Veröffentlichung der CD mit dem Titel „Das letzte Edelweiss“ nie mehr öffentlich, sondern nur noch privat. „Wir haben uns sehr gut verstanden“, sagt Behrle über den verstorbenen Wepper.

Dieser führte seine Schauspielerkarriere fort, Behrle seine Musikkarriere. Bis heute betreibt der 78-jährige Behrle seine „Flamingo Studios“, inzwischen in der Regensburger Innenstadt. Die Erinnerung an die einzigartige Aufnahmesession mit den Weppers werde er aber nie vergessen.

Über Elmar Wepper

Karriere: Am 16. April 1944 wurde Elmar Wepper in Augsburg geboren, nach seinem Studium in München wurde er Schauspieler und Synchronsprecher. Bekannt ist er bis heute als „Erwin Klein“ aus der Kult-Krimiserie „Der Kommissar“, in seiner berührenden Hauptrolle im Drama „Kirschblüten – Hanami“ oder als deutsche Stimme von Mel Gibson.

Tod: Am 31. Oktober starb Elmar Wepper an plötzlichem Herzversagen, wie sein Bruder Fritz der Zeitschrift „Bunte“ sagte. Er sei schockiert, sagte Fritz Wepper, „ich hatte ihm noch so viel sagen wollen. Ich vermisse ihn von Herzen."

Günther Behrle nahm 1994 die CD der Weppers in Regensburg auf und betreibt bis heute sein Tonstudio. Foto: Christian Eckl