Probleme aus der Tiefe: Darum kosten die Außenanlagen der neuen Hochschule in Neumarkt so viel mehr

Von Petra Schlierf · 10. November 2023 um 15:00

Über eine halbe Million Euro mehr wird das Umfeld der neuen Hochschule in Neumarkt kosten. Das steht schon jetzt fest. Und es könnte sogar noch mehr werden. Denn es gab noch weitere Wünsche aus dem Stadtrat für die Straßen, Wege und Plätze zwischen Residenzplatz und Abtsdorfer Gasse.

545000 Euro Überschreitung hat der Stadtrat am Donnerstag näheknirschend genehmigt. An Birgit Bojer und Franz Hirschmann vom Nürnberger Büro WGF war es, die unerfreuliche Nachricht zu verkünden. Dass aus den ursprünglich geplanten 1,13 Millionen Euro jetzt 1,675 Millionen Euro werden, hat mehrere Gründe, wie Bojer ausführlich erläuterte.

Spezialfundament für Straßenlampen nötig

Ein Problem liegt im Untergrund: die Tiefgarage. Über ihr liegt nur eine sehr geringe Deckschicht, „zum Teil nur 30 Zentimeter“, berichtete Bojer. Mit einem gewöhnlichen Fundament für Straßenlaternen könne man da nicht arbeiten. Deswegen habe man sich eine Sonderkonstruktion überlegen müssen mit besonderen Platten, in die die Leuchten eingebaut werden.

Neu im Konzept ist der Platz an der Abtsdorfer Gasse, der komplett neu gestaltet werden soll. Dort soll unter anderem eine Plattform entstehen, auf der Bäume wachsen sollen, dazu Sitzstufen. Unter dieser Fläche liegt ebenfalls ein Teil der Tiefgarage, wieder mit entsprechend wenig Abdeckung bis zur Oberfläche. Mit Platz für Bäume, die hier wurzlen könnten, sieht es also eigentlich extrem schlecht aus. „Wir haben hier aus der Not eine Tugend gemacht“, erklärte Birgit Bojer mit Blick auf das Podest. Durch dieses gewinnt man in einem Bereich Höhe und Boden für Bäume.

Bäume nur zu Lasten der Barrierefreiheit möglich

Barrierefrei sei das Podest zwar leider nicht, gestanden die Planer nach Kritik von Dieter Ries (FLitZ) ein, aber es sei die einzige Möglichkeit, auf dem Platz überhaupt Bäume möglich zu machen, ergänzte Stadtbaumeister Matthias Seemann. Immerhin wird des übrige Platz barrierefrei gestaltet und mit einem Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung versehen, das durch Fräsungen im Pflaster gestaltet wird. Das war bisher nicht vorgesehen und kostet allein 30000 Euro.

Die Kosten treibt auch die Ausgestaltung des Platzes an der Ecke Hutmachergasse/Kaminfegergasse nach oben. Hier könnte einmal eine gastronomische Nutzung stattfinden. Beide Plätze schlagen mit zusammen 210000 Euro zu Buche.

Dazu kommen Änderungen bei den Fahrrad-Stellplätzen am neuen studentischen Wohnen direkt neben der Hochschule. Weil es dort so dunkel ist, sollen die Stellplätze ein Glasdach bekommen und die Fassade dahinter eine Verkleidung. Auch der neue Ausgang aus der Tiefgarage an der Abtsdorfer Gasse bekommt ein Dach, ebenso wie die Radstellplätze dort.

Mehr Platz für Fahrräder?

Ein großer Zusatz-Brocken ist mit 135000 Euro eine Drainage-Schicht unter dem Pflaster. Auch diese war bisher nicht eingeplant, weil die Oberseite der Tiefgarage eigentlich ein Gefälle zur Abtsdorfer Gasse hin aufweist. Im Zuge der Bauarbeiten ergaben sich jedoch Bedenken, ob das für die Wasserableitung ausreicht, weshalb jetzt nachgebessert wurde.

Kritik entzündete sich an der massiven Kostensteigerung. Dieter Ries und Ferdinand Ernst (CSU) wollten wissen, warum all das nicht schon vorher berücksichtigt wurde. Stadtbaumeister Seemann erinnerte daran, dass seit der Kostenbewilligung vor einem Jahr einige Elemente dazugekommen sind, zum Beispiel der Abtsdorfer Platz. Dieser habe sich erst in der Rahmenplanung ergeben. Außerdem habe man gewusst, dass sich durch die Erweiterung der Tiefgarage Zwangspunkte auch für die Oberfläche ergeben.

Wünsche: E-Bike-Ladestationen und Parkplätze für Lastenräder

In die Tiefgarage wurde viel Geld investiert und sie bringt viele Folgekosten. „Doch wie soll die Mobilität für alle diejenigen aussehen, die nicht mit dem Auto kommen?“, wollte Olaf Böttcher (Grüne) wissen. Er wolle keine „Zustände wie am Bahnhofsvorplatz“. In Summe entstehen 70 neue Radstellplätze um die Hochschule, erklärte Seemann. Das sei relativ viel, weil ja auch nicht immer alle rund 150 erwarteten Studenten gleichzeitig vor Ort seien. Es dürfte ruhig ein bisschen mehr sein, so Böttcher. Pedra Wittmann (UPW) wünschte sich E-Bike-Ladesäulen und extra Stellplätze für Lastenräder. Für eine Hochschule für Ökomanagement wäre das nur billig.

Am Ende ließ der designierte OB Markus Ochsenkühn (CSU) abstimmen. Noch-Amtsinhaber Thomas Thumann hatte sich für die Sitzung, die seine letzte im Stadtrat gewesen wäre, entschuldigt. Das Gremium akzeptierte die Mehrkosten schließlich mehrheitlich. Lediglich Dieter Ries stimmte dagegen.